Das Buch der Psalmen | Psalm 18

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Die Bücher der Dichtung im Alten Testament

 

Biblia
 

Die gantze Heilige Schrifft Deudsch
D. Martin Luther, Wittenberg 1545

Die Bücher der Dichtung im Alten Testament

Der Psalter:
Die Bücher der Psalmen

Psalm 18

 

Ps 18

 

 

150 Psalmen, aufgeteilt in fünf Büchern

 

Ein Danklied des Königs

 
Auswahlverzeichnis
Der Psalm 18 aus Luthers Biblia 1545
 

Der Pſalter.

 

XVIII.

 
 
 
 
2. Samu.22

1Ein Pſalm vor zu ſingen Dauids / des HERRN knechts / Welcher hat dem HERRN die wort dieſes Lieds geredt / Zur zeit da jn der HERR er-
rettet hatte / von der hand ſeiner
Feinde / vnd von der hand
S
aul /
2vnd ſprach.

 

HErtzlich lieb habe ich dich HERR meine Stercke / 3HERR mein Felſ / mein Burg / mein Erretter / mein Gott / mein Hort / auff den ich trawe.

Mein Schild / vnd Horn meines heils / Vnd mein Schutz.

4ICh wil den HERRN loben vnd anruffen / So werde ich von meinen Feinden erlöſet.

5Denn es vmbfiengen mich des Todes bande / Vnd die beche Belial erſchreckten mich.

6Der Hellen band vmbfiengen mich / Vnd des Tods ſtrick vberweldiget mich.

7Wenn mir angſt iſt / ſo ruffe ich den HERRN an / vnd ſchrey zu meinem Gott / So erhöret er meine ſtim von ſeinem Tempel / vnd mein geſchrey kompt fur jn zu ſeinen Ohren.

 

DIe Erde bebete vnd ward beweget / Vnd die grundfeſte der Berge regeten ſich vnd bebeten / da er zornig war.

9Dampff gieng auff von ſeiner Naſen / Vnd verzerend fewr von ſeinem Munde / das es dauon blitzet.

10Er neigete den Himel vnd fur herab / Vnd tunckel war vnter ſeinen Füſſen.

11Vnd er fuhr auff dem Cherub vnd flog daher / Er ſchwebet auff den fittigen des winds.

12Sein Gezelt vmb jn her war finſter / vnd ſchwartze dicke wolcken / Darin er verborgen war.

13Vom glantz fur jm / trenneten ſich die Wolcken / Mit hagel vnd blitzen.

14Vnd der HERR donnerte im Himel / Vnd der Höheſt lies ſeinen donner aus / mit hagel vnd blitzen.

15Er ſchos ſeine ſtrale vnd zerſtrewet ſie. Er lies ſeer blitzen vnd ſchrecket ſie.

16Da ſahe man Waſſergöſſe / vnd des Erdboden grund ward auffgedeckt / HERR von deinem ſchelten / von dem odem vnd ſchnauben deiner Naſen.

 

ER ſchicket aus von der Höhe / vnd holet mich / Vnd zoch mich aus groſſen Waſſern.

18Er errettet mich von meinen ſtarcken Feinden / von meinen Haſſern die mir zu mechtig waren.

19Die mich vberweldigeten zur zeit meines vnfals / Vnd der HERR ward meine zuuerſicht.

20Vnd er füret mich aus in den Raum / Er reis mich heraus / Denn er hatte luſt zu mir.

a

Non perſonalis ſed realis, Id eſt, Ich hab nichts aus freuel an­gefangen / ſon­dern bin bei Gottes wort blieben / hab drüber gelid­den was ich leiden ſolt.

21DEr HERR thut wol an mir / nach meiner a Gerechtigkeit / Er vergilt mir nach der reinigkeit meiner hende.

22Denn ich halte die b Wege des HERRN / Vnd bin nicht Gottlos wider meinen Gott.

b

Haec eſt illa iu­ſticia, de qua hic loquitur.

23Denn alle ſeine Rechte hab ich fur augen / Vnd ſeine Gebot werffe ich nicht von mir.

24Sondern ich bin on wandel fur jm / Vnd hute mich fur ſünden.

25DArumb vergilt mir der HERR nach meiner Gerechtigkeit / Nach der reinigkeit meiner hende fur ſeinen Augen.

26BEy den Heiligen biſtu heilig / vnd bey den Fromen biſtu from / 27Vnd bey den Reinen biſtu rein / Vnd bey den Verkereten / biſtu verkeret.

28Denn du hilffeſt dem elenden volck / Vnd die hohen augen nidrigſtu.

29Denn du erleuchteſt meine Leuchte / Der HERR mein Gott machet meine finſternis liecht.

 

DEnn mit dir kan ich Kriegsuolck zeſchmeiſſen / Vnd mit meinem Gott vber die mauren ſpringen.

31GOttes wege ſind on wandel / Die Rede des HERRN ſind durchleutert / Er iſt ein Schild allen die jm vertrawen.

32Denn wo iſt ein Gott / on der HERr? Oder ein Hort / on vnſer Gott?

33Gott rüſtet mich mit krafft / Vnd macht meine wege on wandel.

34Er macht meine füſſe gleich den Hirſſchen / Vnd ſtellet mich auff meine höhe.

35Er leret meine Hand ſtreitten / Vnd leret meinen Arm einen ehren bogen ſpannen.

 

VND gibſt mir den Schild deines Heils / vnd deine Rechte ſtercket mich / Vnd wenn du mich demütigeſt / machſtu mich gros.

37Du machſt vnter mir raum zugehen / Das meine Knöchel nicht gleiten.

38Ich wil meinen Feinden nachiagen vnd ſie ergreiffen / Vnd nicht vmbkeren / bis ich ſie vmbbracht habe.

39Ich wil ſie zeſchmeiſſen / vnd ſollen mir nicht widerſtehen / Sie müſſen vnter meine füſſe fallen.

40Du kanſt mich rüſten mit ſtercke zum ſtreit / Du kanſt vnter mich werffen die ſich wider mich ſetzen.

41Du gibſt mir meine Feinde in die flucht / Das ich meine Haſſer verſtöre.

42Sie ruffen / Aber da iſt kein Helffer / Zum HERRN / Aber er antwortet jnen nicht.

43Ich wil ſie zeſtoſſen / wie Staub fur dem winde / Ich wil ſie wegreumen / wie den Kot auff der gaſſen.

 

DV hilffſt mir von dem zenckiſſchen Volck / Vnd macheſt mich ein Heubt vnter den Heiden / Ein Volck das ich nicht kandte / dienet mir.

45Es gehorchet mir mit gehorſamen ohren / Ja den frembden Kindern hats wider mich gefeilet.

46Die frembden Kinder verſchmachten / Vnd zappeln in jren banden.

47Der HERR lebet / vnd gelobet ſey mein Hort / Vnd der Gott meins Heils müſſe erhaben werden.

48Der Gott der mir Rache gibt / Vnd zwinget die Völcker vnter mich.

49Der mich errettet von meinen Feinden / Vnd erhöhet mich aus denen / Die ſich wider mich ſetzen / Du hilffſt mir von den Freueln.

 
Rom.15.

50Darumb wil ich dir dancken HERR vnter den Heiden / Vnd deinem Namen lobſingen.

51Der ſeinem Könige gros Heil beweiſet vnd wolthut ſeinem Geſalbeten / Dauid vnd ſeinem Samen ewiglich.

 

 
Aus dem Verzeichnis der Abkürzungen und Namen biblischer Bücher

Luthers Verweise auf biblische Bücher

 Kürzel

 Bezeichnung in Luthers Biblia 1545

 Moderne Bibel

 Kürzel

Rom.
Ro.
Epiſtel S. Paul an die Römer.

Biblia Vulgata: Epistula Pauli ad Romanos

Der Brief des Paulus an die Römer

Römerbrief

Röm

Röm

Rom

Erläuterungen siehe →Liste der Abkürzungen und Namen biblischer Bücher

 
 

Worterklärungen: Übersicht

Die folgenden Begriffe aus dem Text Ps 18 werden hier erläutert.

