Das Buch der Psalmen
Psalm LV.

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Die Bücher der Dichtung im Alten Testament

 

Biblia
 

Die gantze Heilige Schrifft Deudsch
D. Martin Luther, Wittenberg 1545

Die Bücher der Dichtung im Alten Testament

∙ Der Psalter ∙
Die Bücher der Psalmen

 

LV.

 

Ps 55,1-24

 

150 Psalmen, aufgeteilt in fünf Büchern

 

Das Gebet eines Verfolgten

 
Auswahl der Psalmen
 

 

Der Psalm 55 aus Luthers Biblia 1545

 

 

Psalm 55, 16

 

Im folgenden Text ist der bezeichnete Vers hervorgehoben.

Der Pſalter.

 

 

LV.

1Ein vnterweiſunge Dauids / vor zu
ſingen auff Seitenſpielen.

 

GOtt höre mein Gebet / vnd verbirge dich nicht fur meinem fle­hen / 3Merck auff mich / vnd erhöre mich / wie ich ſo kleglich zage vnd heule.

4Das der Feind ſo ſchreiet / vnd der Gottloſe drenget / Denn ſie wöllen mir einen Tück beweiſen / vnd ſind mir hefftig gram.

5Mein hertz engſtet ſich in meinem Lei­be / Vnd des Todes furcht iſt auff mich gefallen.

6Furcht vnd zittern iſt mich ankomen / Vnd grawen hat mich vberfallen.

7ICh ſprach / O hette ich flügel wie Tauben / Das ich flüge vnd etwa bliebe.

8Sihe / ſo wolt ich mich ferne weg­machen / Vnd in der Wüſten blei­ben / Sela.

9Ich wolt eilen / das ich entrünne / Fur dem Sturmwind vnd Wetter.

10MAche jre Zungen vneins HERR / vnd las ſie vntergehen / Denn ich ſehe freuel vnd hadder in der Stad.

 
 
(Mühe vnd erbeit) Das iſt / Eitel bos­heit / damit ſie ſich vnd ande­re beſchweren.

11Solchs gehet tag vnd nacht vmb vnd vmb in jrer Mauren / Es iſt mühe vnd erbeit drinnen.

12Schaden thun regiert drinnen / Liegen vnd triegen leſſt nicht von jrer Ga­ſſen.

13WEnn mich doch mein Feind ſchen­det / wolt ichs leiden / Vnd wenn mich mein Haſſer pochet / wolt ich mich vor jm verbergen.

14Du aber biſt mein Geſelle / Mein Pfle­ger vnd mein Verwandter.

15Die wir freundlich mit einander wa­ren vnter vns / Wir wandelten im hauſe Gottes zu hauffen.

16Der Tod vbereile ſie / vnd müſſen le­bendig in die Helle faren / Denn es iſt eitel bosheit / vnter jrem Hauffen.

17ICh aber wil zu Gott ruffen / Vnd der HERR wird mir helffen.

18Des abends / morgens vnd mittags wil ich klagen vnd heulen / So wird er meine ſtim hören.

19ER erlöſet meine Seele von denen / die an mich wöllen / vnd ſchafft jr ruge / Denn jr iſt viel wider mich.

20Gott wird hören vnd ſie demütigen / der allweg bleibt / Sela / Denn ſie werden nicht anders / vnd fürchten Gott nicht.

21Denn ſie legen jre hende an ſeine Friedſamen / Vnd entheiligen ſeinen Bund.

 
 
 
 
Matth.6.
Luce 12.
1.Pet.5.

22Ir Mund iſt gletter denn butter / vnd haben doch Krieg im ſinn / Ir wort ſind gelinder denn Ole / vnd ſind doch bloſſe Schwerter.

23WIrff dein Anligen auff den HER­RN / der wird dich verſorgen / Vnd wird den Gerechten nicht ewiglich in Vnruge laſſen.

 
 
 
(Leben)

Was ſie furhaben / noch zu­thun bey jrem leben.

24Aber Gott du wirſt ſie hinuntern ſto­ſſen in die tieffe Gruben / Die blut­girigen vnd falſchen werden jr Le­ben nicht zur helffte bringen / Ich aber hoffe auff dich.

 

 
Aus dem Verzeichnis der Abkürzungen und Namen biblischer Bücher

Luthers Verweise auf biblische Bücher

 Kürzel

 Bezeichnung in Luthers Biblia 1545

 Moderne Bibel

 Kürzel

Matth.
Matt.
Mat.
Math.
Euangelium S. Mattheus.

Biblia Vulgata:
Evangelium secundum Mattheum

Das Evangelium nach Matthäus

Matthäusevangelium

Mt

Mt

Mt

Luce.
Luc.
Euangelium S. Lucas.

Biblia Vulgata:
Evangelium secundum Lucam

Das Evangelium nach Lukas

Lukasevangelium

Lk

Lk

Lk

1.Pe.
1.Pet.

 

Die j. Epiſtel S. Peters.

Biblia Vulgata: Epistula Petri I

Der erste Brief des Petrus

1. Petrusbrief

1. Petr

1 Petr

1Petr

Erläuterungen siehe →Liste der Abkürzungen und Namen biblischer Bücher

 
 

Worterklärungen: Übersicht

Die folgenden Begriffe aus dem Text Ps 55 werden hier erläutert.

Versnummer: Luthers Wort

1: vnterweiſunge Dauids

1: vor zu ſingen

1: Seitenſpielen

2: fur

4: ſchreiet

4: Gottloſe

4: Tück

4: gram

5: engſtet

6: Grawen

8: Sela

10: freuel

10: hadder

11: vmb vnd vmb

11: Mauren

11: erbeit

12: thun

12: liegen vnd triegen

13: pochet

16: Helle

16: eitel

17: HERR

19: Seele

19: ruge

20: allweg

21: hende

21: entheiligen

22: Ole

22: bloſſe

23: Anligen

23: Vnruge

  

Klick auf ein Wort führt zum Eintrag mit den Erklärungen.

