Die Apostelgeschichte des Lukas | Kapitel 8

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Die Evangelien

 

Biblia
 

Die gantze Heilige Schrifft Deudsch
D. Martin Luther, Wittenberg 1545

Die Evangelien und die Offenbarung

Die Apostelgeschichte
des Lukas

Kapitel 8

 

Apg 8

 

Der Text in 28 Kapiteln

 
Auswahl der Beiträge und Kapitel

 

Gliederung Kapitel 8

 

Nr.

Textstelle

Abschnitt | Link zum Text

Kapitel VIII.

 

 

6,1 - 9,31

 

II. DIE ERSTEN MISSIONEN

 

1

8,1-3

→Die Verfolgung der Gemeinde von Jerusalem unter Saulus

2

8,4-8

→Philippus in Samaria

3

8,9-13

→Simon, der Zauberer

4

8,14-25

→Petrus und Johannes in Samaria

5

8,26-39

→Der Kämmerer aus Äthiopien

6

8,40

→Philippus in Aschdod und Umgebung

 

 

 

 

Das anderteil des Euangelij S. Lucas: Von der Apoſtel Geſcĥicĥte.

 

 
[316b]

 

VIII.

 

 

Die Verfolgung der Gemeinde von Jeruſalem unter Saulus

 

SAulus aber hatte wolgefallen an ſeinem

tode. Es erhub ſich aber zu der zeit eine Verfolgung vber die Gemeine zu Jeruſalem / vnd ſie zurſtreweten ſich alle in die lender Judea vnd Samaria / on die Apoſtel. 2Es beſchicketen aber Stephanum gottfürchtige Menner / vnd hielten eine groſſe Klage vber jn. 3Saulus aber zuſtöret die Gemeine / gieng hin vnd her in die Heuſer / vnd zoch erfür Man vnd Weiber / vnd vberantwortet ſie ins Gefengnis.

Saulus.

 

 
[316b | 317a]

 

 

Geſcĥicĥte.     C. VIII.

CCCXVII.

 

 

 

Philippus in Samaria

 

DIE nu zurſtrewet waren / giengen vmb / vnd predigeten das wort. 5Philippus aber kam hin ab in eine ſtad in Samaria / vnd prediget jnen von Chriſto. 6Das Volck aber höret einmütiglich vnd vleiſſig zu / was Philippus ſagt / vnd ſahen die Zeichen die er thet. 7Denn die vnſaubern Geiſter furen aus vielen Beſeſſenen mit groſſem geſchrey / Auch viel Gichtbrüchige vnd Lamen wurden geſund gemacht. 8Vnd ward eine groſſe freude in derſelbigen Stad.

Philippus

prediget Chriſtum in Samaria.

 

 

Simon, der Zauberer

 

ES war aber ein Man mit namen Simon / der zuuor in derſelbigen Stad Zeuberey treib / vnd bezauberte das Samariſche volck / vnd gab fur / Er were etwas groſſes / 10Vnd ſie ſahen alle auff jn / beide klein vnd gros / vnd ſprachen / Der iſt die krafft Gottes / die da gros iſt. 11Sie ſahen aber darumb auff jn / das er ſie lange zeit mit ſeiner Zeuberey bezaubert hatte. 12Da ſie aber Philippus predigten gleubten / von dem reich Gottes / vnd von dem namen Jheſu Chriſti / lieſſen ſich teuffen beide Menner vnd Weiber. 13Da ward auch der Simon gleubig / vnd lies ſich teuffen / vnd hielt ſich zu Philippo. Vnd als er ſahe die Zeichen vnd Thatten / die da geſchahen / verwundert er ſich.

Simon der

Zeuberer etc.