Versnummer: Luthers Wort

1: Pſalm Dauids

1: vor zu ſingen

1: HERRN

3: trawe

3: Horn

5: vmbfiengen

5: die beche Belial

6: Hellen

7: ſchrey

7: Tempel

7: geſchrey

7: fur

8: grundfeſte

9: fewr

9: dauon

10: fur

10: tunckel

11: Cherub

11: fittigen

12: Gezelt

14: Höheſt

15: zerſtrewet

16: ſchelten

16: odem

17: zoch

19: zuuerſicht

20: er hatte luſt zu mir

21: vergelten

21: hende

22: Gottlos

24: on wandel

26: Heiligen

26: biſtu

26: heilig

26: Fromen

26: from

28: nidrigſtu

29: liecht

30: zeſchmeiſſen

30: mauren

31: on wandel

31: durchleutert

31: vertrawen

32: on der HERR

32: on vnſer Gott

35: ehren

36: Heils

36: machſtu

37: zugehen

38: vmbkeren

38: vmbbracht

41: verſtöre

43: zeſtoſſen

44: zenckiſſchen

44: Heubt

44: Heiden

45: frembden

45: gefeilet

46: verſchmachten

49: Freueln

51: Geſalbeten

51: Dauid

51: ſeinem Samen

 

Klick auf ein Wort führt zum Eintrag mit den Erklärungen.

Das vollständige Verzeichnis findet sich hier: →Das große Stilkunst.de–Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

 
Aus dem Stilkunst.de-Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

Worterklärungen: Seltene Namen, Wörter und Begriffe im Text

Vers

Luther-Deutsch

Deutsch   |   Erläuterungen

1

Pſalm Dauids

Psalm Davids

Angabe der Urheberschaft im Titel von 50 Psalmen:

 

→Ps 3, →Ps 4, →Ps 5, →Ps 6, →Ps 8

→Ps 9, →Ps 11, →Ps 12, →Ps 13, →Ps 14

→Ps 15, →Ps 18, →Ps 19, →Ps 20, →Ps 21

→Ps 22, →Ps 23, →Ps 24, →Ps 25, →Ps 26

→Ps 27, →Ps 28, →Ps 29, →Ps 30, →Ps 31

→Ps 34, →Ps 35, →Ps 36, →Ps 37, →Ps 38

→Ps 39, →Ps 40, →Ps 41, →Ps 51, →Ps 61

→Ps 62, →Ps 63, →Ps 64, →Ps 65, →Ps 69

→Ps 70, →Ps 101, →Ps 103, →Ps 109, →Ps 110

→Ps 139, →Ps 140, →Ps 141, →Ps 143, →Ps 144

 

Die Formulierung besagt nicht verlässlich, dass David selbst diese Psalmen verfasst hat. Sie bedeutet wohl nur, dass sie zu einer Sammlung von Psalmen gehören, die ihm gewidmet ist.

 

In der Lutherbibel von 1545 benennen 73 Psalmen in der Überschrift David als Urheber.

 

a) Psalm Davids: 50x

Ps 3, 4, 5, 6, 8, 9, 11, 12, 13, 14

Ps 15, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26

Ps 27, 28, 29, 30, 31, 34, 35, 36, 37, 38

Ps 39, 40, 41, 51, 61, 62, 63, 64, 65, 69

Ps 70, 101, 103, 109, 110, 139, 140, 141, 143, 144

 

b) gülden Kleinod Davids: 6x

Ps 16, 56, 57, 58, 59, 60

 

c) Unterweisung Davids: 6x

Ps 32, 52, 53, 54, 55, 142

 

d) Lied Davids: 4x

Ps 122, 124, 131, 133

 

e) Psalmlied Davids: 2x

Ps 68, 108

 

f) Gebet Davids: 2x

Ps 17, 86

 

g) Unschuld Davids: 1x

Ps 7

 

h) Lob Davids: 1x

Ps 145

 

i) Davids: 1x

Ps 138

 

Zur Person Davids

 

Historisch kreisen um die Person Davids viele ungeklärte Fragen. Nach der biblischen Überlieferung war David nach Saul der zweite König Israels und lebte von etwa 1000 bis 961 v. Chr. Genauere Lebensdaten sind unbekannt.

 

David war zunächst Musiker am Hof Sauls und wurde später Offizier in seinem Heer.

 

Die Geschichte Davids wird ausführlich erzählt in den beiden Samuel­büchern (1Sam, 2Sam), in 1Kön 1-2 und in 1Chr 11-29.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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1

vorſingen

vorsingen (Verb)

a) für jemandem etwas singen

b) vor jemanden etwas singen

c) als Solist etwas zuerst singen, andere (ein Chor) wiederholen es

d) als Solist einen Liedteil singen, andere (ein Chor) ergänzt weitere Liedteile

 

→Ps 4,1 ( u. a.)

 

Ein Pſalm Dauids / vor zu ſingen

 

Luther: (Vorſingen) Wie der Can­tor vnd Prieſ­ter einen Vers oder Epiſtel vor ſinget / Vnd der Chor hinnach ſinget ein Reſponſo­rium / Halelu­ia oder Amen.

 

 

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1

HERR

HERR, JHWH, Jahwe

Aussehen in unseren Frakturschriften:

HERR, HERR oder HERR

 

HERR im Alten Testament

 

hebräisch: יהוה (jhwh, das Tetragrammaton JHWH)

lateinisch (Biblia Sacra Vulgata): Dominus, Herr

 

Luthers Schreibweise HERR in Versalien (Großbuchstaben) folgt einer festen Regel. Sie weist darauf hin, dass im hebräischen Text an dieser Stelle das Tetragrammaton (das Vierfachzeichen) »JHWH« (hebr.: יהוה) steht. Es ist der unaussprechliche Name Gottes.

 

Satztechnisch bedingte Varianten

Um beim Satz der Lettern Platz in einer Zeile zu sparen, wodurch übermäßgiger Sperrdruck oder ungünstige Wortumbrüche vermieden werden, sind in der Lutherbibel von 1545 häufig auch die Varianten HERr oder HERrn zu finden. Dabei sind mindestens die ersten drei Zeichen in Versalien gesetzt, womit sie hinreichend von HErr unterscheidbar sind.

 

HERR HErr:

Der Ausdruck HERR HErr steht dann, wenn im hebräischen Text »JHWH Adonaj« zu lesen ist. (Siehe dazu auch den Artikel →HErr.)

 

Auch die umgekehrte Reihenfolge HErr HERR ist möglich (»Adonaj JHWH«).

 

→Hes 2,4b-5a

4bSo ſpricht der HErr HERR / 5aſie gehorchen oder laſſens /

 

Die neuen Lutherbibeln übersetzen diesen Ausdruck stets mit »Gott der HERR«.

 

Das Wissen um die Aussprache der vier Zeichen, die den Gottesnamen ausmachen, ist schon früh in der Geschichte verloren gegangen. Sie werden heute oft mit »Jahwe« (vokalisiert geschrieben יְהוָה nach der Aussprache des hebräischen Adonaj, Herr) oder »Jehova« (יְהוָֹה ebenfalls nach dem hebräischen Adonaj, Herr, jedoch unter Berücksichtigung aller Vokale) transkribiert, aber auch mit »Jewah« (ebenfalls יְהוָה aber nach dem hebräischen Schema, der Name, zu lesen) oder »Jehowih« (יְהוִה nach dem hebräischen Elohim, Gott/Götter).

 

Luther kannte die vokalisierten Varianten und die transkribierten Formen und war wohl besonders dem Wort »Jehova« zugeneigt. Es bezieht alle drei Vokale aus dem Wort Adonaj, das »Herr« bedeutet. Dennoch hatte er es vermieden in seiner Übersetzung »Jehova« zu verwenden. Stattdessen nutzte er wie die lateinischen Bibeln einen Wortersatz. Er setzte das deutsche Wort ein, das gemäß der jüdischen Tradition zu lesen sei, wenn im Text das Vierfachzeichen erscheint, machte es aber durch die besondere Satzweise in Großbuchstaben kenntlich: HERR.

 

Luthers Schreibweise hat sich bis heute in etlichen Bibelausgaben gehalten.

 

 

HERR im Neuen Testament

 

Im neuen Testament verwendet Luther die Schreibweise HERR in Versalien (Großbuchstaben) für Gott, den Vater, an Stellen, wo sich Zitate aus dem Alten Testament auf »JHWH« beziehen.