Das vollständige Verzeichnis findet sich hier: →Das große Stilkunst.de–Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

 
Aus dem Stilkunst.de-Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

Worterklärungen:
Seltene Namen, Wörter und Begriffe im Text Ps 55

Luther-Deutsch

Deutsch   |   Erläuterungen

Vnterweiſung Dauids

Unterweisung Davids

Angabe der Urheberschaft im Titel von sechs Psalmen:

 

→Psalm 32

→Psalm 52

→Psalm 53

→Psalm 54

→Psalm 55

→Psalm 142

 

Die Formulierung besagt nicht verlässlich, dass David selbst diese Psalmen verfasst hat. Sie bedeutet wohl nur, dass sie zu einer Sammlung von Psalmen gehören, die ihm gewidmet ist.

 

In der Lutherbibel von 1545 benennen 73 Psalmen in der Überschrift David als Urheber.

 

a) →Psalm Davids: 50

Psalmen 3, 4, 5, 6, 8, 9, 11, 12, 13, 14,

15, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26,

27, 28, 29, 30, 31, 34, 35, 36, 37, 38,

39, 40, 41, 51, 61, 62, 63, 64, 65, 69,

70, 101, 103, 109, 110, 139, 140, 141, 143 und 144

 

b) →Gülden Kleinod Davids: 6

Psalmen 16, 56, 57, 58, 59 und 60

 

c) VerweisUnterweisung Davids: 6

 

d) →Lied Davids: 4

Psalmen 122, 124, 131 und 133

 

e) →Psalmlied Davids: 2

Psalmen 68 und 108

 

f) →Gebet Davids: 2

Psalmen 17 und 86

 

g) →Unschuld Davids: 1

Psalm 7

 

h) →Lob Davids: 1

Psalm 145

 

i) →Davids: 1

Psalm 138

 

 

Zur Person Davids

 

Historisch kreisen um die Person Davids viele ungeklärte Fragen. Nach der biblischen Überlieferung war David nach Saul der zweite König Israels und lebte von etwa 1000 bis 961 v. Chr. Genauere Lebensdaten sind unbekannt.

 

David war zunächst Musiker am Hof Sauls und wurde später Offizier in seinem Heer.

 

Die Geschichte Davids wird ausführlich erzählt in den beiden Samuel­büchern (1Sam, 2Sam), in 1Kön 1-2 und in 1Chr 11-29.

 

 

SK Version 26.11.2019  

→Register

vorſingen

vorsingen (Verb)

a) für jemandem etwas singen

b) vor jemanden etwas singen

c) als Solist etwas zuerst singen, andere (ein Chor) wiederholen es

d) als Solist einen Liedteil singen, andere (ein Chor) ergänzt weitere Liedteile

 

→Psalm 4,1 ( u. a.)

 

Ein Pſalm Dauids / vor zu ſingen

 

Luther: (Vorſingen) Wie der Can­tor vnd Prieſ­ter einen Vers oder Epiſtel vor ſinget / Vnd der Chor hinnach ſinget ein Reſponſo­rium / Halelu­ia oder Amen.

 

 

SK Version 22.10.2019  

→Register

Seitenſpiel

Saitenspiel, das

a) das Spielen auf Saiteninstrument

b) das Saiteninstrument

 

 

SK Version 06.10.2019  

→Register

fur

a) vor (Präposition)

 

b) für (Präposition)

 

c) fuhr (Verb)

 

Die Präpositionen vor und für

 

Die beiden heutigen Wörter vor und für gehen sprachlich auf das selbe Wort zurück, was in der Lutherbibel noch gut verfolgt werden kann.

 

Überwiegend tritt fur in der Bedeutung vor auf und ist gleichbedeutend mit Luthers Schreibweise vor.

 

Die konkrete Bedeutung erschließt sich aus dem Textzusammenhang.

 

 

Das Verb fuhr

 

Das Wort fur kann auch das Verb fahren (Luther-Deutsch: →faren) in der 3. Person Singular Präteritum meinen.

 

 

fur in der Bedeutung »vor«: →Psalm 3,1

 

Ein Pſalm Dauids / Da er floh fur ſeinem ſon Abſalom.

 

Ein Psalm Davids, [gesungen,] als er vor seinem Sohn Aschalom floh.

 

 

fur in der Bedeutung »für«: →Psalm 40,18

 

Denn ich bin Arm vnd Elend / Der HERR aber ſorget fur mich

 

Denn ich bin arm und elend. Der HERR sorgt aber für mich.

 

 

fur in der Bedeutung »fuhr«: →Psalm 18,10

 

Er neigete den Himel vnd fur herab

 

Er neigte den Himmel und fuhr herab.

 

 

 

SK Version 22.10.2019  

→Register

ſchreien

schreien (Verb)

sehr laut reden, sprechen

 

ich ſchreie

 

→Psalm 28,2

 

Höre die ſtim meines flehens / wenn ich zu dir ſchreie

 

Höre die Stimme meines Flehens, wenn ich zu dir schreie.

 

→Psalm 77,1

 

JCh ſchreie mit meiner ſtim / zu Gott / Zu Gott ſchreie ich / vnd er erhöret mich.

 

Ich schreie mit meiner Stimme zu Gott. Zu Gott schreie ich, und er erhört mich.

 

ich ſchrey

 

Das »e« am Ende entfällt.

Das »ei« am Wortende wird nach den Regeln des Luther-Deutsch zu »ey«.

