Das Buch der Psalmen | Psalm 15

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Die Bücher der Dichtung im Alten Testament

 

Biblia
 

Die gantze Heilige Schrifft Deudsch
D. Martin Luther, Wittenberg 1545

Die Bücher der Dichtung im Alten Testament

Der Psalter:
Die Bücher der Psalmen

Psalm 15

 

Ps 15

 

 

150 Psalmen, aufgeteilt in fünf Büchern

 

Der Gast des HERRN

 
Auswahlverzeichnis
Der Psalm 15 aus Luthers Biblia 1545
 

Der Pſalter.

 

XV.

1Ein Pſalm Dauids.

 

HERR / wer wird wonen in deiner Hütten? Wer wird bleiben auff deinem heiligen Berge?

2WEr on wandel ein her gehet / Vnd recht thut / Vnd redet die warheit von hertzen.

3Wer mit ſeiner Zungen nicht verleumbdet / Vnd ſeinem Neheſten kein arges thut / Vnd ſeinen Neheſten nicht ſchmehet.

4Wer die Gottloſen nichts achtet / Sondern ehret die Gottfürchtigen / Wer ſeinem Neheſten ſchweret / vnd helts.

5Wer ſein Gelt nicht auff Wucher gibt / Vnd nimpt nicht Geſchencke vber den Vnſchüldigen / Wer das thut / der wird wol bleiben.

 

 

Worterklärungen: Übersicht

Die folgenden Begriffe aus dem Text Ps 15 werden hier erläutert.

Versnummer: Luthers Wort

1: Pſalm Dauids

1: HERR

1: heiligen Berge

2: on wandel

2: recht

3: Neheſten

3: arges

4: Gottloſen

5: Gelt

5: nimpt

  

Klick auf ein Wort führt zum Eintrag mit den Erklärungen.

Das vollständige Verzeichnis findet sich hier: →Das große Stilkunst.de–Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

 
Aus dem Stilkunst.de-Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

Worterklärungen: Seltene Namen, Wörter und Begriffe im Text

Vers

Luther-Deutsch

Deutsch   |   Erläuterungen

1

Pſalm Dauids

Psalm Davids

Angabe der Urheberschaft im Titel von 50 Psalmen:

 

→Ps 3, →Ps 4, →Ps 5, →Ps 6, →Ps 8

→Ps 9, →Ps 11, →Ps 12, →Ps 13, →Ps 14

→Ps 15, →Ps 18, →Ps 19, →Ps 20, →Ps 21

→Ps 22, →Ps 23, →Ps 24, →Ps 25, →Ps 26

→Ps 27, →Ps 28, →Ps 29, →Ps 30, →Ps 31

→Ps 34, →Ps 35, →Ps 36, →Ps 37, →Ps 38

→Ps 39, →Ps 40, →Ps 41, →Ps 51, →Ps 61

→Ps 62, →Ps 63, →Ps 64, →Ps 65, →Ps 69

→Ps 70, →Ps 101, →Ps 103, →Ps 109, →Ps 110

→Ps 139, →Ps 140, →Ps 141, →Ps 143, →Ps 144

 

Die Formulierung besagt nicht verlässlich, dass David selbst diese Psalmen verfasst hat. Sie bedeutet wohl nur, dass sie zu einer Sammlung von Psalmen gehören, die ihm gewidmet ist.

 

In der Lutherbibel von 1545 benennen 73 Psalmen in der Überschrift David als Urheber.

 

a) Psalm Davids: 50x

Ps 3, 4, 5, 6, 8, 9, 11, 12, 13, 14

Ps 15, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26

Ps 27, 28, 29, 30, 31, 34, 35, 36, 37, 38

Ps 39, 40, 41, 51, 61, 62, 63, 64, 65, 69

Ps 70, 101, 103, 109, 110, 139, 140, 141, 143, 144

 

b) gülden Kleinod Davids: 6x

Ps 16, 56, 57, 58, 59, 60

 

c) Unterweisung Davids: 6x

Ps 32, 52, 53, 54, 55, 142

 

d) Lied Davids: 4x

Ps 122, 124, 131, 133

 

e) Psalmlied Davids: 2x

Ps 68, 108

 

f) Gebet Davids: 2x

Ps 17, 86

 

g) Unschuld Davids: 1x

Ps 7

 

h) Lob Davids: 1x

Ps 145

 

i) Davids: 1x

Ps 138

 

Zur Person Davids

 

Historisch kreisen um die Person Davids viele ungeklärte Fragen. Nach der biblischen Überlieferung war David nach Saul der zweite König Israels und lebte von etwa 1000 bis 961 v. Chr. Genauere Lebensdaten sind unbekannt.

