Das 1. Buch Mose (Genesis) | Kapitel 2

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Die Geschichtsbücher des Alten Testaments

 

Biblia
 

Die gantze Heilige Schrifft Deudsch
D. Martin Luther, Wittenberg 1545

Die Geschichtsbücher des Alten Testaments

Das 1. Buch Mose
Genesis

Kapitel 2

 

1Mos 2

 

Der Text in 50 Kapiteln

 
Auswahl der Kapitel

Hinweis: Aus dem 1. Buch Mose (Genesis) sind derzeit nur 21 von 50 Kapiteln verfügbar!

 

Gliederung Kapitel 2

 

Nr.

Textstelle

Abschnitt | Link zum Text

Kapitel II.

 

 

1 - 11

 

I. DIE URGESCHICHTE

 

1

2,1-4a

→Der siebente Schöpfungstag: Vollendung und Ruhe

 

 

2,4b - 3,24

 

I.2 DER ZWEITE SCHÖPFUNGSBERICHT:
ADAM UND EVA

 

2

2,4b-6

→Zeitliche Einordnung: Die Welt ist noch ohne Menschen

3

2,7

→Der erste Mensch

4

2,8-14

→Der Garten Eden

5

2,15-17

→Die ersten Gebote für den Menschen

6

2,18-25

→Die Frau an der Seite des Mannes

 

 

 

 

 

Das Erſte Bucĥ
Móẛe.

 

 
[1b]

 

II.

 

 

Der ſiebente Schöpfungstag: Vollendung und Ruhe

 

 

 

 

 

 

Sab-

bath.

→Ebre. 3.

→*1)

ALſo ward volendet Himel vnd Erden mit

jrem gantzen Heer. 2Vnd alſo volendet Gott am ſiebenden tage ſeine Werck die er machet / vnd rugete am ſiebenden tage / von allen ſeinen Wercken die er machet. 3Vnd ſegnete den ſiebenden Tag vnd heiliget jn / darumb / das er an dem ſelben geruget hatte von allen ſeinen Wercken / die Gott ſchuff vnd machet.

4aALſo iſt Himel vnd Erden worden / da ſie geſchaffen ſind.

 

 

I.2
DER ZWEITE SCHÖPFUNGSBERICHT:
ADAM UND EVA

 

 

2,4b - 3,24

 

 

Zeitliche Einordnung: Die Welt iſt noch ohne Menſchen

 

4bZu der zeit / da Gott der HERR Erden vnd Himel machte / 5vnd allerley Bewme auff dem Felde / die zuuor nie geweſt waren auff Erden / Vnd allerley Kraut auff dem Felde / das zuuor nie gewachſen war. Denn Gott der HERR hatte noch nicht regenen laſſen auff Erden / vnd war kein Menſch der das Land bawete / 6Aber ein Nebel gieng auff von der Erden / vnd feuchtet alles Land.

 

 

Der erſte Menſch

Adam.

→1.Cor. 15.

VND Gott der HERR machet den Menſchen aus dem Erdenklos / vnd er blies jm ein den lebendigen Odem in ſeine Naſen / Vnd alſo ward der Menſch eine lebendige Seele.

 

 

Der Garten Eden

Para-

dis.

VND Gott der HERR pflantzet einen Garten in Eden / gegen dem morgen / vnd ſetzet den Menſchen drein / den er gemacht hatte. 9Vnd Gott der HERR lies auffwachſen aus der Erden allerley Bewme / lüſtig an zuſehen / vndgut →*2) zu eſſen / Vnd den Bawm des Lebens mitten im Garten / vnd den Bawm des Erkentnis gutes vnd böſes.

10VND es gieng aus von Eden ein Strom zu weſſern den Garten / vnd teilet ſich da ſelbs in vier Heubtwaſſer. 11Das erſt heiſſt a Piſon / das fleuſſet vmb das gantze Land Heuila / Vnd daſelbs findet man gold / 12vnd das gold des Lands iſt köſtlich / vnd da findet man Bedellion vnd den eddelſtein Onix. 13Das ander waſſer heiſſt b Gihon / das fleuſſt vmb das gantze Morenland. 14Das dritte waſſer heiſſt c Hidekel / das fleuſſt fur Aſſyrien. Das vierde waſſer iſt der d Phrath.

