Die Apostelgeschichte des Lukas | Kapitel 9

Sie sind hier: ⏵Home | ⏵Lutherbibel 1545 | ⏵Die Evangelien | ⏵Die Apostelgeschichte des Lukas | Kapitel 9
Die Evangelien

 

Biblia
 

Die gantze Heilige Schrifft Deudsch
D. Martin Luther, Wittenberg 1545

Die Evangelien und die Offenbarung

Die Apostelgeschichte
des Lukas

Kapitel 9

 

Apg 9

 

Der Text in 28 Kapiteln

 
Auswahl der Beiträge und Kapitel

 

Gliederung Kapitel 9

 

Nr.

Textstelle

Abschnitt | Link zum Text

Kapitel IX.

 

 

6,1 - 9,31

 

II. DIE ERSTEN MISSIONEN

 

1

9,1-19

→Die Bekehrung des Saulus

2

9,20-25

→Saulus predigt in Damaskus über Christus

3

9,26-31

→Saulus predigt in Jerusalem über Christus

 

 

9,32 - 12,24

 

III. DIE TATEN DES PETRUS

BEGINN DER HEIDENMISSION

 

4

9,32-35

→Petrus in Lydda

5

9,36-43

→Die Auferweckung der Tabea

 

 

 

 

Das anderteil des Euangelij S. Lucas: Von der Apoſtel Geſcĥicĥte.

 

 
[317b]

 

IX.

 

 

Die Bekehrung des Saulus

 

→Gal. 1.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

→Inf. 22.

 

 

 

 

 

 

a

Paulus ſine operibus vo­catus.

→*1)

SAulus aber ſchnaubete noch mit drewen

vnd morden / wider die Jünger des HErrn / Vnd gieng zum Hohenprieſter / 2vnd bat jn vmb Brieue gen Damaſcon an die Schulen / Auff das / ſo er etliche dieſes weges fünde / Menner vnd Weiber / er ſie gebunden fürete gen Jeruſalem. 3Vnd da er auff dem wege war / vnd nahe bey Damaſcon kam / vmbleuchtet jn plötzlich ein Liecht vom Himel / 4vnd fiel auff die erden / vnd höret ein Stimme / die ſprach zu jm / Saul / Saul / was verfolgeſtu mich? 5Er aber ſprach / HErr / Wer biſtu? Der HErr ſprach / Ich bin Jheſus / den du a verfolgeſt? Es wird dir ſchweer werden wider den Stachel lecken. 6Vnd er ſprach mit zittern vnd zagen / HErr / was wilt du das ich thun ſol? Der HErr ſprach zu jm / Stehe auff / b vnd gehe in die Stad / da wird man dir ſagen / was du thun ſolt.

(Schnaubete)

War hefftig ſtürmiſch / vnd ſprüete.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Paulus Be-

kerung.

 

 

b

Paulus vocatus et illuminatus / ta­men ad Ana­ni­am mittitur / vt teſtes habeat etc.

→*2)

 

 

7DIe Menner aber / die ſeine Geferten waren / ſtunden vnd waren erſtarret / Denn ſie höreten ſeine ſtimme vnd ſahen niemands. 8Saulus aber richtet ſich auff von der erden / vnd als er ſeine augen auffthat / ſahe er niemands. Sie namen jn aber bey der hand / vnd füreten jn gen Damaſcon / 9vnd war drey tage nicht ſehend / vnd aſs nicht vnd tranck nicht.

 

ES war aber ein Jünger zu Damaſco mit namen Ananias / Zu dem ſprach der HErr im geſichte / Anania. Vnd er ſprach / Hie bin ich HErr. 11Der HErr ſprach zu jm / Stehe auff / vnd gehe hin in die Gaſſen / die da heiſſet die Richtige / vnd frage in dem hauſe Juda nach Saulo mit namen von Tarſen / denn ſihe er betet. 12Vnd hat geſehen im Geſichte einen Man / mit namen Ananias / zu jm hin ein komen / vnd die hand auff jn legen / das er wider c sehend werde. 13Ananias aber antwortet / HErr / Ich hab von vielen gehöret von dieſem Manne / wie viel vbels er deinen Heiligen gethan hat zu Jeruſalem / 14Vnd er hat allhie macht von den Hohenprieſtern / zu binden alle die deinen Namen anruffen.

Ananias.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

c

Non ergo mitti­tur / vt vocetur ſed ſanetur.