 

Wichtig:

Davon zu unterscheiden sind die Schreibweisen

→»HErr« und →»Herr«.

 

 

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3

trawen

trauen (Verb)

a) glauben, vertrauen, zutrauen, hoffen

b) vermuten, denken, meinen

c) fest vertrauen, fest glauben

d) jemandem etwas zutrauen

e) glauben, Vertrauen schenken, seine Zuversicht setzen auf

f) gläubig, zuversichtlich sein

g) leichtgläubig, vertrauensselig sein

 

 

→Ps 25,20

 

Las mich nicht zu ſchanden werden / Denn ich trawe auff dich.

 

 

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3

Horn

Horn, das

1) Auswuchs am Kopf von Tieren

 

Das Horn ist die Spitze, der höchste Punkt am Kopf, der dadurch Größe erhält. Es ist Ausdruck von gesundem Wachstum, von Agilität, von Kraft und Stärke und von beeindruckender Imposanz.

 

2) Die Bibelsprache benutzt das Wort Horn im Zusammenhang mit Menschen als Symbol der Macht, der Stärke und des Ansehens.

 

→Ps 18,3

 

Mein Schild / vnd Horn meines heils / Vnd mein Schutz.

 

a) Mein Schild, mein Horn meines Heils und mein Schutz.

b) Mein Schild, meine Quelle der Macht für mein Wohlergehen und mein Schutz.

 

→Ps 89,18

 

durch deine Gnade wirſtu vnſer Horn erhöhen.

 

a) durch deine Gnade wirst Du ganz sicher unser Horn erhöhen.

b) durch deine Gnade wirst du ganz sicher unsere Macht und unser Ansehen stärken.

 

 

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5

vmbfangen

umfangen (Verb)

vmbfange, vmbfieng

 

a) umarmen, umfassen, umgreifen

b) ringsum umgeben, ringsum bedecken

c) umgeben, umschließen

c) bei abstraktem Objekt auch: sich innerlich aneignen, sich bekennen zu

d) für räumliche Weite: sich ausdehnen (in sich einschließend)

 

 

→Ps 18,5

 

Denn es vmbfiengen mich des Todes bande

 

a) Denn es umfingen mich des Todes Bande

a) Denn es umfassten mich die Fesseln des Todes.

 

→Ps 116,3

 

STricke des Todes hatten mich vmbfangen

 

a) Stricke des Todes hatten mich umfangen

a) Fesseln des Todes hatten mich umfasst

 

 

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5

Belial

Belial (Gottheit)

hebräisch: בליעל (Belial)

griechisch: Βελίαρ (Beliar)

 

Belial bzw. Beliar ist eine abwertende Kennzeichnung bzw. ein Name eines Gottes (abwertend: Götze), der zu Bosheit und Lüge verführt. Etymologisch ist im Wortstamm wohl das Verneinende, Negierende, Gegensätzliche von etwas Wertigem enthalten. So stehen sich gegensätzlich »Gott« und ein» Nicht-Gott« (Götze) gegenüber: JHWH und Belial.

 

Manche Autoren abstrahieren den Begriff und wollen ihn mit »Wertlosigkeit« oder »Nichtsnutz« übersetzt wissen, was allerdings die Gegenwart der Vielgötterei, die es auch in Israel und Judäa gab, ausblendet. Diese lässt eher eine konkrete, personal gedachte Gottheit erwarten. Dann ist Belial als Gott zu verstehen, der dem Gott JHWH gegenübersteht, aber nach jüdischem Glauben aufgrund seiner nicht-göttlichen Eigenschaften nur als Götze verstanden werden kann.

 

→Ps 18,5

 

Die beche Belial erſchreckten mich.

 

Die »Ströme Belials« in Ps 18,5 lassen einige Autoren vermuten, es handle sich um einen Gott der Unterwelt (Gott eines Ortes, von dem niemand aufsteigt). Dem widersprechen andere Bibelstellen, in denen Belial erwähnt wird.

 

Vielmehr darf hier die Metapher der Ausdehnung des Wirkungsbereichs des Belial und seiner Popularität verstanden werden: Wie Wasserläufe, Flüsse und Ströme ergießt sich Belial über das Land, verbreitet sich weiter und weiter und reißt mit seinem machtvollen Einfluss die Menschen mit sich. Wie Flüsse die Felder bewässern und für reichen Ertrag sorgen, so nähren die Ströme Belials den Götzenkult und lassen ihn überall aufleben.

 

Diese Beobachtung und sein Erschrecken darüber formuliert der Autor des 18. Psalms.

 

 

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6

Helle

Hölle, die

 

Totenreich, das

Helle
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
139 85 38 16

hebräisch: שאול (Scheol),
das Totenreich, die Unterwelt, in Abgrenzung zur Welt der Lebenden

lateinisch: infernum, auch: abyssus, baratrum, loca inferna, loca infernorum

griechisch: Ἅδης (Hades).

das Totenreich

 

Gedacht als konkreter Ort unter der Erdoberfläche (im Gegensatz zum Himmel über der Erdoberfläche), zu dem die Toten hinabsteigen.

 

Ort der Toten, Totenreich, in Abgrenzung zum Ort (zur Welt) der Lebenden.

 

Bedeutung

 

Der Begriff Hölle ist schwierig und zwischenzeitlich längst mystisch verklärt als Ort der Qual für die nach dem Tode Verdammten, als Ort des Feuers, wo Pech und Schwefel brennen, als Ort der Sünder, die aufgrund ihrer irdischen Verfehlungen Höllenpein zu erleiden haben, usw. Derartige Inhalte sind mit dem hebräischen Begriff Scheol nicht verbunden!

 

Moderne Übersetzungen vermeiden daher meist das Wort Hölle, um nicht einem nichtbiblischen und unchristlichen Glauben an einen verklärten Ort der Qualen, der Dämonen und Teufel Vorschub zu leisten.

 

Herrscher über den Scheol ist der Gott JHWH (s. →Ps 139,8), nicht der →Teufel (griechisch: διάβολος, als Gegenspieler des Gottes JHWH).

 

Auch Jesus ist nach seinem Tod zunächst in den Hades hinabgestiegen (Glaubensbekenntnis).

 

Häufig werden daher heute statt Hölle Begriffe wie Totenreich oder Ort der Toten o. ä. verwendet.

 

Das Wort Helle im Psalter der Lutherbibel

 

→Vorrede zum Psalter: Da ſiheſtu aber mal allen Heiligen ins hertze / wie in den Tod / ja wie in die Helle. Wie finſter vnd tunckel iſts da

 

→Ps 6,6: Denn im Tode gedenckt man dein nicht / Wer wil dir in der Helle dancken?
meint: Tote sind handlungsunfähig

 

→Ps 9,18: Ah das die Gottloſen müſten zur Helle gekeret werden

meint: Die Gottlosen sollten sterben

 

→Ps 16,10: DEnn du wirſt meine Seele nicht in der Helle laſſen
meint: Du wirst mich nicht sterben lassen

 

→Ps 18,6: Der Hellen band vmbfiengen mich / Vnd des Tods ſtrick vberweldiget mich.
meint: ich war dem Tod nahe

 

→Ps 28,1: Auff das nicht / wo du ſchweigeſt / ich gleich werde denen / die in die Helle faren.
meint: auch wenn du schweigst, deshalb werde ich nicht gleich sterben

 

→Ps 30,4: HERR du haſt meine Seele aus der Helle gefüret
meint: du hast mich vor dem Tod bewahrt

 

→Ps 30,4: Du haſt mich lebend behalten / da die in die Helle furen.
meint: mich hast du am Leben gelassen, während die anderen starben

 

→Ps 31,18: Die Gottloſen müſſen zu ſchanden vnd geſchweigt werden in der Helle.

meint: die Gottlosen müssen zum Schweigen gebracht werden durch einen schändlichen Tod

 

→Ps 49,15: Sie ligen in der Helle wie ſchafe / der Tod naget ſie

meint: sie liegen in ihren Gräbern wie Schafe und der Tod nagt an ihnen

 

→Ps 49,15: Jn der Helle müſſen ſie bleiben.

meint: sie müssen in ihren Gräbern bleiben

 

→Ps 49,16: ABer Gott wird meine Seele erlöſen aus der Hellen gewalt

meint: Gott wird meine Seele vor der Macht des Todes retten

 

→Ps 55,16: Der Tod vbereile ſie / vnd müſſen lebendig in die Helle faren

meint: Der Tod mag sie holen und mitten aus dem Leben reißen

 

→Ps 86,13: Vnd haſt meine Seele errettet aus der tieffen Helle.

meint: bewahre mein Leben vor dem Tod

 

→Ps 88,4: Vnd mein Leben iſt nahe bey der Helle.

meint: ich sieche dahin und bin dem Tode nahe, oder: ich fühle mich, als würde ich sterben

 

→Ps 88,5: Jch bin geacht gleich denen / die zur Helle fahren

meint: ich werde genauso wenig geachtet wie Verstorbene

 

→Ps 89,49: Der ſeine Seele errette aus der Hellen hand?

meint: der sein Leben bewahrt

 

→Scholion zu Ps 94,17: (Stille) Das iſt / in der Helle da es ſtille iſt vnd alles aus.

meint: im Grab ist es still und alles ist aus.