 

Luther verwendet ſchrey sowohl als Präsensform wie auch als Präteritum.

 

→Psalm 18,7

 

Wenn mir angſt iſt / ſo ruffe ich den HERRN an / vnd ſchrey zu meinem Gott

 

Wenn ich Angst habe, rufe ich den HERRN an und schreie zu meinem Gott.

 

→Psalm 31,23

 

Dennoch höreteſtu meines flehens ſtim / da ich zu dir ſchrey.

 

Dennoch hörtest Du das Flehen in meiner Stimme, als ich zu dir schrie.

 

 

SK Version 22.10.2019  

→Register

Gottloſe

 

Gotloſe

Gottlose, der

Substantivierung von: →gottlos (Adjektiv)

 

Religiöser Begriff, der die Existenz Gottes voraussetzt:

 

1) Zustand: los von Gott; von Gott los [sein]; von Gott verlassen; ohne Gott.

2) religiöse Grundhaltung: Gott nicht dienend; die Ehre, den Willen, die Gebote Gottes missachtend

 

 

SK Version 06.10.2019  

→Register

Tück

Tücke, die

heimtückische Boshaftigkeit;

heimtückische Handlung;

verborgene Eigenschaft einer Sache, die jemanden in eine ärgerliche oder gefährliche Situation bringen kann.

 

→Psalm 10,2

 

Sie hengen ſich an einander / vnd erdencken böſe Tück.

 

Sie hängen sich aneinander und denken sich Boshaftigkeiten aus.

 

 

SK Version 22.10.2019  

→Register

gram

gram (Adjektiv)

a) ergrimmt, erzürnt, wütend

b) grimmig, böse

c) jemandem gram sein: feindlich, übelwollend, durch Hass bestimmte Feinschaft empfindend, heftige Abneigung empfindend

d) (mild) jemandem gram sein oder werden: seiner überdrüssig sein, werden (z. B. in erotischen Beziehungen)

e) (negiert) nicht gram sein: jemanden gut leiden können, jemanden lieben

f) (mild) jemandem gram sein: jemanden böse sein, jemanden etwas übel nehmen

g) einer Sache gram sein: eine Sache ablehnen

 

Das Substantiv »der Gram« bedeutet bei Luther Feindschaft (Hi 30,21).

 

→Psalm 106,41

 

Vnd gab ſie in die hand der Heiden / Das vber ſie herrſcheten / die jnen gram waren.

 

Und gab sie in die Hand der Heiden, damit sie beherrscht wurden von denen, die ihnen feindlich gesinnt waren.

 

 

SK Version 22.10.2019  

→Register

engſten

 

geengſtet

ängsten (Verb; veraltet)

veraltet für:

 

a) ängstigen, sich ängstigen,

b) verängstigen

 

ich werde geengſtet: ich werde verängstigt

 

 

SK Version 06.10.2019  

→Register

Grawen

 

grawen

Grauen, das

Substantivierung von →grawen (Verb)

 

a) Ekel, Abscheu, sittliches Entsetzen, Entrüstung

b) Übelkeit, Brechreiz

c) Widerwille, Abneigung, Ablehnung

d) Entsetzen, entrüstetes Entsetzen, Furcht

e) Furcht, existentielle Furcht, Seelenangst, lähmendes Entsetzen, lähmende Furcht

f) Schreckensahnung, Furcht vor einem undurchsichtigen Geschehen

g) Schauern vor etwas Gespenstischen, Spukhaften, Angsteinflössenden

h) Zustand einer psychischen Erregung oder Reizempfindlichkeit

 

→Psalm 91,5

 

DAS du nicht erſchrecken müſſeſt fur dem grawen des Nachts

 

a) Das du nicht erschrecken müsstest vor der Furcht in der Nacht

b) Das du nicht erschrecken müsstest vor Angsteinflössendem in der Nacht

 

 

SK Version 22.10.2019  

→Register

Sela

Sela

In den Psalmen: ein Tonzeichen

 

Sela (hebr. סֶלָה) ist die transkribierte Form des hebräischen Wortes, dessen Bedeutung und Herkunft unklar sind.

 

Es kommt in den Psalmen 71 mal vor und wird als Tonzeichen verstanden, und somit als musikalischer Fachbegriff. Es zeigt vermutlich eine Pause oder einen Ruhepunkt im Gesang, bzw. den Abschluss eines Absatzes (einer Strophe) an.

 

Es kann aber auch als Wiederholungszeichen (Refrain) verstanden werden. Dann könnte es auch die Textzeile abschließen, die als Wechselgesang von einem Chor gegen den Vorsänger wiederholt wird.

 

 

SK Version 17.11.2019  

→Register

Freuel

 

freuel

Frevel, der

mhd: frevel

Bewusster Verstoß gegen die geltende (göttliche oder weltliche) Ordnung aus Übermut, Auflehnung oder Missachtung.

 

→Psalm 55,10

 

Denn ich ſehe freuel vnd hadder in der Stad.

 

Denn ich sehe Frevel und Hader in der Stadt.

 

 

Adjektivisch gebraucht

 

→Psalm 35,11

 

Es tretten freuel Zeugen auff / Die zeihen mich des ich nicht ſchüldig bin.

 

Es treten falsche Zeugen auf. Sie bezichtigen mich, obwohl ich nicht schuldig bin.

 

 

 

SK Version 22.10.2019  

→Register

Hadder

Hader, der

Streit, Zwist, meist über lange Zeit erbittert aus­ge­tra­gen.

 

 

→Spr 3,30

 

Hadder nicht mit jemand on vrſache / ſo er dir kein leid gethan hat.

 

Streite nicht mit jemanden ohne Ursache, wenn er dir kein Leid getan hat.