→*3)

 

15DEr HErr ſprach zu jm / Gehe hin / Denn dieſer iſt mir ein auſſerwelt Rüſtzeug / das er meinen Namen trage fur den Heiden / vnd fur den Königen / vnd fur den kindern von Iſrael / 16Ich wil jm zeigen / wie viel er leiden mus vmb meines Namen willen. 17Vnd Ananias gieng hin vnd kam in das Haus / vnd leget die hende auff jn / vnd ſprach / Lieber bruder Saul / Der HErr hat mich geſand / der dir erſchienen iſt auff dem wege / da du her kameſt / Das du wider ſehend / vnd mit dem heiligen Geiſt erfüllet werdeſt. 18Vnd alſo bald fiel es von ſeinen augen / wie Schupen / vnd ward wider ſehend. 19Vnd ſtund auff / lies ſich teuffen / vnd nam Speiſe zu ſich / vnd ſtercket ſich.

 

 

Saulus predigt in Damaſkus über Chriſtus

 

SAVlus aber war etliche tage bey den Jüngern zu Damaſco / 20vnd als bald prediget er Chriſtum in den Schulen / Das derſelbige Gottes Son ſey. 21Sie entſatzten ſich aber alle die es höreten / vnd ſprachen / Iſt

Saulus pre

digt Chriſtum bald nach ſeiner Bekerung.

 

 
[317b | 318a]

 

 

Geſcĥicĥte.     C. IX.

CCCXVIII.

 

 

das nicht der zu Jeruſalem verſtöret alle / die dieſen Namen anruffen / vnd darumb her komen / das er ſie gebunden füre zu den Hohenprieſtern? 22Paulus aber ward je mehr krefftiger / vnd treib die Jüden ein / die zu Damaſco woneten / vnd bewerts / Das dieſer iſt der Chriſt.

 

 

 

 

 

 

→2. Cor. 11.

VND nach viel tagen hielten die Jüden einen Rat zuſamen / das ſie jn tödten. 24Aber es ward Saulo kund gethan / das ſie jm nachſtelleten. Sie hüteten aber tag vnd nacht an den Thoren / das ſie jn tödten. 25Da namen jn die Jünger bey der nacht / vnd theten jn durch die mauren / vnd lieſſen jn in einem Korbe hin ab.

Saulo ſtel-

len die Jüden nach etc.

 

 

Saulus predigt in Jeruſalem über Chriſtus

 

DA aber Saulus gen Jeruſalem kam / verſuchte er ſich bey die Jünger zu machen / Vnd ſie furchten ſich alle fur jm / gleubeten nicht / das er ein Jünger were. 27b Barnabas aber nam jn zu ſich / vnd füret jn zu den Apoſteln / vnd erzelet jnen / Wie er auff der ſtraſſen den HErrn geſehen / vnd er mit jm geredt / vnd wie er zu Damaſco den namen Jheſu frey geprediget hette. 28Vnd er war bey jnen / vnd gieng aus vnd ein zu Jeruſalem / vnd prediget den Namen des HErrn Jheſu frey. 29Er redet auch vnd befraget ſich mit den Griechen / Aber ſie ſtelleten jm nach / das ſie jn tödten. 30Da das die Brüder erfuren / geleiten ſie jn gen Ceſarien / vnd ſchickten jn gen Tarſen.

 

 

 

 

b

Teſtimonium oportet habere propter falſos fra tres.

→*4)

 

31SO hatte nu die Gemeine friede durch gantz Judea vnd Galilea vnd Samaria / vnd bawete ſich / vnd wandelte in der furcht des HErrn / vnd ward erfüllet mit troſt des heiligen Geiſtes.

 

 

III. DIE TATEN DES PETRUS

BEGINN DER HEIDENMISSION

 

 

9,32 - 12,24

 

 

Petrus in Lydda

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

c

Verbo / ſine lege et ope­ri­bus.

→*5)

Es geſchach aber / da Petrus durchzoch allenthalben / das er auch zu den Heiligen kam / die zu Lydda woneten. 33Da ſelbs fand er einen Man mit namen Eneas / acht jar lang auff dem Bette gelegen / der war Gichtbrüchig. 34Vnd Petrus ſprach zu jm / Enea / Jheſus Chriſtus mache dich geſund / Stehe auff / vnd bette dir ſelber. Vnd alſo bald ſtund er auff. 35Vnd es ſahen jn alle die zu Lydda vnd zu Sarona woneten / die c bekereten ſich zu dem HErrn.

Petrus.

 

 

 

Eneas.