 

a

(Piſon)

Iſt das groſ­ſe waſ­ſer in In­dia / das man Gan­ges hei­ſſet / denn He­ui­la iſt In­di­en­land.

b

(Gihon)

Iſt das waſ­ſer in Egyp­ten / das man Ni­lus heiſſt.

c

(Hidekel)

Iſt das waſ­ſer in Aſ­ſy­ria / das man Ty­gris heiſſt.

d

(Phrath)

Aber iſt das ne­heſt waſ­ſer in Sy­ria / das man Eu­phra­tes heiſſt.

 

 

 

Die erſten Gebote für den Menſchen

 

 

 

 

 

Gebot Got tes Adam gegeben.

VND Gott der HERR nam den Menſchen vnd ſatzt jn in den garten Eden / das er jn bawet vnd bewaret. 16Vnd Gott der HERR gebot dem Menſchen / vnd ſprach / Du ſolt eſſen allerley Bewme im Garten. 17Aber

 

 
[1b | 2a]

 

 

I. Bucĥ     C. II.

II.

Adam.

 

 

von dem Bawm des Erkentnis gutes vnd böſes ſoltu nicht eſſen Denn welches tages du da von iſſeſt / wirſtu des Todes ſterben.

 

 

Die Frau an der Seite des Mannes

 

VND Gott der HERR ſprach / Es iſt nicht gut das der Menſch allein ſey / Ich wil jm ein Gehülffen machen / die vmb jn ſey.19Denn als Gott der HERR gemacht hatte von der Erden allerley Thier auff dem Felde / vnd allerley Vogel vnter dem Himel / bracht er ſie zu dem Menſchen / das er ſehe / wie er ſie nennet / Denn wie der Menſch allerley lebendige Thier nennen würde / ſo ſolten ſie heiſſen. 20Vnd der Menſch gab einem jglichen Vieh / vnd Vogel vnter dem Himel / vnd Thier auff dem felde / ſeinen namen / Aber fur den Menſchen ward kein Gehülffe funden / die vmb jn were.

 

 

 

(Vmb jn ſey)

Das iſt / Kein Thier nam ſich des Men­ſchen an vmb jn zu ſein / das jm hülf­fe ſich meh­ren vnd nee­ren etc.

 

 

 

 

 

Heua.

→1.Tim. 2.

 

 

 

 

 

 

 

Ehe-

ſtand.

→Matt. 19.

→Ephe. 5.

→1.Cor. 6.

21DA lies Gott der HERR einen tieffen Schlaff fallen auff den Menſchen / vnd er entſchlieff. Vnd nam ſeiner Rieben eine / vnd ſchlos die ſtet zu mit Fleiſch. 22Vnd Gott der HERR bawet ein Weib aus der Riebe / die er von dem Menſchen nam / vnd bracht ſie zu jm. 23Da ſprach der Menſch / Das iſt doch Bein von meinen Beinen / vnd Fleiſch von meinem fleiſch / Man wird ſie Mennin heiſſen / darumb / das ſie vom Manne genomen iſt. 24Darumb / wird ein Man ſeinen Vater vnd ſeine Mutter verlaſſen / vnd an ſeinem Weibe hangen vnd ſie werden ſein ein Fleiſch.25Vnd ſie waren beide nacket / der Menſch vnd ſein Weib / vnd a ſchemeten ſich nicht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

a

Id eſt →*3) / Dürff­ten ſich nicht ſche­men.

 

 

 

*1) Verweis auf Hebr. 3:

Luther verweist auf den Abschnitt Hebr 3,7 - 4,10. Dort heißt es in Hebr 3,11: »Das ich auch ſchwur in meinem zorn / Sie ſolten zu meiner Ruge nicht komen.« Das Wort Ruge (Ruhe) bezieht sich dort auf den siebenten Schöpfungetag, den Tag der Ruhe Gottes. Der Hebräerbrief greift die Formulierung mehrfach auf und erklärt sie schließlich unmißverständlich in Hebr 4,4 mit dem Ruhetag Gottes aus 1Mos 2,3.