 

 

→Gal 5,19-20

 

19Offenbar ſind aber die werck des Fleiſches / als da ſind Ehebruch / Hurerey / Vn­‌rei­nig­keit / Vnzucht / 20Abgötterey / Zeuberey / Feind­ſchafft / Hadder / Neid / Zorn / Zanck / Zwitracht / Rotten / Haſs / Mord / 21Sauffen / Freſſen / vnd der gleichen.

 

Offenkundig sind aber die Werke des Fleisches*, als da sind: Ehebruch, Hurerei, Unreinheit, Unzucht, Göt­zen­ver­ehrung, Zauberei, Feindschaft, Streitsucht, Neid, Zorn, Zank, Zwietracht, Aufruhr, Hass, Mord, Saufen, Fressen und dergleichen.

 

*Anm.: Die »Werke des Fleisches« entspringen der na­tür­li­chen Trieb­haf­tig­keit des Menschen und zielen auf die Befriedigung körperlicher Be­dürf­nisse im weit­ge­hen­den Sinn. Sie unterliegen keinen ethischen oder mo­ra­lischen Werten und unterwerfen sich keinen ge­sell­schaft­li­chen Ord­nun­gen.

 

 

 

SK Version 17.11.2019  

→Register

vmb vnd vmb

um und um (Wendung)

Siehe auch: →vmb

 

Die Wendung verstärkt durch die paarige Nutzung von um dessen Bedeutung.

 

a) rundum, ringsum, von allen Seiten

b) zur Bezeichnung der vollständigen Erfassung einer Form oder Fläche: vollständig, komplett

c) zur Bezeichnung eines vollständig erfassten Vorgangs oder einer Idee: alles in allem, letzten Endes, letztendlich, schließlich

 

→Psalm 17,9

 

Fur meinen Feinden / die vmb vnd vmb nach meiner Seelen ſtehen.

 

a) Vor meinen Feinden, die ringsum nach meiner Seele stehen

b) Vor meinen Feinden, die mir von allen Seiten nach dem Leben trachten.

 

c) Vor meinen Feinden, die mir letztendlich das Leben nehmen wollen.

 

 

 

 

SK Version 22.10.2019  

→Register

Maur

 

Mauren

Mauer, die

 

Mauern, die

mauren zu Jeruſalem: die Mauern Jerusalems

 

 

→Psalm 78,13

 

Er zurteilet das Meer / vnd lies ſie durch hin gehen / Vnd ſtellet das Waſſer / wie eine Maur.

 

Er teilte das Meer und lies sie hindurch gehen. Und <er> stellte Wasser <auf> wie eine Mauer.

 

 

 

SK Version 29.11.2019  

→Register

Erbeit

Arbeit, die

Erbeit, erbeit
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
164 104 33 20

mhd: arebeit, arbeit

1) ursprünglich: Tätigkeit des Knechts, bevorzugt in der Feldarbeit als Tagelöhner

2) Tätigkeit, um den Unterhalt zu verdienen

 

→Psalm 90,10

 

Vnſer Leben wehret ſiebenzig Jar / wens hoch kompt ſo ſinds achtzig jar / Vnd wens köſtlich geweſen iſt / ſo iſts Mühe vnd Erbeit geweſen /

 

Unser Leben dauert siebzig Jahre. Wenn es hoch kommt, dann sinds <auch> achtzig. Und wenn es ein erfülltes Leben war, dann ist es Mühe und Arbeit gewesen.

 

→Psalm 128,2

 

Du wirſt dich neeren deiner hende erbeit /

 

a) Du wirst dich nähren von deiner Hände Arbeit.

b) Du wirst mit Arbeit deinen Unterhalt verdienen.

 

 

SK Version 22.10.2019  

→Register

thun

tun (Verb)

Mhd.: tuon (erweitert tuogen, tuonen)

allgemein machen, schaffen, verrichten, handeln in unterschiedlichsten Varianten und Bedeutungen

 

Formen

 

  Luther-Deutsch Deutsch
Infinitiv thun tun
Präsens ich thu ich tue
  du thuſt du tust
  er thut er tut
Präteritum ich thet ich tat
  er thet er tat
  wir theten wir taten
  jr thetet ihr tatet
  sie theten sie taten
Perfekt du haſt gethan du hast getan
  er hat gethan er hat getan
Plusquamperfekt er hatte gethan er hatte getan
  er hette gethan er hätte getan
Imperative thu (es)! tue (es)!
  haſtu gethan du hast getan!
 

 

→Psalm 78,12

 

FVr jren Vetern thet er Wunder in Egyptenland

 

Vor ihren Vätern tat er Wunder in Ägypten

 

 

SK Version 22.10.2019  

→Register

liegen vnd triegen

verbal: lügen und trügen

substantivisch: Lügen und Trügen, Lug und Trug

 

lügen: Unwahrheiten, Falschheiten sagen oder behaupten

 

trügen: täuschen, irreführen

 

Lug, der: die Lüge

 

Trug, der: das Trügen, der Betrug, die Täuschung

 

→Psalm 55,12

 

Liegen vnd triegen leſſt nicht von jrer Gaſſen.

 

Lug und Trug verschwinden nicht aus ihren Straßen.

 

 

SK Version 22.10.2019  

→Register

pochen

 

pochet

pochen (Verb)

schlagen, klopfen.

 

er pochet: er schlägt

 

→Psalm 55,13

 

Vnd wenn mich mein Haſſer pochet / wolt ich mich vor jm verbergen.

 

Hier abstrakt vom (wiederholten) ungestümen, zornigen, unmutigen, trotzigen, hoffärtigen, prahlerischen, höhnischen auftreten, handeln und reden:

 

Und wenn mich der, der mich hasst, (wieder und wieder) ungestüm auf mich losgeht.