 

 

Die Auferweckung der Tabea

 

ZV Joppe aber war ein Jüngerin / mit namen Tabea / welchs verdolmetſcht heiſſet ein Rehe / Die war vol guter werck vnd Almoſen die ſie thet. 37Es begab ſich aber zu der ſelbigen zeit / das ſie kranck ward / vnd ſtarb. Da wuſſchen ſie dieſelbige / vnd legten ſie auff den Söller. 38Nu aber Lydda nahe bey Joppen iſt / Da die Jünger höreten / das Petrus daſelbs war / ſandten ſie zu jm / vnd ermaneten jn / Das er ſichs nicht lieſſe verdrieſſen zu jnen zu komen.

(Jüngerin)

Erſt iſt ſie gleu­big vnd eine Jün­gerin / Dar­nach thut ſie viel guts.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

d

Verbo / ſine lege et ope­ri­bus.

→*6)

 

39PEtrus aber ſtund auff vnd kam mit jnen. Vnd als er dar komen war / füreten ſie jn hin auff auff den Söller / vnd tratten vmb jn alle Widwen / weineten vnd zeigeten jm die Röcke vnd Kleider / welche die Rehe machte / weil ſie bey jnen war. 40Vnd da Petrus ſie alle hin aus getrieben hatte / kniet er nider / betet / vnd wandte ſich / zu dem Leichnam / vnd ſprach / Tabea / ſtehe auff. Vnd ſie that jre augen auff / vnd da ſie Petrum ſahe / ſatzte ſie ſich wider. 41Er aber gab jr die hand / vnd richtet ſie auff / Vnd rieff den Heiligen vnd den Widwen vnd ſtellet ſie lebendig dar. 42Vnd es ward kund durch gantz Joppen / vnd viel d wurden gleubig an den HErrn. 43Vnd es geſchach / das er lange zeit zu Joppe bleib / bey einem Simon der ein Gerber war.

 

 

 

 

 

 

 

 

Tabea.

 

 

 

*1) lat.: Paulus sine operibus vocatus.

dt.: »Paulus, ohne Werke berufen.«

 

*2) lat.: Paulus vocatus et illuminatus / tamen ad Ananiam mittitur / ut testes habeat etc.

dt.: »Paulus, [zwar] berufen und erleuchtet, dennoch zu Ananaias geschickt, damit es Zeugen haben wird.«

 

*3) lat.: Non ergo mitti­tur / ut vocetur sed sanetur.

dt.: »Er wird nicht deshalb geschickt, damit er berufen werde, sondern damit er geheilt werde.«

 

*4) lat.: Testimonium oportet habere propter falsos fratres.

dt.: »Dies Zeugnis ist nötig wegen falscher Brüder.«

Das Zeugnis des Barnabas ist ist nötig, weil sich viele als Anhänger Jesu ausgeben, ohne es zu sein.

 

*5), *6) lat.: Verbo / sine lege et ope­ri­bus.

dt.: »Durch das Wort, ohne Gesetz und Werk.«

Luther richtet sich mit seinen Anmerkungen in Latein vorrangig an Theologen, an die Vertreter der römischen Kirche und an den gebildeten Adel. Es sind Glossen, die eine Notwendigkeit der Reformation der römisch-katholischen Kirche mit dem Widerspruch zwischen kirchlicher Lehre und biblischem Wort unterstreichen.

 

 
Aus dem Verzeichnis der Abkürzungen und Namen biblischer Bücher

Luthers Verweise auf biblische Bücher

 Kürzel

 Bezeichnung in Luthers Biblia 1545

 Moderne Bibel

 Kürzel

2.Cor.
2.Corin.
Die ij. Epiſtel S. Paul an die Corinther.

Biblia Vulgata: Epistula Pauli ad Corinthios II

Der zweite Brief des Paulus an die Korinther

2. Korintherbrief

2. Kor

2 Kor

2Kor

Gal.
Die Epiſtel S. Pauli: An die Galater.

Biblia Vulgata: Epistula Pauli ad Galatas

Der Brief des Paulus an die Galater

Galaterbrief

Gal

Gal

Gal

Infr.
Inf.

Latein: [vide] infra Kapitelnummer

 

»[Siehe] [weiter] unten, Kapitelnummer«, oder
»[Siehe] unten, [im selben Buch] Kapitelnummer«.

 

Erläuterungen siehe →Liste der Abkürzungen und Namen biblischer Bücher

 
 

Worterklärungen: Übersicht

Die folgenden Begriffe aus dem Text Apg 9 werden hier erläutert.

Versnummer: Luthers Wort

1: HErrn

2: Weiber

3: Liecht

4: verfolgeſtu

5: biſtu

13: Heiligen

15: Heiden

15: Jſrael

17: heiligen Geiſt

19: teuffen

25: mauren

31: Gemeine

37: Söller

   

Klick auf ein Wort führt zum Eintrag mit den Erklärungen.