 

→Ps 116,3: STricke des Todes hatten mich vmbfangen / Vnd angſt der Hellen hatten mich troffen

meint: Der Tod umklammert mich und Todesangst hat mich überwältigt

 

→Ps 139,8: Füre ich gen Himel / ſo biſtu da / Bettet ich mir in die Helle / Sihe / ſo biſtu auch da.

meint: führe ich in den Himmel: du bist da! Begäbe ich mich ins Totenreich: Da bist du auch!

 

→Ps 141,7: VNſer gebeine ſind zuſtrewet bis zur Helle

meint: Die Leiber und Knochen unserer Verwundeten und Toten sind <über das ganze Feld> verstreut

 

 

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7

ſchreien

schreien (Verb)

sehr laut reden, sprechen

 

ich ſchreie

 

→Ps 28,2

 

Höre die ſtim meines flehens / wenn ich zu dir ſchreie

 

Höre die Stimme meines Flehens, wenn ich zu dir schreie.

 

→Ps 77,1

 

JCh ſchreie mit meiner ſtim / zu Gott / Zu Gott ſchreie ich / vnd er erhöret mich.

 

Ich schreie mit meiner Stimme zu Gott. Zu Gott schreie ich, und er erhört mich.

 

ich ſchrey

 

Das »e« am Ende entfällt.

Das »ei« am Wortende wird nach den Regeln des Luther-Deutsch zu »ey«.

 

Luther verwendet ſchrey sowohl als Präsensform wie auch als Präteritum.

 

→Ps 18,7

 

Wenn mir angſt iſt / ſo ruffe ich den HERRN an / vnd ſchrey zu meinem Gott

 

Wenn ich Angst habe, rufe ich den HERRN an und schreie zu meinem Gott.

 

→Ps 31,23

 

Dennoch höreteſtu meines flehens ſtim / da ich zu dir ſchrey.

 

Dennoch hörtest Du das Flehen in meiner Stimme, als ich zu dir schrie.

 

 

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7

Tempel

Tempel, der

Tempel
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
341 129 91 121

Gotteshaus, Heiligtum

 

Gebäude für öffentliche Gottesdienste

 

übertragen, biblisch:

der Himmel als Gottes Wohnung

 

der heilige Tempel

 

feststehender Begriff für das Heiligtum des Gottes JHWH auf dem →Tempelberg (Berg Zion) bei Jerusalem:

 

der Tempel in Jerusalem.

 

 

 

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7

geſchrey

Geschrei, das

 

Das »ei« am Wortende wird nach den Regeln des Luther-Deutsch zu »ey«.

 

→Ps 17,1

 

HERR erhöre die Gerechtigkeit / Merck auff mein geſchrey

 

HERR, erhöre die Gerechtigkeit, höre mein Geschrei.

 

 

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7

fur

a) vor (Präposition)

 

b) für (Präposition)

 

c) fuhr (Verb)

Die Präpositionen vor und für

 

Die beiden heutigen Wörter vor und für gehen sprachlich auf das selbe Wort zurück, was in der Lutherbibel noch gut verfolgt werden kann.

 

Überwiegend tritt fur in der Bedeutung vor auf und ist gleichbedeutend mit Luthers Schreibweise vor.

 

Die konkrete Bedeutung erschließt sich aus dem Textzusammenhang.

 

Das Verb fuhr

 

Das Wort fur kann auch das Verb fahren (Luther-Deutsch: faren) in der 3. Person Singular Präteritum meinen.

 

Beispiel der Bedeutung »vor«:

 

→Ps 3,1

 

Ein Pſalm Dauids / Da er floh fur ſeinem ſon Abſalom.

 

Ein Psalm Davids, [gesungen,] als er vor seinem Sohn Aschalom floh.

 

Beispiel der Bedeutung »für«:

 

→Ps 40,18

 

Denn ich bin Arm vnd Elend / Der HERR aber ſorget fur mich

 

Denn ich bin arm und elend. Der HERR sorgt aber für mich.

 

Beispiel der Bedeutung »fuhr«:

 

→Ps 18,10

 

Er neigete den Himel vnd fur herab

 

Er neigte den Himmel und fuhr herab.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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8

grundfeſte

Grundfeste, die (veraltet)

Singular: Grundfeste

Plural: Grundfeste

 

das Fundament, die Basis

 

a) das Fundament eines Bauwerks

die das Gebäude tragenden Teile wie Steine, Mauern, Pfahlwerk, Erdbefestigungen u. ä.

 

b) in biblischer Sprache oft in festen Verbindungen angewendet mit Welt, Erde, Berge, Himmel, Hölle

 

c) allgemein Basis, feste Unterlage von Dingen, speziell in der Handwerkersprache

 

d) Basis, Grundlage von Vorstellungen, Ideen, ethischen und geistigen Werten

 

Heute fast nur noch übertragen in festen Wendungen gebraucht, wie an den Grundfesten (z. B. einer Ideologie) rütteln (meint: etwas ins Wanken bringen).

 

→Ps 18,8

 

Vnd die grundfeſte der Berge regeten ſich vnd bebeten

 

a) Und die Grundfeste der Berge regten sich und bebten

b) Und die Fundamente der Berge wankten und bebten.

c) Und der Boden, auf dem die Berge gegründet waren, geriet ins wanken und erbebte.

 

SK Rev 04.08.2017  

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9

fewr

 

fewer

Feuer, das

 

Luther benutzt beide Schreibweisen, sowohl fewr wie auch fewer.

 

→Ps 21,10

 

Der HERR wird ſie verſchlingen in ſeinem zorn / Fewr wird ſie freſſen.

 

Der HERR wird sie verschlingen in seinem Zorn. Feuer wird sie fressen.

 

 

SK Rev 10.08.2017  

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9

dauon

 

da von

davon (Adverb)

dauon
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
404 267 73 64

da von
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
33 28 3 2

mhd: dâ von

Luther benutzt die zusammengestzte (dauon) und die getrennte Schreibweise (da von).

 

Das Wort bezeichnet

 

a) eine Entfernung von einem Ort: davon (entfernt sein)

b) eine Ablösung, Trennung, Befreiung von einer Sache, einem Verhältnis oder einem Zustand: davon (befreit sein, u. ä.)

c) eine Richtung für Bewegungen: von da, von daher, (da) hinweg, weg, dahin

d) einen Bezug zu einer Sache, einem Vorgang oder einem Zustand: davon (sagen, reden, denken, nehmen, usw.)

 

Beispiel für zusammengesetzte Schreibung: dauon

 

→Ps 49,21

 

Kvrtz / Wenn ein Menſch in der wirde iſt / vnd hat keinen verſtand / So feret er dauon wie ein Vieh.

 

Kurz: Wenn ein Mensch in Amt und Würden ist, aber keinen Verstand besitzt, dann fährt er dahin wie ein Stück Vieh.

 

Beispiel für getrennte Schreibung: da von

 

→Ps 49,13

 

Dennoch können ſie nicht bleiben in ſolcher wirde / Sondern müſſen da von / wie ein Vieh.

 

Dennoch können sie nicht bleiben in dieser Würde, sondern sie müssen davon, nicht anders als Vieh.

 

 

SK Rev 08.08.2017  

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10

faren

fahren (Verb)

die rasche, schnelle Bewegung im Unterschied zur sanften Bewegung des Gehens.