 

 

 

SK Version 22.10.2019  

→Register

Helle

Hölle, die

 

Totenreich, das

Helle
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
139 85 38 16

hebräisch: שאול (Scheol),
das Totenreich, die Unterwelt, in Abgrenzung zur Welt der Lebenden

lateinisch: infernum,

auch: abyssus, baratrum, loca inferna, loca infernorum

griechisch: Ἅδης (Hades).

das Totenreich

 

Gedacht als konkreter Ort unter der Erdoberfläche (im Gegensatz zum Himmel über der Erdoberfläche), zu dem die Toten hinabsteigen.

 

Ort der Toten, Totenreich, in Abgrenzung zum Ort (zur Welt) der Lebenden.

 

 

Bedeutung

 

Der Begriff Hölle ist schwierig und zwischenzeitlich längst mystisch verklärt als Ort der Qual für die nach dem Tode Verdammten, als Ort des Feuers, wo Pech und Schwefel brennen, als Ort der Sünder, die aufgrund ihrer irdischen Verfehlungen Höllenpein zu erleiden haben, usw. Derartige Inhalte sind mit dem hebräischen Begriff Scheol nicht verbunden!

 

Moderne Übersetzungen vermeiden daher meist das Wort Hölle, um nicht einem nichtbiblischen und unchristlichen Glauben an einen verklärten Ort der Qualen, der Dämonen und Teufel Vorschub zu leisten.

 

Herrscher über den Scheol ist der Gott JHWH (s. →Psalm 139,8), nicht der →Teufel (griechisch: διάβολος, als Gegenspieler des Gottes JHWH).

 

Auch Jesus ist nach seinem Tod zunächst in den Hades hinabgestiegen (Glaubensbekenntnis).

 

Häufig werden daher heute statt Hölle Begriffe wie Totenreich oder Ort der Toten o. ä. verwendet.

 

 

Das Wort Helle im Psalter der Lutherbibel

 

→Vorrede zum Psalter: Da ſiheſtu aber mal allen Heiligen ins hertze / wie in den Tod / ja wie in die Helle. Wie finſter vnd tunckel iſts da

 

→Psalm 6,6: Denn im Tode gedenckt man dein nicht / Wer wil dir in der Helle dancken?
meint: Tote sind handlungsunfähig

 

→Psalm 9,18: Ah das die Gottloſen müſten zur Helle gekeret werden

meint: Die Gottlosen sollten sterben

 

→Psalm 16,10: DEnn du wirſt meine Seele nicht in der Helle laſſen
meint: Du wirst mich nicht sterben lassen

 

→Psalm 18,6: Der Hellen band vmbfiengen mich / Vnd des Tods ſtrick vberweldiget mich.
meint: ich war dem Tod nahe

 

→Psalm 28,1: Auff das nicht / wo du ſchweigeſt / ich gleich werde denen / die in die Helle faren.
meint: auch wenn du schweigst, deshalb werde ich nicht gleich sterben

 

→Psalm 30,4: HERR du haſt meine Seele aus der Helle gefüret
meint: du hast mich vor dem Tod bewahrt

 

→Psalm 30,4: Du haſt mich lebend behalten / da die in die Helle furen.
meint: mich hast du am Leben gelassen, während die anderen starben

 

→Psalm 31,18: Die Gottloſen müſſen zu ſchanden vnd geſchweigt werden in der Helle.

meint: die Gottlosen müssen zum Schweigen gebracht werden durch einen schändlichen Tod

 

→Psalm 49,15: Sie ligen in der Helle wie ſchafe / der Tod naget ſie

meint: sie liegen in ihren Gräbern wie Schafe und der Tod nagt an ihnen

 

→Psalm 49,15: Jn der Helle müſſen ſie bleiben.

meint: sie müssen in ihren Gräbern bleiben

 

→Psalm 49,16: ABer Gott wird meine Seele erlöſen aus der Hellen gewalt

meint: Gott wird meine Seele vor der Macht des Todes retten

 

→Psalm 55,16: Der Tod vbereile ſie / vnd müſſen lebendig in die Helle faren

meint: Der Tod mag sie einholen und mitten aus dem Leben reißen

 

→Psalm 86,13: Vnd haſt meine Seele errettet aus der tieffen Helle.

meint: bewahre mein Leben vor dem Tod

 

→Psalm 88,4: Vnd mein Leben iſt nahe bey der Helle.

meint: ich sieche dahin und bin dem Tode nahe, oder: ich fühle mich, als würde ich sterben

 

→Psalm 88,5: Jch bin geacht gleich denen / die zur Helle fahren

meint: ich werde genauso wenig geachtet wie Verstorbene

 

→Psalm 89,49: Der ſeine Seele errette aus der Hellen hand?

meint: der sein Leben bewahrt

 

→Scholion zu Psalm 94,17: (Stille) Das iſt / in der Helle da es ſtille iſt vnd alles aus.

meint: im Grab ist es still und alles ist aus.

 

→Psalm 116,3: STricke des Todes hatten mich vmbfangen / Vnd angſt der Hellen hatten mich troffen

meint: Der Tod umklammert mich und Todesangst hat mich überwältigt

 

→Psalm 139,8: Füre ich gen Himel / ſo biſtu da / Bettet ich mir in die Helle / Sihe / ſo biſtu auch da.

meint: führe ich in den Himmel: du bist da! Begäbe ich mich ins Totenreich: Da bist du auch!