 

 

Petrus und Johannes in Samaria

 

DA aber die Apoſtel höreten zu Jeruſalem / das Samaria das wort Gottes angenomen hatte / ſandten ſie zu jnen Petrum vnd Johannem. 15Welche / da ſie hin ab kamen / beteten ſie vber ſie / das ſie den heiligen Geiſt empfiengen. 16Denn er war noch auff keinen gefallen / Sondern waren allein getaufft in dem namen Chriſti Jheſu. 17Da legten ſie die Hende auff ſie / vnd ſie empfiengen den heiligen Geiſt.

Petrus vnd

Johannes in Sa­mariam geſand etc.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

b

At Papa­tus omnia ven­dit pe­cu­nia. →*1)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Deut. 29.

DA aber Simon ſahe / das der heilige Geiſt gegeben ward / wenn die Apoſtel die Hende aufflegten / Bot er jnen Gelt an / 19vnd ſprach / Gebt mir auch die macht / das / ſo ich jemand die hende aufflege / derſelbige den heiligen Geiſt empfahe. 20Petrus aber ſprach zu jm / Das du verdampt werdeſt mit deinem gelde / Das du meineſt / b Gottes gabe werde durch geld erlanget. 21Du wirſt weder teil noch anfal haben an dieſem wort / Denn dein hertz iſt nicht rechtſchaffen fur Gott. 22Darumb thu Buſſe fur dieſe deine bosheit / vnd bitte Gott / Ob dir vergeben werden möchte der tuck deines hertzen. 23Denn ich ſehe / das du biſt vol bitter galle / vnd verknüpfft mit vngerechtigkeit. 24Da antwortet Simon / vnd ſprach / Bittet jr den HErrn fur mich / das der keines vber mich kome / dauon jr geſagt habt. 25Sie aber / da ſie bezeuget vnd geredt hatten das wort des HErrn / wandten ſie widerumb gen Jerſalem→*2) / vnd predigten das Euangelium vielen Samariſchen flecken.

 

 

Der Kämmerer aus Äthiopien

 

ABer der Engel des HERRN redet zu Philippo / vnd ſprach / Stehe auff vnd gehe gegen mittag / auff die ſtraſſen die von Jeruſalem gehet hin ab gen Gaza / die da wüſte iſt. 27Vnd er ſtund auff vnd gieng hin. Vnd ſihe / ein Man aus Morenland ein Kemerer vnd gewaltiger der Königin Candakes in Morenland / welcher war vber alle jre Schatzkamer / der war komen gen Jeruſalem anzubeten / 28Vnd zoch wider heim / vnd ſaſſ auff ſeinem wagen / vnd las den Propheten Iſaiam.

Kemerer aus

Morenland.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

→Jeſa. 53.

29DEr Geiſt aber ſprach zu Philippo / Gehe hinzu / vnd mache dich bey dieſen wagen. 30Da lieff Philippus hinzu vnd höret / das er den Propheten Iſaiam las / vnd ſprach / Verſteheſtu auch was du lieſſeſt? 31Er aber ſprach / Wie kan ich / ſo mich nicht jemand anleitet? Vnd ermanet Philippum / das er aufftrete / vnd ſetzte ſich bey jn. 32Der inhalt aber der Schrifft / die er las / war dieſer / Er iſt wie ein Schaff zur ſchlachtung gefüret / vnd ſtill wie ein Lamb fur ſeinem Scherer / Alſo hat er nicht auffgethan ſeinen Mund. 33In ſeiner nidrigkeit iſt ſein Gerichte erhaben. Wer wird aber ſeines Lebens lenge ausreden? Denn ſein Leben iſt von der erden weggenomen. 34Da antwortet der Kemerer Philippo / vnd ſprach / Ich bitte dich / von wem redet der Prophet ſolches? Von jm ſelber / oder

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(Lebens lenge)

Das iſt / wie lan­ge er regie­ren ſol / das iſt ewig­lich.

 

 
[317a | 317b]

 

 

Der Apoſtel     C. VIII.

 

 

von jemand anders? 35Philippus aber that ſeinen mund auff / vnd fieng von dieſer Schrifft an / vnd prediget jm das Euangelium Jheſu.