Das vollständige Verzeichnis findet sich hier: →Das große Stilkunst.de–Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

 
Aus dem Stilkunst.de-Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

Worterklärungen: Seltene Namen, Wörter und Begriffe im Text

Vers

Luther-Deutsch

Deutsch   |   Erläuterungen

1

HErr

HErr, Adonaj

HErr, Kyrios

Aussehen in unseren Frakturschriften: HErr oder HErr

 

Feststehende, besondere Schreibweise Luthers (zwei Großbuchstaben, gefolgt von zwei Kleinbuchstaben), um anzuzeigen, dass sich dahinter eine Bezeichnung Gottes (im Alten Testament) oder Jesu (im Neuen Testament) befindet.

 

HErr im Alten Testament

 

Luther verwendet im Alten Testament die Schreibweise HErr, wenn im hebräischen Text das Wort Adonaj (hebr. ‏אֲדֹנָי‎, pl. von Adon, Herr) anstelle des Gottesnamens steht.

 

HErr im Neuen Testament

 

Im Neuen Testament steht HErr dort, wo in den griechischen Quellen mit dem Wort kyrios (Herr, Besitzer, Gebieter) Jesus Christus als Sohn Gottes gemeint ist.

 

Wichtig:

Davon zu unterscheiden sind die Schreibweisen →»HERR« (in Groß­buch­staben) und →»Herr« (in Kleinbuchstaben bzw. mit Großbuchstaben »H« am Anfang.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

2

Weib

Weib, das

die (Ehe-) Frau

 

Hinweis:

 

Es ist zu beachten, dass Luther den zu seiner Zeit gängigen Begriff Weib nicht abschätzig oder abwertend benutzt. Im Gegenteil: Wenn auch die etymologische Herkunft des Begriffs umstritten und unklar ist, so bezeichnete er doch die erwachsene, verantwortlich handelnde Frau in gesellschaftlich angesehener Stellung, z. B. als Ehefrau.

 

In der deutschen Sprache hat der Begriff »Weib« im Laufe der Zeit eine geringschätzende Bedeutung erfahren und besitzt heute die Qualität einer Beleidigung, die u. U. strafrechtlich verfolgt werden kann. Der Begriff wird daher in modernen Übersetzungen nicht verwendet. Stattdessen wird i. d. R. das Wort »Frau« benutzt.

 

Die englische Sprache kennt noch heute geläufig das Wort »wife« (meist für »Ehefrau«), das etymologisch auf die selbe Wurzel zurückzuführen ist, neben dem Begriff »woman«, der allgemein für »Frau« steht.

 

Empfehlung:

 

Wir empfehlen wegen der geringschätzenden Qualitäten, die an diesem Begriff kleben, bei Interpretationen, bei Textauslegungen, in Predigten und auch bei Textlesungen aus alten Lutherbibeln den Begriff Weib nicht zu verwenden und durch Frau zu ersetzen.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

3

Liecht

Licht, das

Substantivierung des Adjektivs →liecht

 

a) Helligkeit (im Gegs. zur Finsternis)

b) Lichtstrahlen (von Himmelskörpern, vom Feuer, von Lampen, usw.)

c) als leuchtender Körper: Licht, Leuchte, Lampe ( besonders im Plural)

 

→Ps 104,2

 

LJecht iſt dein Kleid / das du an haſt

 

a) Licht ist dein Kleid, das du an hast.

 

Hier ist Licht im Gegensatz zu Finsternis zu verstehen:

b) Helligkeit umgibt dich.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

4

verfolgeſtu

verfolgst du (Verb)

2. Person Singular Indikativ Aktiv von verfolgen (Verb)

 

Präsens:

verfolgeſtu: verfolgst du

 

Die Flexion mit dem angehängten »u« ist eine eigentümliche Form, die sonst nur noch aus älteren Texten bekannt ist und heute nicht mehr genutzt wird. Gebildet wurde sie aus der 2. Person, zusammengezogen mit dem Personalpronomen »du«, aus dem das »u« stammt. Diese Form impliziert eine gewisse Dringlichkeit und Direktheit der Ansprache, die unmittelbare Hinwendung zum Gegenüber. So kann es die unzweifelhafte Feststellung des Handelns, die dringliche Ansprache oder die unmittelbare Aufforderung zum Handeln bedeuten (Indikativ in der Aussage), die Erfüllung einfordern, mutmaßen bzw. unterstellen (Konjunktiv), oder zur Antwort und Erklärung auffordern (Verb in der Frage).

