Das Buch Hiob (Ijob) | Kapitel 9

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Die Bücher der Dichtung im Alten Testament

 

Biblia
 

Die gantze Heilige Schrifft Deudsch
D. Martin Luther, Wittenberg 1545

Die Bücher der Dichtung im Alten Testament

Das Buch Hiob
Ijob

Kapitel 9

 

Hiob 9

 

Der Text in 42 Kapiteln

 
Auswahl der Beiträge und Kapitel

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Gliederung Kapitel 9

 

Nr.

Textstelle

Abschnitt | Link zum Text

Kapitel IX.

 

 

3 - 14

 

II. DER DIALOG: ERSTER GESPRÄCHSGANG

 

 

 

9,1 - 10,22

 

II.5 HIOBS ERSTE ANTWORT AN BILDAD

 

1

9,1-35

→Die Unmöglichkeit, bei Gott Recht zu erlangen

 

 

 

 

Das Bucĥ Hiob.

 

 
[277a]

 

IX.

 

 

II.5
HIOBS ERSTE ANTWORT AN BILDAD

 

 

9,1 - 10,22

 

 

Die Unmöglichkeit, bei Gott Recht zu erlangen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

→Amos 5.

HIob antwortet / vnd ſprach / 2Ja ich

weis faſt wol / das alſo iſt / das ein Menſch nicht rechtfertig beſtehen mag gegen Gott. 3Hat er luſt mit jm zu haddern / ſo kan er jm auff tauſent nicht eins antworten. 4Er iſt weiſe vnd mechtig / Wem iſts je gelungen / der ſich wider jn gelegt hat? 5Er verſetzt Berge / ehe ſie es innen werden / die er in ſeinem zorn vmbkeret. 6Er weget ein Land aus ſeinem ort / das ſeine pfeiler zittern. 7Er ſpricht zur Sonnen / ſo gehet ſie nicht auff / vnd verſiegelt die Sterne. 8Er breitet den Himel aus allein / vnd gehet auff den wogen des Meers. 9Er machet den Wagen am himel vnd * Orion vnd die Glucken vnd die Stern gegen mittag. 10Er thut groſſe ding die nicht zu forſchen ſind / vnd Wunder der keine zal iſt.

Hiob.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

*

(Orion)

Iſt das hel­le Ge­ſtir­ne ge­gen mit­tag / das die Bau­ern den Ja­cobs­ſtab heiſ­ſen. Die Glu­cken oder die Hen­ne / ſind die ſie­ben klei­ne Ge­ſtir­ne.*1)

 

11SIhe / er gehet fur mir vber / ehe ichs gewar werde / vnd verwandelt ſich ehe ichs mercke. 12Sihe / wenn er ſchwind hinferet / wer wil jn wider holen? Wer wil zu jm ſagen / was machſtu? 13Er iſt Gott / ſeinen Zorn kan niemand ſtillen / vnter jm müſſen ſich beugen a die ſtoltzen Herrn. 14Wie ſolt ich denn jm antworten / vnd wort finden gegen jm? 15Wenn ich auch gleich recht habe / kan ich jm dennoch nicht antworten / ſondern ich müſt vmb mein Recht flehen. 16Wenn ich jn ſchon anruffe / vnd er mich erhöret / So gleube ich doch nicht / das er meine ſtimme höre. 17Denn er feret vber mich mit vngeſtüme / vnd macht mir der Wunden viel on vrſach. 18Er leſſt meinen Geiſt ſich nicht erquicken / Sondern macht mich vol betrübnis. 19Wil man macht / ſo iſt er zu mechtig / Wil man Recht / wer wil mein Zeuge ſein? 20Sage ich / das ich gerecht bin / So verdammet er mich doch / Bin ich from / So macht er mich doch zu vnrecht. 21Bin ich denn From / So that ſichs meine ſeele nicht annemen / Ich begere keines Lebens mehr. 22Das iſt das eine / das ich geſagt habe / Er bringt vmb beide den Fromen vnd Gottloſen. 23Wenn er anhebt zu geiſſeln / So dringet er fort bald zum Tod / vnd ſpottet der anfechtung der Vnſchüldigen. 24Das Land aber wird gegeben vnter die hand des Gottloſen / Das er jre Richter vnterdrücke / Iſts nicht alſo / wie ſolts anders ſein?