 

→Psalm 141,7: VNſer gebeine ſind zuſtrewet bis zur Helle

meint: Die Leiber und Knochen unserer Verwundeten und Toten sind <über das ganze Feld> verstreut

 

 

 

SK Version 25.11.2019  

→Register

eitel

eitel (Adjektiv)

eigentlich: leer, ledig

 

a) leer

b) bloß, bar

c) lauter, rein

d) stolz (selbstbewußt)

e) abwertend: selbstgefällig, eingebildet

f) negierend: unnütz, falsch, vergeblich, nichtig

 

Luther kennt die Substantivierung →das Eitel (siehe dort).

 

→Psalm 49,14

 

Dis jr Thun iſt eitel thorheit /

 

a) Dies, ihr Tun, ist reine Torheit

a) Dies, ihr Tun, ist reine Dummheit

 

 

 

SK Version 22.10.2019  

→Register

HERR

HERR, JHWH, Jahwe

Aussehen in unseren Frakturschriften:

HERR oder HERR

 

 

HERR im Alten Testament

 

hebräisch: יהוה (jhwh, das Tetragrammaton JHWH)

lateinisch (Biblia Sacra Vulgata): Dominus, Herr

 

Luthers Schreibweise HERR in Ver­sa­li­en (Groß­buch­sta­ben) folgt einer fes­ten Re­gel. Sie weist da­rauf hin, dass im he­brä­i­schen Text an die­ser Stel­le das Te­tra­gram­ma­ton (das Vier­fach­zei­chen) »JHWH« (hebr.: יהוה) steht. Es ist der un­aus­sprech­li­che Na­me Gottes.

 

 

Satztechnisch bedingte Varianten

 

Um beim Satz der Lettern Platz in einer Zei­le zu spa­ren, wo­durch über­mäßi­ger Sperr­druck oder un­güns­ti­ge Wort­um­brü­che ver­mie­den wer­den, sind in der Lu­ther­bi­bel von 1545 häu­fig auch die Va­ri­an­ten HERr oder HERRn oder HERrn zu fin­den. Da­bei sind min­des­tens die ers­ten drei Zei­chen in Ver­sa­li­en ge­setzt, wo­mit sie hin­rei­chend von HErr un­ter­scheid­bar sind.

 

An wenigen Stel­len im Text wur­de ei­ne für uns un­üb­li­che Tren­nung im Wort vor­ge­nom­men, um einen Zei­len­um­bruch zu re­a­li­sie­ren, hier bei­spiel­haft ge­zeigt:

 

[ ...] fur den HER-

RN bringen [...]

 

 

HERR HErr

 

Der Ausdruck HERR HErr steht dann, wenn im he­brä­i­schen Text »JHWH Adonaj« zu le­sen ist. (Siehe da­zu auch den Ar­tikel →HErr.)

 

Auch die um­ge­kehr­te Rei­hen­fol­ge HErr HERR ist mög­lich (»Adonaj JHWH«).

 

→Hes 2,4b-5a

 

4bSo ſpricht der HErr HERR / 5aſie gehorchen oder laſſens /

 

Die neuen Lutherbibeln übersetzen diesen Ausdruck stets mit »Gott der HERR«.

 

 

Die Aussprache des Namens Gottes

 

Das Wissen um die Aus­spra­che der vier Zei­chen, die den Got­tes­na­men aus­ma­chen, ist schon früh in der Ge­schich­te ver­lo­ren ge­gan­gen. Sie werden heute oft mit »Jahwe« (vo­ka­li­siert ge­schrie­ben יְהוָה nach der Aus­spra­che des he­brä­i­schen Adonaj, Herr) oder »Jehova« (יְהוָֹה eben­falls nach dem he­brä­i­schen Adonaj, Herr, je­doch un­ter Be­rück­sich­ti­gung aller Vo­ka­le) tran­s­k­ri­biert, aber auch mit »Jewah« (eben­falls יְהוָה aber nach dem he­brä­i­schen Sche­ma, der Name, zu le­sen) oder »Jehowih« (יְהוִה nach dem he­brä­i­schen Elo­him, Gott/Götter).

 

 

Luthers Namensersatz

 

Luther kannte die vo­ka­li­sier­ten Va­ri­an­ten und die tran­s­k­ri­bier­ten For­men und war wohl be­son­ders dem Wort »Je­ho­va« zu­ge­neigt. Es be­zieht alle drei Vo­ka­le aus dem Wort Adonaj, das »Herr« be­deu­tet. Den­noch hat­te er es ver­mie­den in sei­ner Über­setzung »Je­ho­va« zu ver­wen­den. Statt­des­sen nutz­te er wie die la­tei­ni­schen Bi­beln ei­nen Wort­er­satz. Er setzte das deut­sche Wort ein, das ge­mäß der jü­di­schen Tra­di­ti­on zu le­sen sei, wenn im Text das Vier­fach­zei­chen er­scheint, mach­te es aber durch die be­son­de­re Satz­wei­se in Groß­buch­sta­ben kennt­lich: HERR.

 

Luthers Schreibweise hat sich bis heute in et­li­chen Bi­bel­aus­ga­ben ge­hal­ten.

 

 

HERR im Neuen Testament

 

Im neuen Testament ver­wen­det Luther die Schreib­wei­se HERR in Ver­sa­li­en (Groß­buch­sta­ben) für Gott, den Va­ter, an Stel­len, wo sich Zi­ta­te aus dem Al­ten Tes­ta­ment auf »JHWH« be­ziehen.

 

 

Wichtig:

Davon zu unterscheiden sind die Schreibweisen

→»HErr« und →»Herr«.