 

Heute ist stattdessen das Verb in seiner gebräuchlichen Flexion verbunden mit »du« zu verwenden. Die Direktheit oder eine Aufforderung kann bestenfalls durch eine Sinn tragende Beifügung umschrieben werden abhängig vom Kontext. Sie kann ggf. durch einen Imperativ herausgestellt oder durch ein Ausrufezeichen kenntlich gemacht werden.

 

verfolgeſtu: verfolgst du (ganz bestimmt, ohne Zweifel)!

 

→Apg 9,4

 

vnd fiel auff die erden / vnd höret ein Stimme / die ſprach zu jm / Saul / Saul / was verfolgeſtu mich?

 

a) Und er fiel auf die Erde und hörte eine Stimme, die sprach zu ihm: »Saul, Saul! Warum verfolgst du mich?«

 

b) Mit umschriebener Nachdrücklichkeit:

Und er fiel zu Boden und hörte eine Stimme, die zu ihm sprach: »Saul, Saul! Warum tust du das nur?! Warum verfolgst du mich?«

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

5

biſtu

bist du (Verb)

biſtu
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
163 94 6 63

2. Person Singular Indikativ Aktiv von sein (Verb)

 

Präsens:

biſtu: bist du

 

Die Flexion mit dem angehängten »u« ist eine eigentümliche Form, die sonst nur noch aus älteren Texten bekannt ist und heute nicht mehr genutzt wird. Gebildet wurde sie aus der 2. Person, zusammengezogen mit dem Personalpronomen »du«, aus dem das »u« stammt. Diese Form impliziert eine gewisse Dringlichkeit und Direktheit der Ansprache, die unmittelbare Hinwendung zum Gegenüber. So kann es die unzweifelhafte Feststellung des Handelns, die dringliche Ansprache oder die unmittelbare Aufforderung zum Handeln bedeuten (Indikativ in der Aussage), die Erfüllung einfordern, mutmaßen bzw. unterstellen (Konjunktiv), oder zur Antwort und Erklärung auffordern (Verb in der Frage).

 

Heute ist stattdessen das Verb in seiner gebräuchlichen Flexion verbunden mit »du« zu verwenden. Die Direktheit oder eine Aufforderung kann bestenfalls durch eine Sinn tragende Beifügung umschrieben werden abhängig vom Kontext. Sie kann ggf. durch einen Imperativ herausgestellt oder durch ein Ausrufezeichen kenntlich gemacht werden.

 

→1Mos 3,9

 

Vnd Gott der HERR rieff Adam / vnd ſprach zu jm / Wo biſtu?

 

Und Gott der HERR rief den Menschen und sprach zu ihm: (Antworte gefälligst!) Wo bist du?

Umgangssprachlich umschrieben: Wo treibst du dich rum!?

 

→Ps 139,3

 

Jch gehe oder lige / ſo biſtu vmb mich / Vnd ſiheſt alle meine wege.

 

Ich gehe oder liege (und ich weiß): Du bist (ganz bestimmt) um mich herum! Und du siehst alle meine Wege.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

13

Heilige

Heilige, der

jemand, der religiöse Tugenden (göttlich vollkommen) lebt und daher verehrungswürdig ist.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

15

Heiden

Heiden, die

Heide, der

Heiden
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
684 412 120 152

Im Alten Testament nur im Plural gebräuchlich.

 

(eigtl. Völker). Im religiösen Sinn sind Heiden Menschen, die nicht an Gott glauben bzw. angehörige fremder Religionen.

 

Gemeint sind (allumfassend) Völker mit fremden Religionen und fremden Gotteskulten aus der Sicht des Sprechenden in Abgrenzung zum Volk Gottes.

 

Im Neuen Testament verwendet Luther das Wort auch im Singular:

 

→Mt 18, 17

 

Höret er die Gemeine nicht / So halt jn als einen Heiden vnd Zölner.

 

Hört er nicht auf die Gemeinde, dann halte ihn für einen Heiden und Zöllner.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

15

Jſrael

Israel (Name)

Jſrael
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
2810 2552 184 74
 

Dort, wo Israel als Name einer Person verwendet wird, ist Jakob gemeint, der von Gott den Namen Israel bekam.

 

Israel bezeichnet daneben das Volk Israel, die Israeliten, sowie das historische Land Israel. Der heutige Staat Israel trägt offiziell eben diesen Namen: Medinat Jisra'el. (מדינת ישראל).

 

Der Name Israel

 

hebräisch: יִשְׂרָאֵל (Jisra'el)

lateinisch: Israhel

griechisch: Ἰσραὴλ

 

Es gibt unterschiedliche Deutungen für diesen Namen. Fest steht, dass die Endung אל (el) »Gott« bedeutet.