 

 

 

 

 

 

 

a

Die ſtol­tzen Junck­herrn / die ſich auff jre macht ver­laſ­ſen / vnd je­der­man helf­fen kön­nen.

 

25MEine tage ſind ſchneller geweſen denn ein Lauffer / ſie ſind geflohen vnd haben nichts guts erlebt. 26Sie ſind vergangen / wie die ſtarcken Schiff /

 

 
[276a | 276b]

 

 

Das Bucĥ     C. IX.

 

 

wie ein Adeler fleugt zur ſpeiſe. 27Wenn ich gedenck ich wil meiner Klage vergeſſen / vnd mein geberde laſſen faren / vnd mich erquicken. 28So furchte ich alle meine a ſchmertzen / weil ich weis / das du mich nicht vnſchüldig ſein leſſeſt. 29Bin ich denn Gottlos / warumb leide ich denn ſolche vergebliche plage? 30Wenn ich mich gleich mit Schneewaſſer wüſſche / vnd reinigete meine Hende mit dem brunnen. 31So wirſtu mich doch tuncken in Kot / vnd werden mir meine Kleider ſcheuſlich anſtehen. 32Denn er iſt nicht mein Gleiche / dem ich antworten möchte / das wir fur Gerichte mit einander kemen. 33Es iſt vnter vns kein Scheideman / noch der ſeine hand zwiſſchen vns beide lege. 34Er neme von mir ſeine Ruten / vnd las ſein ſchrecken von mir. 35Das ich müge reden / vnd mich nicht fur jm fürchten dürffe / Sonſt kan ich nichts thun / das fur mich ſey.

 

 

 

 

a

Scilicet, ne redeant. *2)

 

 

 

 

 

 

(Kleider)

Das iſt / meine Tu­gent.

 

 

 

*1) Luthers Anmerkungen zu Orion;

Während Luther den Ausdruck Wagen für das Sternbild »der große Wagen« (Großer Bär, Ursa Major) als geläufig betrachtet, sieht er bei den Begriffen Orion und Glucken Erklärungsbedarf:

Im Zentrum des Sternbilds Orion befinden sich drei, fast in einer Linie dicht beieinanderstehende Sterne namens Alnitak, Alnilam und Mintaka (ζ, ε und δ Orionis). Sie wurden bereits in alter Zeit »Jakobsstaab« genannt. Der Jakobsstaab war ein gerader Wanderstaab für Pilger, der drei markante Merkmale besaß: eine kräftige, eiserne Spitze unten, einen kugelförmigen oberen Abschlussknauf und in der Mitte ein Griffstück mit verdickter Handauflage. Mit einer gedachten Linie zwischen den drei Sternen entsteht für den Betrachter die Grundform des Jakobsstaabs.

Luthers »Glucken« oder »Henne« wird manchmal auch »Gluckhenne« oder »Siebengestirn« genannt. Es ist der kleine Sternhaufen der Plejaden im Sternbild Stier, der gerade noch mit bloßem Auge gesehen werden kann.

 

*2) lat.: Scilicet, ne redeant.;

dt.: »Natürlich in der Hoffnung, dass sie nicht zurückkehren.«

Die lateinische Formulierung lässt vermuten, dass Luthers Übersetzung dieser Stelle Anlass zu Diskussionen in den Gelehrtenkreisen gab, denen er hier begnen möchte.

 

 
Aus dem Verzeichnis der Abkürzungen und Namen biblischer Bücher

Luthers Verweise auf biblische Bücher

 Kürzel

 Bezeichnung in Luthers Biblia 1545

 Moderne Bibel

 Kürzel

Amos
Der Prophet Amos.

Biblia Vulgata: Amos

Der Prophet Amos

Das Buch Amos

 

Am

Am

Amos

Erläuterungen siehe →Liste der Abkürzungen und Namen biblischer Bücher

 

 

Erläuterungen zum Satz und zur Typografie des Bibeltextes

Der Text aus der Lutherbibel auf dieser Seite ist in Anlehnung an das Druckbild des Ori­gi­nals von 1545 wiedergegeben.

Den Seitenaufbau, die verwendeten Schriften, die Schreibregeln der Frakturschrift und Luthers In­ten­tio­nen, mit der Typografie Lesehilfen be­reit­zu­stel­len, erläutert dem interessierten Leser unser Artikel »Satz und Typografie der Lutherbibel von 1545«.

 
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