 

 

 

SK Version 25.11.2019  

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Seele

 

ſeele

Seele, die

Seele
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
602 504 29 69

hebräisch: נֶ֫פֶשׁ (nεfεš), eigtl.: Hauch, Atem

1) was ein Wesen lebendig macht: Seele

2) Sitze der Empfindungen: Gemüt, Herz

3) lebendiges Wesen (worin Leben ist), Lebender, Person

griechisch: ψυχή (psyche), eigtl.: das (irdische) Leben

1) die Seele

2) das Leben

3) lebendiges Wesen (worin Leben ist), Lebender, Person, lebender Mensch

lateinisch: anima

Atem, Hauch, Seele, Gemüt, Leben, Lebenskraft

Der Begriff Seele erstreckt sich über ein weites Feld von Bedeutungen, die alle im individuellen Sein eines lebendigen Wesens, speziell eines Menschen angesiedelt sind. Es reicht vom belebenden Atem über den Sitz der Emotionen, über Emotionen selbst, über Gemütszustände bis hin zu Lebenskraft und zu Leben an sich.

 

Seele grenzt immer lebende und empfindende Wesen von Gegenständen, toten Körpern und Verstorbenen ab, die alle diese Eigenschaften, also die Seele, entweder nicht besitzen oder verloren haben.

 

Das heutige Verständnis

 

Der Begriff der Seele ist religionsgeschichtlich in allen Kulturen vorhanden, aber mit sehr unterschiedlichen Vorstellungen verbunden. Heute gibt es viele Interpretationsversuche, die oft zur Erklärung und Abgrenzung verschiedene Seelen-Typen beschreiben, wie die Körper-Seele, die Frei-Seele, die Schatten-Seele u.a.

 

Allen gemein scheint nur zu sein, dass mit Seele eine individuelle »Lebenskraft« gemeint ist, die jedoch nicht näher greifbar ist. Sie belebt den Körper, wenn der Mensch aktiv und bewusst ist (Körper-Seele). Sie existiert vom Bewusstsein aber auch unabhängig, beispielsweise, wenn der Mensch schläft oder bewusstlos ist (Frei-Seele). Sie beinhaltet die Gedanken und Gefühle (Ich-Seele). Die Hauch-Seele ist eine Art ätherisches Fluidum, und eine spezielle Gabe des Höchstens Wesens (ein Beispiel ist der Odem, den Adam eingeblasen bekommt). Die Schatten-Seele ermöglicht es, im Schlaf in den Träumen zu reisen, ohne den schlafenden Körper mitzunehmen, usw.

 

Im christlichen Abendland ist die Idee einer Seele zwar selbstverständlich, der Gebrauch des Begriffs aber längst nicht einheitlich. Bis heute steht der Begriff Seele im Zentrum theologischer Untersuchungen und Diskussionen. So ist das hebräische Wort נֶ֫פֶשׁ (Seele) eines der am meisten untersuchten Wörter im Alten Testament, nicht zuletzt, um die Grundlagen zu schaffen für ein christlich religiöses Verständnis.

 

Die Frei-Seele entspricht in etwa dem christlichen Verständnis: Sie ist von Körper und Geist unabhängig (frei). Die Frei-Seele vertritt den ganzen Menschen mit all seinen persönlichen Eigenschaften, Fähigkeiten, Gedanken und Erinnerungen. Sie kann in Träumen, Trancen oder in Bewusstlosigkeit den Körper vorübergehend verlassen und eigenständig existieren (frei). Kehrt sie nicht zurück, stirbt der Mensch, doch die Frei-Seele überlebt, womit die Persönlichkeit des Menschen nach seinem Tod erhalten bleibt.

 

Damit grenzt sich der Begriff Seele von der Bedeutung Lebenskraft oder von Leben eindeutig ab. Während die Lebenskraft und das Leben mit dem Tod verloren gehen, existiert die Seele weiter. Um eine »lebendige Seele« zu werden (→1Mos 2,7), braucht es einen Körper (Materie), einen Geist (Denken und Handeln), eine Seele (das individuelle »Ich«) und das Leben an sich (das Luther Odem nennt).

 

Die Interpretation des Wortes Seele
in den biblischen Texten

 

Die heutigen, z. T. sehr weitgreifenden Interpretationen des Begriffs der Seele, die bemüht sind, das breite Wortspektrum in einem einzigen Bild zu vereinen, wie auch unser heutiges christliches Verständnis von Seele sind nur bedingt eine Basis für die Betrachtung der Bibelstellen, in denen das Wort Seele vorkommt. Hier können die Grundbedeutungen der hebräischen (AT) und griechischen (NT) Wörter nicht ausgeblendet werden.

 

Das Ergebnis wird sein, dass das Wort Seele sehr unterschiedliche Dinge, Eigenschaften und Zustände ausdrückt, die sich in unserer Vorstellungswelt, und damit in unserem Sprachgebrauch, nicht vereinen lassen.

 

Welche Bedeutung mit dem Begriff Seele in Luthers Übersetzungen verbunden ist, und welches heutige Wort den Sinn am besten ausdrückt, kann nur aus dem Kontext in der jeweiligen Bibelstelle erarbeitet werden.

 

 

SK Version 25.11.2019  

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Ruge

Ruhe, die

a) Stille: ungestörter Zustand

b) Bewegungslosigkeit: unbewegter Zustand

c) Entspannung: von Hektik oder reger Tätigkeit befreiter, erholsamer Zustand

 

ruge
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
110 73 14 23

 

 

SK Version 06.10.2019  

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allewege

 

allwege

 

allweg

allewege (Adverb; veraltet)

 

allwege (Adverb; veraltet)

 

allweg (Adverb; veraltet)

allewege, allwege, allweg
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
21 15 0 6

verkürzt aus: alle Wege

 

immer, überall

 

Luther benutzt überwiegend allewege (10x), allwege (9x) und nur zweimal allweg.

 

Heute sind diese veralteten Formen noch gebräuchlich:

 

allewege, allerwege, allerwegen, allerwegs

 

→Psalm 40,12

 

Las deine Güte vnd Trewe allwege mich behüten.