 

David war zunächst Musiker am Hof Sauls und wurde später Offizier in seinem Heer.

 

Die Geschichte Davids wird ausführlich erzählt in den beiden Samuel­büchern (1Sam, 2Sam), in 1Kön 1-2 und in 1Chr 11-29.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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1

HERR

HERR, JHWH, Jahwe

Aussehen in unseren Frakturschriften:

HERR, HERR oder HERR

 

HERR im Alten Testament

 

hebräisch: יהוה (jhwh, das Tetragrammaton JHWH)

lateinisch (Biblia Sacra Vulgata): Dominus, Herr

 

Luthers Schreibweise HERR in Versalien (Großbuchstaben) folgt einer festen Regel. Sie weist darauf hin, dass im hebräischen Text an dieser Stelle das Tetragrammaton (das Vierfachzeichen) »JHWH« (hebr.: יהוה) steht. Es ist der unaussprechliche Name Gottes.

 

Satztechnisch bedingte Varianten

Um beim Satz der Lettern Platz in einer Zeile zu sparen, wodurch übermäßgiger Sperrdruck oder ungünstige Wortumbrüche vermieden werden, sind in der Lutherbibel von 1545 häufig auch die Varianten HERr oder HERrn zu finden. Dabei sind mindestens die ersten drei Zeichen in Versalien gesetzt, womit sie hinreichend von HErr unterscheidbar sind.

 

HERR HErr:

Der Ausdruck HERR HErr steht dann, wenn im hebräischen Text »JHWH Adonaj« zu lesen ist. (Siehe dazu auch den Artikel →HErr.)

 

Auch die umgekehrte Reihenfolge HErr HERR ist möglich (»Adonaj JHWH«).

 

→Hes 2,4b-5a

4bSo ſpricht der HErr HERR / 5aſie gehorchen oder laſſens /

 

Die neuen Lutherbibeln übersetzen diesen Ausdruck stets mit »Gott der HERR«.

 

Das Wissen um die Aussprache der vier Zeichen, die den Gottesnamen ausmachen, ist schon früh in der Geschichte verloren gegangen. Sie werden heute oft mit »Jahwe« (vokalisiert geschrieben יְהוָה nach der Aussprache des hebräischen Adonaj, Herr) oder »Jehova« (יְהוָֹה ebenfalls nach dem hebräischen Adonaj, Herr, jedoch unter Berücksichtigung aller Vokale) transkribiert, aber auch mit »Jewah« (ebenfalls יְהוָה aber nach dem hebräischen Schema, der Name, zu lesen) oder »Jehowih« (יְהוִה nach dem hebräischen Elohim, Gott/Götter).

 

Luther kannte die vokalisierten Varianten und die transkribierten Formen und war wohl besonders dem Wort »Jehova« zugeneigt. Es bezieht alle drei Vokale aus dem Wort Adonaj, das »Herr« bedeutet. Dennoch hatte er es vermieden in seiner Übersetzung »Jehova« zu verwenden. Stattdessen nutzte er wie die lateinischen Bibeln einen Wortersatz. Er setzte das deutsche Wort ein, das gemäß der jüdischen Tradition zu lesen sei, wenn im Text das Vierfachzeichen erscheint, machte es aber durch die besondere Satzweise in Großbuchstaben kenntlich: HERR.

 

Luthers Schreibweise hat sich bis heute in etlichen Bibelausgaben gehalten.

 

 

HERR im Neuen Testament

 

Im neuen Testament verwendet Luther die Schreibweise HERR in Versalien (Großbuchstaben) für Gott, den Vater, an Stellen, wo sich Zitate aus dem Alten Testament auf »JHWH« beziehen.

 

Wichtig:

Davon zu unterscheiden sind die Schreibweisen

→»HErr« und →»Herr«.

 

 

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1

Zion

 

berg Zion

 

berg Gottes

 

des HERRN Berg

 

der heilige Berg

Zion, der

Berg Zion, der

Der in der Bibel genannte Berg Zion ist der Tempelberg in Jerusalem. Er steht als Synonym für den Wohnsitz des Gottes JHWH.