Philippus

prediget dem Ke­me­rer das Eu­an­ge­lium etc.

 

36VND als ſie zogen der ſtraſſen nach / kamen ſie an ein waſſer. Vnd der Kemerer ſprach / Sihe / da iſt waſſer / Was hinderts / das ich mich teuffen laſſe? 37Philippus aber ſprach / Gleubeſtu von gantzem hertzen / So mags wol ſein. Er antwortet / vnd ſprach / Ich gleube / Das Jheſus Chriſtus Gottes Son iſt. 38Vnd er hies den wagen halten / vnd ſtiegen hin ab in das waſſer / beide Philippus vnd der Kemerer / vnd er teuffet jn. 39Da ſie aber her auff ſtiegen aus dem Waſſer / rücket der geiſt des HErrn Philippum hin weg / vnd der Kemerer ſahe jn nicht mehr. Er zoch aber ſeine ſtraſſe frölich.

 

 

Philippus in Aſchdod und Umgebung

 

40Philippus aber ward funden zu Aſdod / vnd wandelt vmbher / vnd prediget allen Stedten das Euangelium / bis das er kam gen Ceſarien.

 

 

 

*1) Lat.: At Papatus omnia vendit pecunia.

dt.: »Aber das Papstum verkauft alles gegen Geld.«

Luther richtet sich mit seinen Anmerkungen in Latein vorrangig an Theologen, nachrangig an die Vertreter der römischen Kirche und an den gebildeten Adel, nicht aber an die deutschsprachige Leserschaft. Es sind Glossen, die die Notwendigkeit der Reformation der römisch-katholischen Kirche bei aller erntshaftig spöttisch unterlegen.

 

*2) Druckfehler: Jerſalem; Korrektur: Jeruſalem

 

 
Aus dem Verzeichnis der Abkürzungen und Namen biblischer Bücher

Luthers Verweise auf biblische Bücher

 Kürzel

 Bezeichnung in Luthers Biblia 1545

 Moderne Bibel

 Kürzel

Deut.
Das fünfte Buch Moſe.
Deuteronomius.

Biblia Vulgata: Deuteronomium

Das fünfte Buch Moses (Deuteronomium)

Deuteronomium

5. Buch Mose

5. Mose

Dtn

5Mos

Jeſa.
Jeſai.
Jſa.
Iſai.
Eſa.

 

Der Prophet Jeſaja.

Biblia Vulgata: Isaias

Der Prophet Jesaja

Das Buch Jesaja

Jes

Jes

Jes

Is

Erläuterungen siehe →Liste der Abkürzungen und Namen biblischer Bücher

 
 

Worterklärungen: Übersicht

Die folgenden Begriffe aus dem Text Apg 8 werden hier erläutert.

Versnummer: Luthers Wort

1: Gemeine

1: zurſtreweten

1: Apoſtel

3: zuſtöret

3: Weiber

27: Morenland

  

Klick auf ein Wort führt zum Eintrag mit den Erklärungen.

Das vollständige Verzeichnis findet sich hier: →Das große Stilkunst.de–Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

 
Aus dem Stilkunst.de-Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

Worterklärungen: Seltene Namen, Wörter und Begriffe im Text

Vers

Luther-Deutsch

Deutsch   |   Erläuterungen

1

Gemeine

Gemeinde, die

von gemein (Adjektiv): gemeinschaftlich, mehreren zukommend

 

a) Gruppe von Menschen, Zusammenschluss, Zu­sammen­ge­hörig­keit: Gemeinschaft, Gemeinde

b) Grund und Boden einer Gruppe von Menschen: Gemeinde(fläche), Kommune, Ort

 

Heute verwenden wir Gemeinde nach a) noch für die Gemeinschaft der Mitglieder einer örtlichen Kirche (Kirchgemeinde), und nach b) für einen kleineren Ort, der eigenständig verwaltet wird, aber kein Stadtrecht besitzt.