 

Der vordere Teil wird allgemein auf die semitische Wurzel שרה (sarah) mit der Bedeutung »ringen, kämpfen« zurückgeführt. Es scheint auch möglich, dass sich die Wurzel שרר (sarar) in der Bedeutung »herrschen« dahinter verbirgt. Die deutschen Entsprechung wären in etwa »Gott ringt (mit uns)« bzw. »Gott möge mit uns ringen« oder »Gott herrscht« bzw. »Gott möge herrschen«.

 

Luther erklärt den Namen Israel im Scholion zu 1Mos 32,28:

 

Luther: Jſrael kompt von Sara / das heiſſet kempffen oder vberweldigen / Da her auch Sar ein Fürſt oder Herr / vnd Sara ein Fürſtin oder Fraw heiſſt / vnd Jſrael ein Fürſt oder Kempffer Gottes / das iſt / der mit Gott ringet vnd angewinnet. Welchs geſchicht durch den glauben der ſo feſt an Gottes wort helt / bis er Gottes zorn vberwindet / vnd Gott zu eigen erlanget zum gnedigen Vater.

 

Jakob wurde Israel

 

Nach seinem nächtlichen Kampf mit Gott (1Mos 32,24-30) erhielt Jakob den Namen Israel.

 

1Mos 32,27-28:

Er ſprach / Wie heiſſeſtu? Er antwortet / Jacob. Er ſprach / Du ſolt nicht mehr Jacob heiſſen / ſondern JſraEl / Denn du haſt mit Gott vnd mit Menſchen gekempfft / vnd biſt obgelegen.

 

 

Die zwölf Stämme Israels

 

Jakob heiratete nacheinander Lea und Rahel. Von ihnen und von deren Sklavinnen Bilhas und Silpas, die ihm nach der Sitte dieser Zeit als Nebenfrauen gehörten, hatte Jakob insgesamt zwölf Söhne:

 

Ruben, Simeon, Levi, Juda, Issachar, Sebulon,

Joseph, Benjamin, Dan, Naftali, Gad, Ascher.

 

Mit Ausnahme Josephs, dessen Söhne Efraim und Manasse namentlich in der Stammesliste vertreten sind, gaben diese Söhne den zwölf Stämmen Israels ihre Namen.

 

Das Volk Israel

 

Vom Auszug aus Ägypten bis zum Tod Salomos und dann wieder nach der Zerstörung Samarias im Jahr 722 v. Chr. bezeichnet der Name Israel alle Israeliten.

 

In der Zeit zwischen dem Tod Salomos und dem Jahr 722 v. Chr. hießen nur die zehn Nordstämme Israel, die sich unter Jerobeam von Salomos Sohn Rehabeam getrennt und das Nordreich Israel gebildet hatten. Das Südreich mit der Hauptstadt Jerusalem hieß Juda.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

17

heilige Geiſt

heilige Geist, der

griechisch: πνεῦμα ἅγιον (pneuma hagion)

lateinisch: Spiritus Sanctus

 

Der Geist Gottes als göttliche Kraft.

 

Heiliger Geist im Christentum

 

Der Begriff Heiliger Geist ist heute vorbesetzt:

 

Der Heilige Geist wird als die dritte »Person« in der Trinität, in der Dreieinigkeit Gottes, verstanden. Danach ist Gott ein Wesen, dass drei Personen in einer darstellt: Gott-Vater (den Schöpfer), Gott-Sohn (Jesus Christus) und Gott-Geist (Heiliger Geist). Obwohl als Person betitelt, stellt der Heilige Geist aber keine eigenständige, losgelöst von Gott existierende Gottheit dar. Vielmehr ist seine Gegenwart immer zugleich als Gegenwart Gottes (und als Gegenwart Jesu Christi; Dreieinigkeit) zu verstehen.

 

Das Gottesbild, das die Trinitätslehre zeichnet, ist ein künstliches, hochgradig komplexes Konstrukt der Kirchenväter des 4. und 5. Jahrhunderts nach Christus. Es versucht, die verschiedenen Wesenheiten Gottes in einer Person zu bündeln, wirft aber gleichzeitig viele neue Fragen auf, die jedoch dogmatisch ausgeblendet werden.

 

Mehr über die Trinitätslehre findet sich in den Gedankenpausen unseres Artikels →Trinitatis

 

Luther sah die Gemeinschaftlichkeit von Gott, Jesus und Heiligem Geist, und bejahte insofern die Dreieinigkeit, konnte allerdings der Dreieinigkeit in einer Person nicht zustimmen.