 

König David eroberte Jerusalem sowie den Berg Zion südlich der Stadt (Südosthügel) mit der Burg Zion und machte Jerusalem zu seinem Königssitz. Salomo hatte das Stadtgebiet auf den angrenzenden Nordosthügel ausgeweitet, in dem er dort (wo sich heute der Felsendom befindet) einen Tempel errichtete. Der Name Zion bezeichnet nun diesen Hügel, den Tempelberg.

 

 

Karte: Lage des Tempelbergs in Jerusalem

 

Die Bezeichnung »Zion« ist allerdings in der Bibel unterschiedlich verwendet: In der am engsten gefassten Vorstellung bezeichnet Zion den Tempelberg. Das Wort kann aber auch für ganz Jerusalem, die heilige Stadt Jahwes, stehen. An einigen Stellen in den biblischen Texten können damit auch die Bewohner Jerusalems, bzw. das gesamte Volk oder alle Städte Judäas gemeint sein.

 

Der in Jerusalem heute sogenannte »Mount Zion«, südwestlich der alten Stadtmauer gelegen, erhielt diesem Namen, nachdem der kleine Berg im Mittelalter irrtümlich als Berg Zion identifiziert wurde. Neuere Forschungen bestätigen jedoch: Er ist nicht mit dem biblischen Berg Zion identisch. Der Berg behielt aber diesen offiziellen Namen.

 

Jerusalem, der Tempelberg und der Berg Zion
Creative Commons Attribution-ShareAlike

Abbildung: Jerusalem, der Tempelberg und der Berg Zion

Foto: 2015, © Sabrina | Reiner | www.stilkunst.de | Lizenz CC BY-SA

 

 

 

 

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2

on wandel

ohne Wandel (Ausdruck, veraltet)

Wandel (der) hat eigentlich die Bedeutungen im Wortfeld Lebensführung, Veränderung, aber auch Makel, Rückgängigmachung, Buße, Strafe, usw.

 

Die Wendung on wandel meint:

 

a) ohne Makel, makellos

b) kein Wandel, keine Veränderung, unverändert

c) ohne Änderung der Lebensweise und/oder der geistigen Haltung, integer

usw.

 

→Ps 15,2

 

WEr on wandel ein her gehet / Vnd recht thut / Vnd redet die warheit von hertzen.

 

a) Wer ohne Makel daher kommt, und Recht tut, und die Wahrheit von Herzen redet.

b) Wer integer und rechtschaffen ist, und dem die Wahrheit eine Herzensangelegenheit ist.

 

→Ps 19,8

 

Das Geſetz des HERRN iſt on wandel

 

a) Das Gesetz des HERRN ist unveränderlich

b) Das Gesetz des des Herrn ist makellos

c) Das Gesetz des Herrn ist vollkommen

 

 

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2

recht

recht (Adverb und Adjektiv)

Die ursprüngliche Bedeutung von recht ist das Gegenteil von krumm bzw. von link (Adjektiv).

 

Damit lässt sich mit recht alles beschreiben, was sich im Gegensatz zu einer krummen, linken, schrägen, unliebsamen, ungehörigen, nicht offensichtlichen Sache usw. (bzw. einem Zustand) abhebt bzw. was davon abgehoben werden soll.

 

Daraus ergeben sich viele Bedeutungen, die wir hier nicht alle auflisten können.

 

Die Verwendung bei Luther

 

wahr, eigentlich (von Personen im Gegensatz zu denen, die sich sonst nur so nennen):

 

→Ps 7,12: Gott iſt ein rechter Richter: Gott ist ein wahrer Richter (im Gegensatz zu den irdischen Richtern)

 

richtig, passend (im Gegensatz zu falsch, unpassend)

 

→Ps 68,7: Der die Gefangen ausfüret zu rechter zeit: Der die Gefangenen herausführt sobald die Zeit dafür reif ist.

 

wahr, richtig (im Gegensatz zu unwahr, falsch, unrichtig)

 

→Ps 93,5: Dein wort iſt eine rechte Lere: Dein Wort ist die wahre Lehre

 

 

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3

Neheſte

Nächste, der

bürgerlich: Nachbar, der

im biblischen Gebrauch: Mitmensch, der

 

Das Wort »der Nächste« ist der substantivische Superlativ von »nah«.