 

a) Lass deine Güte und Treue mich allerwege behüten.

b) Lass deine Güte und Treue mich immer behüten.

c) Lass deine Güte und Treue mich stets behüten.

 

 

 

SK Version 22.10.2019  

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Hand

 

Hende

Hand, die

 

Hände, die

→Psalm 141,2

 

Mein Gebet müſſe fur dir tügen / wie ein Reuchopffer / Meine hende auffheben / wie ein Abendopffer.

 

Mein Gebet soll dir erscheinen wie ein Rauchopfer, das Erheben meiner Hände wie ein Abendopfer.

 

Nimm mein Gebet als Rauchopfer und das Erheben meiner Hände als Abendopfer.

 

 

 

SK Version 17.11.2019  

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entheiligen

entheiligen (Verb)

etwas göttlich Vollkommenes, Verehrungswürdiges entweihen, moralisch verletzen

 

Ableitung aus dem Adjektiv →heilig:

(In Abgrenzung zum Irdischen:) göttlich vollkommen und verehrungs­würdig.

 

 

→Psalm 55,21

 

Denn ſie legen jre hende an ſeine Friedſamen / Vnd entheiligen ſeinen Bund.

 

Denn sie legen ihre Hände an seine Friedsamen und entweihen seinen Bund.

 

 

 

SK Version 20.11.2019  

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Ole

 

öle

Öl, das

speziell das Öl, das zur Salbung benutzt wird, das Salböl.

 

Wenn das Wort am Anfang mit Großbuchstaben gesetzt ist, entfällt im Drucksatz das hochgestellte Umlaut-e auf dem Buchstaben O.

 

 

→Psalm 23,5

 

Du ſalbeſt mein Heubt mit öle

 

Du salbest mein Haupt mit Öl.

 

 

→Psalm 89,21

 

Jch hab jn geſalbet mit meinem heiligen Ole.

 

Ich habe ihn gesalbt mit meinem heiligen Öl.

 

 

→Psalm 92,11

 

ABer mein Horn wird erhöhet werden / wie eines Einhorns / Vnd werde geſalbet mit friſchem Ole

 

Aber meine Macht und mein mein Ansehen werden werden wachsen, und ich werde gesalbt mit frischem Öl.

 

 

→Psalm 55,22

 

Jr wort ſind gelinder denn Ole

 

Ihre Worte sind milder als Öl.

 

 

→Psalm 104,15

 

VND das der Wein erfrewe des Menſchen hertz / vnd ſeine geſtalt ſchön werde von Ole

 

Dass der Wein erfreue des Menschen Herz und seine Gestalt schön werde vom Öl.

 

 

 

SK Version 08.12.2019  

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bloſs
bloſſen

bloß (Adjektiv)

unbekleidet, entblößt, nackt

 

auch: nur

 

→1Mos 3,24

 

vnd lagert fur den garten Eden den Cherubim mit einem bloſſen hawenden Schwert

 

und postiert vor dem Garten Eden den Cherub, einen göttlichen Wächter, mit einem blanken, zum Schlag bereiten Schwert.

 

Das Bild zeigt: Der Cherub hielt das Schwert bereits zum Schlag bereit in den Händen, was die Ernsthaftigkeit Gottes unterstreicht, den Menschen keinesfalls wieder in den Garten Eden zu lassen. Das Schwert hing nicht, wie bei herkömmlichen Wachen üblich, am Gürtel, es war nicht in seiner Scheide, und der Cherub konnte kaum überlistet werden.

 

 

SK Version 06.10.2019  

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Anligen

Anliegen, das

Anligen
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
2* 1 0 1

 

* In diesem Artikel sind alle Fundstellen zitiert.

a) ein innerer Drang, über etwas, was einem beschäftigt, unruhig macht oder Sorgen bereitet, und bei dem man Hilfe oder Unterstützung benötigt, vorzutragen

b) Wunsch, Bitte

 

→Psalm 55,23

 

Wirff dein Anligen auff den HERRN / der wird dich verſorgen /

 

Wirf dein Anliegen auf den HERRN, der wird dich versorgen.

 

Eph 6,18

 

Vnd betet ſtets in allem anligen mit bitten vnd flehen / im geiſt /

 

a) Und betet stets in allen Anliegen mit Bitten und Flehen im Geist.

b) Und betet stets in bei allem, was euch bewegt, mit Bitten und Flehen im Geist.

 

 

SK Version 22.10.2019  

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Vnruge

Unruhe, die

Ggs. zu Ruhe (ruge); das Nichtaufhören einer Tätigkeit oder eines Geschehens, Störung eines (angestrebten) Zustands.

 

 

SK Version 06.10.2019  

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Erläuterungen siehe →Das große Stilkunst.de–Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

 

 

Hinweise zur Stilkunst.de-Ausgabe der Lutherbibel von 1545

Erläuterungen zum Satz und zur Typografie des Bibeltextes

Der Text aus der Luther­bi­bel ist auf un­se­ren Sei­ten in An­leh­nung an das Druck­bild des Ori­gi­nals von 1545 wie­der­ge­ge­ben.

Den Sei­ten­auf­bau, die ver­wen­de­ten Schrif­ten, die Schreib­re­geln der Frak­tur­schrift und Luthers In­ten­tio­nen, mit der Ty­po­gra­fie Le­se­hil­fen be­reit­zu­stel­len, er­läu­tert dem in­ter­es­sier­ten Le­ser un­ser Ar­ti­kel »Satz und Ty­po­gra­fie der Luther­bi­bel von 1545«.

 
Sabrina

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SK Version 09.12.2019  

 
 
Biblia
1545
Ps
55