 

Formen

 

  Luther-Deutsch Deutsch
Infinitiv faren fahren
Präsens ich fare ich fare
  du fereſt du fährst
  er feret er fährt
Präteritum er fur er fuhr
  wir furen wir fuhren
  sie furen sie fuhren
  ich bin gefaren ich bin gefahren
Perfekt du biſt gefaren du bist gefahren
  er iſt gefaren er ist gefahren
Plusquamperfekt ſie waren gefaren sie waren gefahren
Imperative fare! fahre!
  fereſtu fährst du!

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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10

tunckel

dunkel (Adjektiv und Adverb)

finster, ohne Licht, des Lichts beraubt

 

a) nicht hell, dämmernd, düster, trübe, schwärzlich, finster

b) wo der Sinn nicht offen liegt: unklar, ungewiß, unverständlich, verhüllt, geheimnisvoll

 

→Ps 68,15

 

Wenn der Allmechtige hin vnd wider vnter jnen Könige ſetzt / So wird es helle / wo es tunckel iſt.

 

Wenn der Allmächtige hin und wieder unter ihnen Könige beruft, dann wird es hell, wo es dunkel ist.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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11

Cherub
Cherubim

Cherub, der

Cherubim, die (Plural)

hebräisch: כְּרוּב, Cherub

Plural: כְּרֻבִים, Cherubim

 

Ein Cherub ist ein geflügeltes Mischwesen, meist mit einem Menschenkopf und mit einem Tierleib (mit Flügeln und Tierfüßen). Der Cherub ist ein himmlischer Wächter, der beispielsweise das Paradies bewacht.

 

→1Mos 3,24

 

Vnd treib Adam aus / vnd lagert fur den garten Eden den Cherubim mit einem bloſſen hawenden Schwert / zu bewaren den weg zu dem Bawm des Lebens.

 

Und er treibt Adam hinaus und postiert vor dem Garten Eden den Cherub, einen göttlichen Wächter, mit einem blanken, zum Schlag bereiten Schwert.

 

→Ps 18,11

 

Vnd er fuhr auff dem Cherub vnd flog daher / Er ſchwebet auff den fittigen des winds.

 

Und er fuhr auf einem Cherub und flog daher. So schwebt er auf den Flügeln des Windes.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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11

fittig
fittiche

Fittich, der

Flügel bzw. Federn der Vorkante des Flügels von Vögeln.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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12

Gezelt

Gezelt, das (veraltet)

Gezelt
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
26 19 7 0

das Zelt

 

Behausung, Wohnung, Wohnstätte

 

In der alten Schreibweise wurde dem Wort Zelt noch das Präfix vorangestellt (ähnlich wie bei Haus und Gehäuse), das mit der Zeit verloren gegangen ist.

 

→Ps 18,12

 

Sein Gezelt vmb jn her war finſter / vnd ſchwartze dicke wolcken / Darin er verborgen war.

 

a) Seine Wohnung war finster und bestand aus schwarzen, dicken Wolken, in denen er verborgen war.

b) Seine Wohnung war Finsternis und schwarze, dicke Wolken. Darin war er verborgen.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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14

Höheſte

 

Höhest

Höchste, der

Substantivierung von: höchst (weit oben, sehr hoch)

 

Als Rangbezeichnung und Ehrenbezeichnung besonders für Gott, aber auch für Könige gebraucht.

 

hebräisch: עליון (ʿäljôn), Oberer, Höchster

abgeleitet von עָלָה (ʿalāh), hinaufgehen, aufsteigen

 

→Ps 18,14

 

Vnd der HERR donnerte im Himel / Vnd der Höheſt lies ſeinen donner aus

 

Und der HERR donnnerte im Himmel, und der Höchste ließ seine Stimme erschallen

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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15

zerſtrewen

zerstreuen (Verb)

a) streuen, auseinanderstreuen,

b) auseinandertreiben, auseinanderjagen,

c) etwas (zusammenhängendes) auflösen,

d) von etwas absondern, teilen

 

Luther verwendet ohne Unterscheidung

zerſtrewen und →zurſstrewen.

 

→Ps 68,31

 

Er zerſtrewet die Völcker die da gern kriegen.

 

Er zerstreut die Völker, die gerne Krieg führen.

 

 

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16

ſchelten

 

ſchilt
ſchiltest

schelten (Verb)

starkes Verb: schelten, schilte, schalt, schulten, gescholten

 

Präsens: ich schelte, du schiltst, er schilt

Imperfekt: ich schalt, du schiltest

 

a) jemanden schimpfen, schmähen, lästern, seinen Ruf beflecken

b) jemanden einen Schimpf- oder Spottnamen zulegen

c) (stark) tadeln, anklagen

d) Vorwürfe machen ( im Ggs. zu loben).

 

 

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16

odem
Odem

Odem, der

der Atem

 

Das Wort othem war eine geläufige Nebenform zu athem.

 

Luthers Nebenform Odem hat sich zu einer feierlichen Form des Begriffs Atem (othem) verselbstständigt, der oft mit göttlichem Atem gleichgesetzt wird, also Atem meint, der »Leben« impliziert und nicht nur »Atemluft« bedeutet.

 

→1Mos. 2,7

 

Er blies jm ein den lebendigen Odem in ſeine Naſen.

 

Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Atem (athem) ist neben Hauch und Luft im Umfeld der Seele und des Lebensgeistes angesiedelt. Da die Seele dem Menschen eingeblasen und wieder von ihm ausgeblasen wird, sind die Begriffe des Wehens, Hauchens, Blasens und Atmens mit der Vorstellung von einer Seele und dem Lebensgeist verbunden.

 

Luther verwendet die Nebenform Odem, um gegenüber dem einfachen Atem (Luft, die ein- und ausgeblasen wird) die grundlegende Lebenskraft zu beschreiben, die nötig ist, um den Menschen zu beleben. Sie wurde dem noch leblosen Körper des ersten Menschen von Gott eingeblasen und wird von da an vererbt und bei der Zeugung weitergegeben.

 

Dabei grenzt sich Odem eindeutig von Seele ab, die ursprünglich wohl auch eine Art Lebenskraft bezeichnet. Während aber Odem die grundlegende Fähigkeit zu leben, das Leben an sich bezeichnet, ist an Seele die Persönlichkeit, das »Ich« des Individuums gekoppelt. Neben Körper (die Materie), Geist (die Fähigkeit, zu denken und zu handeln) und Seele (das Individuum, das "Ich") ist Odem (das Leben) die vierte Komponente, die uns Menschen zu lebenden, handelnden Wesen mit eigener Persönlichkeit macht (1Mos 2,7).

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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17

zeuchen

zeuchen (Verb; veraltet)

zeucheln (Verb; veraltet)

ziehen (Verb)

ziehen (in jeglichem Sinn), zerren, raffen.

 

er zoch: er zog (3.Pers. Prä.)

 

→Ps 40,3

 

Vnd zoch mich aus der grawſamen Gruben

 

Und zog mich aus der grausamen Grube

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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19

zuuerſicht

Zuversicht, die

ursprünglich: das Voraussehen auf etwas oder eine Person

 

1) die Erwartung des Künftigen

2) die Erwartung dessen, was man wünscht, die Hoffnung

3) das Vertrauen auf Gott und das, was er gewährleistet

4) die feste, untrügliche Annahme der Erwartung

5) das Vertrauen, das man auf sich und seine Fähigkeiten hat

 

→Ps 94,22

 

Mein Gott iſt der Hort meiner zuuerſicht.

 

 

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20

Luſt

Lust, die/der

heftiges Verlangen, Begierde

 

Luther verwendet das Wort häufig in der maskulinen Form.

 

→Ps 30,6

 

Vnd er hat luſt zum Leben

 

a) Und er hat Verlangen nach Leben

b) Doch das Leben ist seine Passion

 

Wendungen

 

Eine feste Wendung in der Lutherbibel von 1545 ist der Ausdruck:

 

ein Luſt büſſen - ein Verlangen stillen, befriedigen

 

→Ps 78,29-31

 

Da aſſen ſie vnd wurden all zuſat / Er lies ſie jren Luſt büſſen. Da ſie nu jren luſt gebüſſet hatten / Vnd ſie noch dauon aſſen. Da kam der zorn Gottes vber ſie

 

Da aßen sie und wurden allzu satt. Er lies sie ihr Verlangen stillen. Als sie nun ihr Verlangen gestillt hatten, und sie noch davon aßen, da kam der Zorn Gottes über sie.