 

Der Nächste in den 10 Geboten

 

Heute ist der Begriff »der Nächste« veraltet. Er wird überwiegend nur noch im biblisch-religiösen Kontext verwendet und sonst fast nur noch als unbestimmte Angabe für eine Reihenfolge, z. B. in Arztpraxen (»Der Nächste, bitte!«).

 

Wir empfehlen daher stattdessen Wörter wie »Nachbar«, »Mitmensch« oder auch »anderer Mensch« zu probieren, wo immer es geht.

 

Damit wären auch recht einfach das 8. und 9. Gebot (→2Mos 20,16-17) so umfassend formulierbar, wie sie gemeint sind:

 

8. Gebot: »Du sollst nicht falsches Zeugnis ablegen gegen andere Menschen.«

 

9. Gebot: »Du sollst nicht begehren das Haus anderer Menschen.«

 

Das 10. Gebot stellt uns vor besondere Herausforderungen: Wer hat heute noch »Knechte« (ein Begriff aus Luthers Zeit, im Text eigtl.: Sklaven), Mägde (eigtl.: Sklavinnen), Rind und Esel?

 

Übertragen auf unsere Zeit geht es um ein Unternehmen: Es geht um Arbeiter (Knechte und Mägde) und um Produktionsgüter (Rind und Esel) – denn das waren sie schon zur alttestamentlichen Zeit, nur nannte man sie nicht so. Es ließe sich formulieren:

 

10. Gebot: Du sollst nicht begehren die Frau eines anderen, auch nicht sein Geschäft, seine Arbeit, seine Arbeiter oder seinen Besitz.

 

 

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3

arge

Arge, das (veraltet)

Substantiv zu arg (Adjektiv).

 

Zu unterscheiden sind zwei Bedeutungen:

 

1a) das Schlechte, das Niederträchtige, das Böse

1b) das Übel, das Üble, das Schlimme, das Unangenehme

 

und

 

2) das Karge im Sinne von zurückhaltend im Geben, nicht freigiebig, haushälterisch

 

zu 1) →Ps 97,10

 

DJe jr den HERRN liebet / haſſet das arge

 

a) Die ihr den HERRN liebt: Hasst das Arge!

b) Die ihr den HERRN liebt: Hasst das Böse!

 

 

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4

Gottloſe
Gotloſe

Gottlose, der

Substantivierung von: →gottlos (Adjektiv)

 

Religiöser Begriff, der die Existenz Gottes voraussetzt:

 

a) Zustand: los von Gott; von Gott verlassen; ohne Gott.

b) religiöse Grundhaltung: Gott nicht dienend; die Ehre, den Willen, die Gebote Gottes missachtend

 

 

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5

Gelt

Geld, das

Die Schreibweise Gelt (das oder der) ist eine ältere Form von Geld (das).

 

Es ist das substantivierte Verb gelten und meint:

 

Lohn, Vergeltung, Zahlung,

dann auch Zahlungsmittel

 

→Ps 15,5

 

Wer ſein Gelt nicht auff Wucher gibt

 

Wer sein Geld nicht gegen Zinsen verleiht

 

→Ps 68,31

 

Die da a zutretten vmb Gelts willen

 

Die da wegen des Geldes hinzutreten

 

 

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5

nehmen

nehmen (Verb)

3. Person Singular: er nimpt

 

→Ps 15,5

 

Wer ſein Gelt nicht auff Wucher gibt / Vnd nimpt nicht Geſchencke vber den Vnſchüldigen

 

a) Wer sein Geld nicht gegen Zinsen verleiht und keine Geschenke gegen Unschuldige annimmt

b) Wer sein Geld nicht gegen Zinsen verleiht und sich nicht gegen Unschuldige bestechen lässt

 

 

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Erläuterungen siehe →Das große Stilkunst.de–Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

 

 

Erläuterungen zum Satz und zur Typografie des Bibeltextes

Der Text aus der Luther­bi­bel auf die­ser Sei­te ist in An­leh­nung an das Druck­bild des Ori­gi­nals von 1545 wie­der­ge­ge­ben.

Den Sei­ten­auf­bau, die ver­wen­de­ten Schrif­ten, die Schreib­re­geln der Frak­tur­schrift und Luthers In­ten­tio­nen, mit der Ty­po­gra­fie Le­se­hil­fen be­reit­zu­stel­len, er­läu­tert dem in­ter­es­sier­ten Le­ser un­ser Ar­ti­kel »Satz und Ty­po­gra­fie der Luther­bi­bel von 1545«.

Sabrina

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