 

Der Ausdruck »heiliger Geist« in der Lutherbibel

 

In den Texten der Lutherbibel wird der Begriff heiliger Geist ohne das gedankliche Übergebäude der Trinitätslehre verwendet. Hier kommt schlicht die Übersetzung aus den griechischen und lateinischen Quellen zum Tragen.

 

Der heilige Geist der Lutherbibel meint also nicht den Heiligen Geist der Trinitätslehre und sollte mit ihm nicht verwechselt werden.

 

Heiliger Geist und Geist Gottes im Alten Testament

 

Hebräische Formen:

 

  • ŸŸŸŸŸ—œGeist: רוח (ruach, Atem, Geist, Leben, Lebenskraft)
  • Der Geist des HERRN (JHWH): יְהוָֹה  רוּחֵ (ruache jehowa)
  • Der Geist Gottes: אֶלֹהימ  רוּחֵ (ruache elohim) , das von Gott gegebene Lebensprinzip, die von Gott gegebene Lebenskraft
  • sein (Gottes) heiliger Geist: קָדְשׁוֹ  רוּחֵ (ruache qadesho)
  • Heiliger Geist: הַקֹּדֶשׁ  רוּחֵ (ruache ha-qodesh)

 

Bemerkenswert ist, dass Geist im Verbindung mit Gott immer mit Atem und Leben bzw. einer Lebenskraft gedacht ist, die die Existenz der Schöpfung (aller Lebewesen) und somit des Menschen bedingt.

 

Der heilige Geist (Gottes) ist weder ein göttliches Wesen, noch Gott selbst. Er ist als Geist Gottes eine göttliche Kraft, die Lebewesen brauchen, um zu leben, und die in unterschiedlichen Qualitäten in Menschen beleben kann.

 

Das Attribut heilig macht klar, dass die hier herausgestellte Qualität neben dem Lebensnotwendigen das göttlich Vollkommene umfasst: Wer vom heiligen Geist erfüllt ist, besitzt eine besondere Lebenskraft; eine, die (in Abgrenzung zum Irdischen) von im religiösen Sinn göttlicher Kraft, vom Glauben, inspiriert und getragen wird.

 

Heiliger Geist im Neuen Testament

 

Jesus stützt sich auf die Vorstellung des heiligen Geistes aus dem Alten Testament. Er lebte im Umfeld der jüdischen Religion, nicht in dem der späteren Kirchenväter. Die Trinitätslehre war ihm unbekannt.

 

Das Neue Testament kennt den Heiligen Geist daher in gleicher Weise wie das Alte Testament nur als Kraft Gottes.

 

Das Verständnis der neutestamentlichen Texte, die den heiligen Geist nennen, hängt davon ab, mit welchem Hintergrund, mit welcher Idee vom heiligen Geist die Texte gelesen und interpretiert werden.

 

Nach Paulus (→Rom 1,4) ist es der Geist, der heilig macht:

 

nach dem Geiſt / der da heiliget

 

Luther erläutert den Begriff Geiſt im Scholion zu Rom 1,4 so:

 

Der geiſt Gottes iſt gegeben nach Chriſtus auf­fahrt / von da an hei­li­get er die Chri­ſten vnd ver­kle­ret Chri­ſtum in al­ler welt das er Got­tes ſon ſey mit al­ler macht / in wor­ten / wun­dern / vnd zei­chen.

 

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

19

teuffen
teuffet

taufen (Verb)

von: teufen, in die Teufe (Tiefe) bringen, unters Wasser bringen, senken, (ein-) tauchen

 

Das Verb taufen und das daraus abgeleitete Substantiv Taufe haben sich zu festen Begriffen für den christlichen Ritus etabliert, in dem die Aufnahme des Täuflings in die christliche Gemeinschaft vollzogen wird, verbunden mit dem öffentlichen Glaubensbekenntnis des Täuflings bzw. bei Säuglingen, Kindern und Heranwachsenden seiner Eltern und Angehörigen in seiner Stellvertretung.

 

Der christliche Taufritus geht inhaltlich zurück auf die Taufe Jesu im Jordan (Mt 3,13-17), vollzogen von Johannes dem Täufer, und formal auf den Sendungs- oder Missionsbefehl in Mt 28,18-20:

 

18bMir iſt gegeben alle Gewalt im Himel vnd Erden.

19Darumb gehet hin / vnd leret alle Völcker /

vnd teuffet ſie / im Namen des Vaters /

vnd des Sons /

vnd des heiligen Geiſts /

20Vnd leret ſie halten alles was ich euch befolhen habe.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

25

Maur
Mauren

Mauer, die

Mauern, die

mauren zu Jeruſalem: die Mauern Jerusalems

 

→Ps 78,13

 

Er zurteilet das Meer / vnd lies ſie durch hin gehen / Vnd ſtellet das Waſſer / wie eine Maur.