 

→Ps 1,5

 

Luther verwendet den Begriff im Sinn der Zu­sammen­ge­hörig­keit einer Gruppe von Menschen:

 

Darumb bleiben die Gottloſen nicht im a Gerichte / Noch die Sünder in der gemeine der Gerechten.

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

1

zurſtrewen

 

zuſtrewen

zerstreuen (Verb)

a) streuen, auseinanderstreuen,

b) auseinandertreiben, auseinanderjagen,

c) etwas (zusammenhängendes) auflösen,

d) von etwas absondern, teilen

 

Luther verwendet ohne Unterscheidung
zurſtrewen, zuſtrewen und →zerſstrewen.

 

zuſtrewen

 

→Ps 141,7

 

Vnſer gebeine ſind zuſtrewet bis zur Helle

 

Unsere Gebeine sind zerstreut bis zum Reich der Toten.

 

Anmerkung zu Ps 141,7:

 

Luther folgt hier dem hebräischen und lateinischen Textvorlagen. Etliche moderne Übersetzungen, so auch Luther-1964 und Luther-1984, schreiben statt »Unsere Gebeine« nun »Ihre Gebeine« und stützen sich dabei auf ältere Übersetzungen.

 

Durch diese Textglättung erscheint die Aussage passend zu den in Vers 6 genannten »Lehrern«, die gestürzt werden müssten.

 

Jedoch ist zwischen den Versen 6 und 7 ein gedanklicher Absatz zu sehen, der einen Themenwechsel bedeutet. Das Thema der Lehrer ist in Vers 6 abgeschlossen.

 

In den Versen 6 bis 10 geht es nun um das Leiden und das Schicksal der Gerechten (zu denen sich der Autor des Psalms zählt), die immer wieder in die Stricke und Fallen der Übeltäter geraten.

 

Hintergrund des Bildes ist eine Kriegsszene: Die Soldaten Davids stürzen in Fallen und sterben im Kampf. Der Boden des Schlachtfelds ist aufgerissen und durchwühlt. Die toten Leiber und Knochen sind weit über die Erde verstreut, bis an den Rand der Welt, so scheint es, bis zum Beginn des Reichs der Toten. Die Schlacht endete für König David und sein Heer in einer Katastrophe, doch der nächste Angriff steht bevor.

 

Mit »Unsere Gebeine« schreibt David über seine Soldaten, die der gerechten Sache folgten, und doch in Fallen der üblen Feinde fielen. Nun bittet er Gott darum, ihn nicht zu verdammen, und darum, dass er ihn (und sein Heer) vor den Fallen der Feinde bewahren möge.

 

→Ps 92,10

 

deine Feinde werden vmbkomen / Vnd alle Vbelthetter müſſen zuſtrewet werden.

 

deine Feinde werden umkommen, und alle Übeltäter müssen zerstreut werden

 

→Apg 8,1

 

... vnd ſie zurſtreweten ſich alle in die lender Judea vnd Samaria ...

 

... und sie zerstreuten sich alle in die Länder Judäa und Samaria ...

 

 

SK Rev 10.08.2017  

→Register

1

Apoſtel

Apostel, der

griechisch: ἀπόστολος (apostolos), der Gesandte

 

Die Bezeichnung »Apostel« meint im Deutschen »Gesandter«. In der kirchlichen Auffassung handelt es sich um den inneren Kreis der Jünger Jesu. Diese Jünger waren zu Lebzeiten Jesu seit dessen Taufe durch Johannes seine engsten Begleiter. Allen Aposteln wurde der Sendungsauftrag, wie er in Matthäus 28,19 beschrieben ist, von Jesus selbst erteilt.

 

Die Namensliste der ersten zwölf Apostel, die Jesus berufen hatte, findet sich in der Bibel an mehreren Stellen, so im Matthäus-Evangelium (10, 1-4), im Markus-Evangelium (3, 13-19) und im Lukas-Evangelium (6, 12-16).