 

 

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21

vergelten

vergelten (Verb)

ursprünglich: empfangenes Geld zurückbezahlen (in vergelten steckt das Wort Gelt, Geld).

 

a) bezahlen, zurückzahlen

b) Ersatz leisten für etwas, eine Gegenleistung für etwas erbringen

 

Formen:

 

er vergilt ihnen: er vergilt ihnen (3. Person Singular Präsens Aktiv Indikativ)

er vergelte ihnen: er vergelte ihnen (3. Person Singular Präsens Aktiv Konjunktiv)

 

→Ps 28,4

 

Vergilt jnen was ſie verdienet haben.

 

a) Vergilt ihnen, was sie verdient haben.

b) Zahle ihnen zurück, was sie verdient haben.

 

→Ps 137,8

 

Wol dem der dir vergelte / wie du vns gethan haſt.

 

a) Wohl dem, der dir vergelte, wie du uns getan hast.

b) Wohl dem, der dir vergelten möge, was du für uns getan hast.

c) Wohl dem, der dir bezahle, was du für uns getan hast.

 

 

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21

Hand

Hand, die

 

Plural: Hende

 

→Ps 141,2

 

Mein Gebet müſſe fur dir tügen / wie ein Reuchopffer / Meine hende auffheben / wie ein Abendopffer.

 

Mein Gebet soll dir erscheinen wie ein Rauchopfer, das Erheben meiner Hände wie ein Abendopfer.

 

Oder kurz: Nimm mein Gebet als Rauchopfer und das Erheben meiner Hände als Abendopfer.

 

 

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22

gottlos

gottlos (Adjektiv)

Religiöser Begriff, der die Existenz Gottes voraussetzt:

 

a) Zustand: los von Gott; von Gott verlassen; ohne Gott.

b) religiöse Grundhaltung: Gott nicht dienend; die Ehre, den Willen, die Gebote Gottes missachtend

 

→Ps 10,15

 

So wird man ſein gottlos weſen nimer finden.

 

So wird man sein gottloses Wesen niemals finden.

 

 

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24

on wandel

ohne Wandel (Ausdruck, veraltet)

Wandel (der) hat eigentlich die Bedeutungen im Wortfeld Lebensführung, Veränderung, aber auch Makel, Rückgängigmachung, Buße, Strafe, usw.

 

Die Wendung on wandel meint:

 

a) ohne Makel, makellos

b) kein Wandel, keine Veränderung, unverändert

c) ohne Änderung der Lebensweise und/oder der geistigen Haltung, integer

usw.

 

→Ps 15,2

 

WEr on wandel ein her gehet / Vnd recht thut / Vnd redet die warheit von hertzen.

 

a) Wer ohne Makel daher kommt, und Recht tut, und die Wahrheit von Herzen redet.

b) Wer integer und rechtschaffen ist, und dem die Wahrheit eine Herzensangelegenheit ist.

 

→Ps 19,8

 

Das Geſetz des HERRN iſt on wandel

 

a) Das Gesetz des HERRN ist unveränderlich

b) Das Gesetz des des Herrn ist makellos

c) Das Gesetz des Herrn ist vollkommen

 

 

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26

Heilige

Heilige, der

jemand, der religiöse Tugenden (göttlich vollkommen) lebt und daher verehrungswürdig ist.

 

 

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26

biſtu

bist du (Verb)

biſtu
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
163 94 6 63

2. Person Singular Indikativ Aktiv von sein (Verb)

 

Präsens:

biſtu: bist du

 

Die Flexion mit dem angehängten »u« ist eine eigentümliche Form, die sonst nur noch aus älteren Texten bekannt ist und heute nicht mehr genutzt wird. Gebildet wurde sie aus der 2. Person, zusammengezogen mit dem Personalpronomen »du«, aus dem das »u« stammt. Diese Form impliziert eine gewisse Dringlichkeit und Direktheit der Ansprache, die unmittelbare Hinwendung zum Gegenüber. So kann es die unzweifelhafte Feststellung des Handelns, die dringliche Ansprache oder die unmittelbare Aufforderung zum Handeln bedeuten (Indikativ in der Aussage), die Erfüllung einfordern, mutmaßen bzw. unterstellen (Konjunktiv), oder zur Antwort und Erklärung auffordern (Verb in der Frage).

 

Heute ist stattdessen das Verb in seiner gebräuchlichen Flexion verbunden mit »du« zu verwenden. Die Direktheit oder eine Aufforderung kann bestenfalls durch eine Sinn tragende Beifügung umschrieben werden abhängig vom Kontext. Sie kann ggf. durch einen Imperativ herausgestellt oder durch ein Ausrufezeichen kenntlich gemacht werden.

 

→1Mos 3,9

 

Vnd Gott der HERR rieff Adam / vnd ſprach zu jm / Wo biſtu?

 

Und Gott der HERR rief den Menschen und sprach zu ihm: (Antworte gefälligst!) Wo bist du?

Umgangssprachlich umschrieben: Wo treibst du dich rum!?

 

→Ps 139,3

 

Jch gehe oder lige / ſo biſtu vmb mich / Vnd ſiheſt alle meine wege.

 

Ich gehe oder liege (und ich weiß): Du bist (ganz bestimmt) um mich herum! Und du siehst alle meine Wege.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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26

heilig

heilig (Adjektiv)

(In Abgrenzung zum Irdischen:) göttlich vollkommen und verehrungswürdig.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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26

Frome

Fromme, der

a) der Brave, Tüchtige, Tapfere

b) der Nützliche, Gute

c) der Ordentliche, Ehrliche

d) der Unschuldige, Unsträfliche

e) der Gewissenhafte, Pflichtgetreue (gegenüber Gott)

f) der Fromme, Verehrende

 

 

Ein Mensch, der anhaltend (tüchtig) Gott und die Gebote pflichtgetreu verehrt, und dabei tapfer gegen alle Anfechtungen besteht.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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26

from

fromm (Adjektiv)

a) brav, tüchtig, tapfer

b) nützlich, gut

c) ordentlich, ehrlich

d) unschuldig, unsträflich

e) gewissenhaft, liebevoll, pflichtgetreu (gegenüber Gott)

f) fromm, verehrend

 

 

Eine anhaltende (tüchtige), die Göttlichkeit pflichtgetreu verehrende Eigenschaft, die von Tapferkeit gegen alle Anfechtungen getragen wird.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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28

nidrigſtu

niedrigst du (Verb)

2. Person Singular Indikativ Aktiv von niedrigen (Verb, veraltet)

erniedrigen

 

Präsens:

nidrigſtu: niedrigst du, erniedrigst du

 

 

Die Flexion mit dem angehängten »u« ist eine eigentümliche Form, die sonst nur noch aus älteren Texten bekannt ist und heute nicht mehr genutzt wird. Gebildet wurde sie aus der 2. Person, zusammengezogen mit dem Personalpronomen »du«, aus dem das »u« stammt. Diese Form impliziert eine gewisse Dringlichkeit und Direktheit der Ansprache, die unmittelbare Hinwendung zum Gegenüber. So kann es die unzweifelhafte Feststellung des Handelns, die dringliche Ansprache oder die unmittelbare Aufforderung zum Handeln bedeuten (Indikativ in der Aussage), die Erfüllung einfordern, mutmaßen bzw. unterstellen (Konjunktiv), oder zur Antwort und Erklärung auffordern (Verb in der Frage).

 

Heute ist stattdessen das Verb in seiner gebräuchlichen Flexion verbunden mit »du« zu verwenden. Die Direktheit oder eine Aufforderung kann bestenfalls durch eine Sinn tragende Beifügung umschrieben werden abhängig vom Kontext. Sie kann ggf. durch einen Imperativ herausgestellt oder durch ein Ausrufezeichen kenntlich gemacht werden.

 

nidrigſtu: erniedrigst du (ganz bestimmt, ohne Zweifel)!

 

→Ps 18,28

 

Denn du hilffeſt dem elenden volck / Vnd die hohen augen nidrigſtu.