 

Er teilte das Meer und lies sie hindurch gehen. Und <er> stellte Wasser <auf> wie eine Mauer.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

31

Gemeine

Gemeinde, die

von gemein (Adjektiv): gemeinschaftlich, mehreren zukommend

 

a) Gruppe von Menschen, Zusammenschluss, Zu­sammen­ge­hörig­keit: Gemeinschaft, Gemeinde

b) Grund und Boden einer Gruppe von Menschen: Gemeinde(fläche), Kommune, Ort

 

Heute verwenden wir Gemeinde nach a) noch für die Gemeinschaft der Mitglieder einer örtlichen Kirche (Kirchgemeinde), und nach b) für einen kleineren Ort, der eigenständig verwaltet wird, aber kein Stadtrecht besitzt.

 

→Ps 1,5

 

Luther verwendet den Begriff im Sinn der Zu­sammen­ge­hörig­keit einer Gruppe von Menschen:

 

Darumb bleiben die Gottloſen nicht im a Gerichte / Noch die Sünder in der gemeine der Gerechten.

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

37

Söller

Söller, der

von lat.: solarium, ein der Sonne ausgesetzter Ort, flaches Dach, Terasse usw.

 

Offene Plattform im Obergeschoß eines Hauses:

Dachboden, Dachterasse

 

→Apg 9,37

 

Es begab ſich aber zu der ſelbigen zeit / das ſie kranck ward / vnd ſtarb. Da wuſſchen ſie dieſelbige / vnd legten ſie auff den Söller.

 

Es begab sich aber zur selben Zeit, dass sie krank wurde und schließlich starb. Da wuschen sie die Verstorbene und bahrten sie auf der Dachterasse auf.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

Erläuterungen siehe →Das große Stilkunst.de–Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

 

 

Erläuterungen zum Satz und zur Typografie des Bibeltextes

Der Text aus der Luther­bi­bel auf die­ser Sei­te ist in An­leh­nung an das Druck­bild des Ori­gi­nals von 1545 wie­der­ge­ge­ben.

Den Sei­ten­auf­bau, die ver­wen­de­ten Schrif­ten, die Schreib­re­geln der Frak­tur­schrift und Luthers In­ten­tio­nen, mit der Ty­po­gra­fie Le­se­hil­fen be­reit­zu­stel­len, er­läu­tert dem in­ter­es­sier­ten Le­ser un­ser Ar­ti­kel »Satz und Ty­po­gra­fie der Luther­bi­bel von 1545«.

 

Der Bibeltext im evangelischen Kirchenjahr

In den Kirchenjahren ab 1978/1979 bis 2017/2018

LESUNG UND PREDIGTTEXT

→12. Sonntag nach Trinitatis

Apg 9,1-9(10-20)

EP
II

LESUNG AUS DEN BRIEFEN DER APOSTEL

→Tag der Berufung des Apostels Paulus

25. Januar

Apg 9,1-19a

EP

 
Empfehlungen: Das könnte Sie auch interessieren
Vorrede auf das Neue Testament

→Vorrede auf das Neue Testament

Luthers Vorrede zum Neuen Testament ist in neuen Bibelausgaben nicht mehr enthalten. Lesen Sie, was Luther seinen Lesern 1545 mit auf den Weg gegeben hatte.

 

Sabrina

Text | Grafik | Webdesign | Layout:

©by Reiner Makohl | Stilkunst.de
©by Sabrina | SABRINA CREATIVE DESIGN™

 
 
Biblia
1545
Apg
9

*1)

lat.: Paulus ſine operibus vo­catus.

dt.: »Paulus, ohne Werke berufen.«

*2)

lat.: Paulus vocatus et illuminatus / tamen ad Ananiam mittitur / vt teſtes habeat etc.

dt.: »Paulus, [zwar] berufen und erleuchtet, dennoch zu Ananaias geschickt, damit es Zeugen haben wird.«

*3)

lat.: Non ergo mitti­tur / vt vocetur ſed ſanetur.

dt.: »Er wird nicht deshalb geschickt, damit er berufen werde, sondern damit er geheilt werde.«

*4)

lat.: Teſtimonium oportet habere propter falſos fratres.

dt.: »Dies Zeugnis ist nötig wegen falscher Brüder.«

*5)

lat.: Verbo / ſine lege et ope­ri­bus.

dt.: »Durch das Wort, ohne Gesetz und Werk.«

*6)

lat.: Verbo / ſine lege et ope­ri­bus.

dt.: »Durch das Wort, ohne Gesetz und Werk.«