 

Die Auswahl der Zwölf Apostel (Lk 6,12-16)

 

12ES begab ſich aber zu der zeit / das er gieng auff einen Berg zu beten / vnd er bleib vber nacht in dem gebet zu Gott. 13Vnd da es tag ward / rieff er ſeinen Jüngern / vnd erwelet jrer Zwelffe / welche er auch Apoſtel nennet / 14Simon / welchen er Petrum nennet / vnd Andrean ſeinen bruder / Jacobum vnd Johannem / Philippum vnd Bartholomeum / 15Mattheum vnd Thomam / Jacobum Alphei ſon / Simon genant Zelotes / 16Judam Jacobs ſon / vnd Judam Jſchariothen den Verrheter.

 

Der Kreis der Apostel nach der Auferstehung

 

In der Apostelgeschichte wird der Kreis der Apostel benannt, wie er sich nach Jesu Auferstehung und Himmelfahrt entwickelt hatte. Die Liste in der Apostelgeschichte 1, 13 nennt nur noch elf Namen und lässt Judas Iskariot aus.

 

In Apostelgeschichte 1, 21-26 wird über eine Nachwahl berichtet, die nötig war, damit der Kreis der Apostel wieder aus 12 Personen bestünde. Gewählt wurde ein Mann namens Matthias.

 

In der römisch-katholischen Kirche

 

Zum Kreis der Apostel zählt die katholische Kirche zudem Barnabas und Paulus. Der Text in Apostelgeschichte 14, 14 bezeichnet beide als Apostel.

 

In der Apostelgeschichte und in den Briefen im Neuen Testament sind weitere Personen ausdrücklich als Apostel bezeichnet. Ihre Namen fanden aber keinen Einzug in das Kalendarium der römischen Kirche.

 

In der evangelischen Kirche

 

Die evangelische Kirche kennt insgesamt 13 Apostel, für die Gedenk- und Feiertage im Kalender eingerichtet wurden. In dieser Liste sind Judas Iskariot, der Jesus verraten hatte, und Barnabas nicht enthalten, wohl aber Matthias und Paulus.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

3

zuſtören

zerstören (Verb)

a) etwas durch Stochern mit einem Werkzeug aus seinem Zusammenhang bringen

b)den Sinn, das Gemüt stören, verstören, verwirren, zerrütten

c) etwas (zusammenhängendes) auflösen, vernichten, zerstören

d) Menschen zerstreuen, auseinanderjagen

 

 

 

 

→Apg 8,3

 

Saulus aber zuſtöret die Gemeine / gieng hin vnd her in die Heuſer / vnd zoch erfür Man vnd Weiber / vnd vberantwortet ſie ins Gefengnis.

 

Saulus aber vernichtete die Gemeinde: Er ging von Haus zu Haus, verhaftete Männer und Frauen und überstellte ins Gefängnis.

 

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

3

Weib

Weib, das

die (Ehe-) Frau

 

Hinweis:

 

Es ist zu beachten, dass Luther den zu seiner Zeit gängigen Begriff Weib nicht abschätzig oder abwertend benutzt. Im Gegenteil: Wenn auch die etymologische Herkunft des Begriffs umstritten und unklar ist, so bezeichnete er doch die erwachsene, verantwortlich handelnde Frau in gesellschaftlich angesehener Stellung, z. B. als Ehefrau.

 

In der deutschen Sprache hat der Begriff »Weib« im Laufe der Zeit eine geringschätzende Bedeutung erfahren und besitzt heute die Qualität einer Beleidigung, die u. U. strafrechtlich verfolgt werden kann. Der Begriff wird daher in modernen Übersetzungen nicht verwendet. Stattdessen wird i. d. R. das Wort »Frau« benutzt.