 

Denn du hilfst dem elenden Volk. Die hochmütigen Augen aber erniedrigst du gewiss!

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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29

liecht

licht (Adjektiv)

a) für Helligkeit (im Gegs. zur Finsternis): hell, leuchtend

b) für Lichtstrahlen (von Himmelskörpern, vom Feuer, von Lampen, usw.): strahlend

c) für leuchtende Körper wie Lichter, Leuchten, Lampen ( besonders im Plural): mit Glanz versehen, durchleuchtend, beleuchtend, strahlend usw.

 

→Ps 18,29

 

Der HERR mein Gott machet meine finſternis liecht

 

a) Der HERR mein Gott macht meine Finsternis hell

b) Der HERR mein Gott erhellt meine Finsternis

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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30

zeſchmeiſſen

 

zuſchmeiſſen

zerschmeißen (Verb)

a) schmeißen

b) durch Wurf aus der Ferne, durch Niederwerfen auf den Erdboden oder durch gewaltsamen Schlag in Stücke werfen

 

Luther verwendet ohne Unterscheidung zeſchmeiſſen und zuſchmeiſſen.

 

→Ps 2,9

 

Wie Töpffen ſoltu ſie zeſchmeiſſen.

 

Schlag sie in Stücke, als wären es Tontöpfe!

 

 

→Ps 68,22:

Aber Gott wird den Kopff ſeiner Feinde zuſchmeiſſen ſampt jrem Harſcheddel.

 

Aber Gott wird den Kopf seiner Feinde zerschmettern mitsamt ihrem Haarschopf.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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30

Maur
Mauren

Mauer, die

Mauern, die

mauren zu Jeruſalem: die Mauern Jerusalems

 

→Ps 78,13

 

Er zurteilet das Meer / vnd lies ſie durch hin gehen / Vnd ſtellet das Waſſer / wie eine Maur.

 

Er teilte das Meer und lies sie hindurch gehen. Und <er> stellte Wasser <auf> wie eine Mauer.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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31

durchleutern

durchläutern (Verb, veraltet)

völlig reinigen, lauter machen durch Ausschmelzen, Auskochen, Durchseihen.

 

→Ps 105,19

 

Bis das ſein wort kam / Vnd die Rede des HERRN jn durchleutert.

 

wörtlich: Bis sein Wort kam, und die Rede des HERRN ihn durchläuterte.

 

sinngemäß: Bis ihn seine Worte trafen, und die Rede des HERRN ihn durch und durch reinigte.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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31

vertrawen

vertrauen (Verb)

 

a) das verstärke trauen: man vertraut jemandem, dem man nichts Böses zutraut

b) jemandem etwas zutrauen

c) (an etwas) glauben, Vertrauen schenken, seine Zuversicht setzen auf

d) gläubig, zuversichtlich sein

 

 

→Ps 18,31

 

Er iſt ein Schild allen die jm vertrawen.

 

Er ist ein Schild allen, die ihm vertrauen.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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32

on

ohne (Präposition)

Wegfall einer Sache oder eines Grundes

 

→Ps 18,32 on der HERR: ohne dem HERRN

 

→Ps 27,12 on ſchew: ohne Scheu

 

→Ps 35,15 on meine ſchuld: ohne meine Schuld

 

→Ps 18,32 on vnſer Gott: ohne unserem Gott

 

→Röm 1,9 on vnterlas: ohne Unterlass

 

→Ps 7,5 on vrſach: ohne Ursache, ohne Grund, grundlos

 

→Ps 15,2 on wandel: ohne Makel, makellos, unverändert

 

→Ps 105,34 on zahl: ohne Zahl, zahllos, unzählig

 

→Röm 4,6 on zuthun: ohne Zutun

 

→Röm 4,9 on zweiuel: ohne Zweifel, zweifelsohne, zweifellos

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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35

ehren

ehern (Adjektiv, veraltet)

aus Erz bestehend, aus Eisen bestehend

 

→Ps 18,37

 

Er leret meine Hand ſtreitten / Vnd leret meinen Arm einen ehren bogen ſpannen.

 

a) Er lehrt meiner Hand zu streiten, und er lehrt meinem Arm einen ehernen Bogen zu spannen.

a) Er lehrt meiner Hand zu streiten, und er lehrt meinem Arm einen eisernen Bogen zu spannen.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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36

Heil

Heil, das

im unterschiedlichen Sinn gebraucht umfasst es immer eine positive Wendung (beispielsweise Genesung von Krankheit). Es impliziert u. a. Wohlergehen, Wohlbefinden, Glück, Rettung aus irgendeiner Gefahr oder Not, usw.

 

Luther sieht hinter dem Wort Heil mehr als nur das Wort »Hilfe«, das sich im hebräischen Text befindet, und nutzt es stattdessen. Es impliziert den Sieg, die Kehrtwende zum Guten hin.

 

→Ps 98, 2

 

Der HERR leſſt ſein Heil verkündigen

 

Frei übersetzt: Jahwe lässt verkündigen, dass er die Hilfe zum Sieg ist (über Feinde, Gottlose, Ungerechtigkeit, Unrecht, usw.).

 

→Ps 98, 3

 

Aller welt ende ſehen das Heil vnſers Gottes.

 

Frei übersetzt: Die ganze Welt sieht die Hilfe unseres Gottes <bei der Wende zum Guten hin>.

 

 

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36

machſtu

machst du (Verb)

machſtu
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
19 15 2 2

2. Person Singular Indikativ Aktiv von machen (Verb)

 

Präsens:

machſtu: machst du

 

Die Flexion mit dem angehängten »u« ist eine eigentümliche Form, die sonst nur noch aus älteren Texten bekannt ist und heute nicht mehr genutzt wird. Gebildet wurde sie aus der 2. Person, zusammengezogen mit dem Personalpronomen »du«, aus dem das »u« stammt. Diese Form impliziert eine gewisse Dringlichkeit und Direktheit der Ansprache, die unmittelbare Hinwendung zum Gegenüber. So kann es die unzweifelhafte Feststellung des Handelns, die dringliche Ansprache oder die unmittelbare Aufforderung zum Handeln bedeuten (Indikativ in der Aussage), die Erfüllung einfordern, mutmaßen bzw. unterstellen (Konjunktiv), oder zur Antwort und Erklärung auffordern (Verb in der Frage).

 

Heute ist stattdessen das Verb in seiner gebräuchlichen Flexion verbunden mit »du« zu verwenden. Die Direktheit oder eine Aufforderung kann bestenfalls durch eine Sinn tragende Beifügung umschrieben werden abhängig vom Kontext. Sie kann ggf. durch einen Imperativ herausgestellt oder durch ein Ausrufezeichen kenntlich gemacht werden.

 

machſtu: machst du (ganz bestimmt, ohne Zweifel)!

 

→Ps 18,36

 

Vnd wenn du mich demütigeſt / machſtu mich gros.

 

Und wenn du mich demütigst, machst du mich groß!

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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37

gehen

gehen (Verb)

Bewegung des Laufens

 

zugehen für »um zu gehen« bzw. für »zum Gehen«

 

→Ps 18,37

 

Du machſt vnter mir raum zugehen / Das meine Knöchel nicht gleiten.

 

a) Du machst unter mir Platz, um zu gehen, dass meine Knöchel nicht ausrutschen.

b) Du machst unter mir Platz zum Gehen, damit meine Knöchel nicht ausrutschen.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

38

vmbkeren

umkehren (Adjektiv)

in die entgegengesetzte Richtung kehren, wenden

 

→Ps 18,38

 

Jch wil meinen Feinden nachiagen vnd ſie ergreiffen / Vnd nicht vmbkeren / bis ich ſie vmbbracht habe.