 

Die englische Sprache kennt noch heute geläufig das Wort »wife« (meist für »Ehefrau«), das etymologisch auf die selbe Wurzel zurückzuführen ist, neben dem Begriff »woman«, der allgemein für »Frau« steht.

 

Empfehlung:

 

Wir empfehlen wegen der geringschätzenden Qualitäten, die an diesem Begriff kleben, bei Interpretationen, bei Textauslegungen, in Predigten und auch bei Textlesungen aus alten Lutherbibeln den Begriff Weib nicht zu verwenden und durch Frau zu ersetzen.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

27

Morenland

Mohrenland, das (Gebietsname; veraltet)

 

das Land Kusch

das Land Nubien

das Land Äthiopien

eigentlich: Das Land, in dem die Mohren wohnen.

 

Der Begriff »Mohr« (Mor) meint ursprünglich den Bewohner Mauretaniens, (lat. Mauri), den Mauren, er wurde aber auch auf alle dunkelfarbigen Bewohner Nordafrikas übertragen und verwendet. So ist er die Bezeichnung für Maure, aber auch beispielsweise für Äthiopier.

 

Luther übersetzt das Land Kusch, Nubien, das sich südlich von Ägypten befand, und im griechisch-römischen Sprachraum Äthiopien genannt wurde, mit Morenland.

 

Empfehlung:

 

Dem Begriff Mohr haftet außerhalb seiner historischen oder literarischen Verwendung oft ein diskriminierender Charakter an. In der praktischen Gemeindearbeit lässt sich die literarische Verwendung kaum herausstellen. Um jedes Missverständnis auszuschließen, empfehlen wir, Luthers Worte Mor und Morenland in Textlesungen, Predigten, usw. nicht zu verwenden. Es kann stattdessen, je nach Intention des Vorhabens, als Landesbezeichnung Land Kusch (biblisch-historisch), Nubien (ägyptisch-historisch), Äthiopien (griechisch-römisch-historisch), nördliches Ostafrika, o. ä. verwendet werden.

 

→1Mos 2,13

 

Das ander waſſer heiſſt Gihon / das fleuſſt vmb das gantze Morenland.

 

Die Bezeichnung »Morenland« meint auch in 1Mos 2,13 nicht Mauretanien, sondern das Land Kusch (Nubien, Äthiopien), ggf. Arabien.

 

Der Fluss Gihon, der das gesamte »Morenland« umfließt, wird mit dem Nil gleichgesetzt.

 

→Apg 8,27

 

Vnd ſihe / ein Man aus Morenland ein Kemerer vnd gewaltiger der Königin Candakes in Morenland / welcher war vber alle jre Schatzkamer / der war komen gen Jeruſalem anzubeten

 

Und siehe: Ein Mann aus Athiophien, ein Kämmerer aus dem Führungsstaab der Kandake (das ist der Hoheitstitel der Königin Äthiopiens), der Herr über alle Schatzkammern der Königin, der war nach Jerusalem gekommen, um anzubeten

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

Erläuterungen siehe →Das große Stilkunst.de–Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

 

 

Erläuterungen zum Satz und zur Typografie des Bibeltextes

Der Text aus der Lutherbibel auf dieser Seite ist in Anlehnung an das Druckbild des Ori­gi­nals von 1545 wiedergegeben.

Den Seitenaufbau, die verwendeten Schriften, die Schreibregeln der Frakturschrift und Luthers In­ten­tio­nen, mit der Typografie Lesehilfen be­reit­zu­stel­len, erläutert dem interessierten Leser unser Artikel »Satz und Typografie der Lutherbibel von 1545«.

 

Der Bibeltext im evangelischen Kirchenjahr

PREDIGTTEXT

→6. Sonntag nach Trinitatis 2017

Apg 8,26-39

IV

 
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Biblia
1545
Apg
8

*1)

lat.: At Papa­tus omnia ven­dit pe­cu­nia.
dt.: »Aber das Papstum verkauft alles gegen Geld.«