 

Ich will meinen Feinden nachjagen und sie ergreifen, und nicht umkehren, bis ich sie umgebracht habe.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

38

vmbbringen

umbringen (Verb)

1a) an einen anderen Ort bringen, zurückbringen

1b) jemanden zu Boden bringen, werfen

1c) jemanden wegbringen

2a) Lebewesen: ums Lebens bringen, das Leben nehmen, töten

2b) einen Menschen: morden

2c) von Menschen: sich das Leben nehmen

3a) eine Sache: etwas zunichte machen

3b) eine Sache: durchbringen, vertun, vergeuden, verprassen

 

→Ps 40,15

 

SChemen müſſen ſich vnd zu ſchanden werden / die mir nach meiner Seelen ſtehen / das ſie die vmbbringen

 

Schämen müssen sich und bloßgestellt werden, die mir nach meiner Seele trachten, um sie umzubringen.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

41

verſtören

zerstören (Verb)

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

43

zeſtoſſen

zerstoßen (Verb)

a) stoßen, in Stücke stoßen

b) zertrümmern, zermalmen

 

→Ps 44,6

 

Durch Dich wöllen wir vnſer Feinde zeſtoſſen

 

Durch dich werden wird unsere Feinde zermalmen.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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44

zenckiſſch

 

zenckiſch

zänkisch (Adjektiv)

zu Zank und Streit veranlagt

 

Mit »s« und »sch«: zenckiſſch

 

→Ps 18,44

 

Du hilffſt mir von dem zenckiſſchen Volck

 

Du hilfst mir vor dem zänkischen Volk

 

Nur mit »sch«: zenckiſch

 

→Ps 31,21

 

Du verdeckeſt ſie in der Hütten / fur den zenckiſchen Zungen.

 

Du verbirgst sie in der Hütte vor den zänkischen Zungen.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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44

Heubt

Haupt, das

gehobener Ausdruck für: Kopf

 

 

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44

Heiden

Heiden, die

Heide, der

Heiden
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
684 412 120 152

Im Alten Testament nur im Plural gebräuchlich.

 

(eigtl. Völker). Im religiösen Sinn sind Heiden Menschen, die nicht an Gott glauben bzw. angehörige fremder Religionen.

 

Gemeint sind (allumfassend) Völker mit fremden Religionen und fremden Gotteskulten aus der Sicht des Sprechenden in Abgrenzung zum Volk Gottes.

 

Im Neuen Testament verwendet Luther das Wort auch im Singular:

 

→Mt 18, 17

 

Höret er die Gemeine nicht / So halt jn als einen Heiden vnd Zölner.

 

Hört er nicht auf die Gemeinde, dann halte ihn für einen Heiden und Zöllner.

 

 

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45

frembd

fremd (Adjektiv)

Hauptbedeutungen:

 

a) fernher sein, aus weiter Ferne sein

benutzt z. B. für Menschen, die aus fernen oder anderen Ländern stammen (so für Ausländer).

 

b) nicht eigen sein, nicht angehören

benutzt z. B. für Menschen, die nicht dem eigenen oder beschriebenen Personenkreis angehören (z. B. Familien, Gesellschaften, Dörfer, Städte, usw.).

 

Das Adjektiv kann sich auf alles in der Lebenswelt beziehen (Sachen, Tiere, Menschen, Götter, Sprachen, Ideen, Rituale, usw.).

 

→Ps 18,45-46

 

Ja den frembden Kindern hats wider mich gefeilet. Die frembden Kinder verſchmachten / Vnd zappeln in jren banden.

 

Ja, die fremden Kinder haben gegen mich versagt. Die fremden Kinder vergehen vor Sehnsucht und zappeln in ihren Räuberbanden.

 

 

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45

feilen

fehlen (Verb)

im Sinne von:

irren, fehlschlagen, nicht treffen, nicht gelingen, versagen

 

→Ps 81,16

 

Vnd die den HERRN haſſen / Müſten an jm feilen

 

Und die den HEERN hassen, müssten an ihm zerbrechen.

 

 

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46

verſchmachten

verschmachten (Verb)

in Sehnsucht nach etwas zugrunde gehen.

 

schmachten (Verb)

 

heftig hungern oder dürsten; ein sehnliches Verlangen nach etwas haben.

 

 

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49

freuel

Frevel, der

mhd: frevel

Bewusster Verstoß gegen die geltende (göttliche oder weltliche) Ordnung aus Übermut, Auflehnung oder Missachtung.

 

Adjektivisch gebraucht

 

→Ps 35,8

 

Es tretten freuel Zeugen auff / Die zeihen mich des ich nicht ſchüldig bin.

 

Es treten falsche Zeugen auf. Sie bezichtigen mich, obwohl ich nicht schuldig bin.

 

 

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51

Geſalbte
Geſalbete

Gesalbte, der

Mensch, der durch Salbung geweiht und geheiligt ist.

 

1. Nach biblischer Sitte bezeichnet der Begriff Könige. U. a. beinhaltet das Ritual der Krönung die Salbung mit wertvollen Ölen.

 

2. Der Gesalbte bezeichnet den Messias, den von den Juden erwarteten mächtigen König: Wir haben den Messias funden (welches ist verdolmetscht der Gesalbete) (Joh 1,14).

 

Der Gesalbte:

- hebräisch: ‏משיח, Messias

- in griechischer Transkription: Μεσσίας, Messias

- ins Griechische übersetzt: Χριστός, Christos

- latinisiert: Christus.

 

3. Ein Gesalbter ist ein Eingeweihter, einer der mit den Geheimnissen einer Gesellschaft, eines Bundes u. s. w. bekannt ist.

 

Bezeichnung für den König

 

→Ps 18,51

 

Der ſeinem Könige gros Heil beweiſet vnd wolthut ſeinem Geſalbeten / Dauid vnd ſeinem Samen ewiglich.

 

Der seinem König große Hilfe erweist, der seinem Gesalbten Gutes tut, David und allen seinen Nachkommen

 

 

 

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51

Dauid

David

hebräisch: דָּוִד (dͻwid) oder דָּוִיד (dͻwīd)

lateinisch: David

griechisch: Δαυιδ (David)

 

Zur Person Davids

 

Nach der biblischen Überlieferung war David König von Juda und nach Saul der zweite König Israels. Er lebte von etwa 1000 bis 961 v. Chr.

 

Genauere Lebensdaten sind unbekannt. Historisch kreisen um die Person Davids viele ungeklärte Fragen.

 

David war zunächst Musiker am Hof Sauls und wurde später Offizier in seinem Heer. Schließlich wurde er Sauls Nachfolger als König über Israel.

 

David in der Bibel

 

Die Geschichte Davids wird ausführlich erzählt in den beiden Samuel­büchern (1Sam, 2Sam), in 1Kön 1-2 und in 1Chr 11-29.

 

König David gilt als der Autor von 73 Psalmen. Siehe dazu die folgenden Artikel:

 

→Psalm Davids

→Gülden Kleinod Davids

→Unterweisung Davids

→Lied Davids

→Psalmlied Davids

→Gebet Davids

→Unschuld Davids

→Lob Davids

→Davids

 

 

 

 

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51

Samen

Samen, der

 

Nachkommen, die

Im eigentlichen Sinn sind Samen Gebilde, die sich aus den Blüten von Pflanzen entwickeln, und aus denen in geeigneter Umgebung neue Pflanzen wachsen können. Beim Menschen bezeichnet Samen das Sperma.

 

Luther verwendet den Begriff Samen in Bezug auf Menschen immer wieder in der Bedeutung Nachkommen.

 

→Ps 105,6 (u.a.) : der ſamen Abrahams

die Nachkommen Abrahams

 

→Ps 22,24 : Es ehre jn aller ſame Jacob

Es mögen ihn alle Nachkommen Jakobs ehren

 

→Ps 22,24: vnd fur jm ſchewe ſich aller ſame Jſrael.

und alle Nachkommen Israels mögen sich vor ihm erschrecken

 

→Ps 18,51: Dauid vnd ſeinem Samen ewiglich.

David und allen seinen Nachkommen.

 

→Röm 1,3: der geboren iſt von dem ſamen Dauid nach dem Fleiſch

der geboren ist von Davids Nachkommen nach dem Fleisch

 

 

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Erläuterungen siehe →Das große Stilkunst.de–Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

 

 

Erläuterungen zum Satz und zur Typografie des Bibeltextes

Der Text aus der Lutherbibel auf dieser Seite ist in Anlehnung an das Druckbild des Ori­gi­nals von 1545 wiedergegeben.

Den Seitenaufbau, die verwendeten Schriften, die Schreibregeln der Frakturschrift und Luthers In­ten­tio­nen, mit der Typografie Lesehilfen be­reit­zu­stel­len, erläutert dem interessierten Leser unser Artikel »Satz und Typografie der Lutherbibel von 1545«.

 
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