 

*2) Druckfehler: vndgut; Korrektur: vnd gut

 

*3) lat.: id est; dt.: »das ist«, »das bedeutet«.

 

 
Aus dem Verzeichnis der Abkürzungen und Namen biblischer Bücher

Luthers Verweise auf biblische Bücher

 Kürzel

 Bezeichnung in Luthers Biblia 1545

 Moderne Bibel

 Kürzel

Gen.
Ge.
Gene.
Das erste Buch Moſe.
Geneſis.

Biblia Vulgata: Genesis

Das erste Buch Mose (Genesis)

Genesis

1. Buch Mose

1. Mose

Gen

1Mos

Matth.
Matt.
Mat.
Math.
Euangelium S. Mattheus.

Biblia Vulgata:
Evangelium secundum Mattheum

Das Evangelium nach Matthäus

Matthäusevangelium

Mt

Mt

Mt

1.Cor.
1. Corin.
1. Corinth.
Die j. Epiſtel S. Paul an die Corinther.

Biblia Vulgata: Epistula Pauli ad Corinthios I

Der erste Brief des Paulus an die Korinther

1. Korintherbrief

1. Kor

1 Kor

1Kor

Ephe.
Die Epiſtel S. Pauli: An die Epheſer.

Biblia Vulgata: Epistula Pauli ad Ephesios

Der Brief des Paulus an die Epheser

Epheserbrief

Eph

Eph

Eph

1.Tim.
1.Thimoth.
Die erſte Epiſtel S. Pauli: An Timotheum.

Biblia Vulgata: Epistula Pauli ad Timotheum I

Der erste Brief des Paulus an Timotheus

1. Timotheusbrief

1. Tim

1 Tim

1Tim

Erläuterungen siehe →Liste der Abkürzungen und Namen biblischer Bücher

 
 

Worterklärungen: Übersicht

Die folgenden Begriffe aus dem Text 1Mos 2 werden hier erläutert.

Versnummer: Luthers Wort

2: rugete

3: heiliget

4: HERR

5: allerley

5: Bewme

5: zuuor

5: bawete

7: odem

7: Seele

8: Eden

8: gegen dem morgen

10: Heubtwaſſer

11: Piſon

11: fleuſſet

12: Heuila

13: Bedellion

13: Gihon

13: Morenland

14: Hidekel

14: Phrath

17: ſoltu

17: wirſtu

18: Gehülffen

20: jglichen

21: entſchlieff

21: Rieben

21: ſtet

22: Weib

Klick auf ein Wort führt zum Eintrag mit den Erklärungen.

Das vollständige Verzeichnis findet sich hier: →Das große Stilkunst.de–Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

 
Aus dem Stilkunst.de-Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

Worterklärungen: Seltene Namen, Wörter und Begriffe im Text

Vers

Luther-Deutsch

Deutsch   |   Erläuterungen

2

rugen
rugete
geruget

ruhen (Verb)

ausruhen,

von reger Tätigkeit erholsam entspannen

 

Substantiv: Ruge, die Ruhe

 

er rugete: er ruhte →1Mos 2,2; →2Mos 20,11

er hatte geruget: er hatte geruht →1Mos 2,3

 

→1Mos 4,7: lauern

 

Biſtu aber nicht from / So ruget die Sünde fur der thür

 

Luther benutzt rugen in 1Mos 4,7 im Sinne von still und ruhig, aber wachsam und aufmerksam daliegen, wie er in seinem Scholion erklärt.

 

Die Bedeutung ist somit lauern.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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3

heiligen

heiligen (Verb)

als göttlich vollkommen verehren

 

Ableitung aus dem Adjektiv heilig:

(In Abgrenzung zum Irdischen:) göttlich vollkommen und verehrungs­würdig.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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4

HERR

HERR, JHWH, Jahwe

Aussehen in unseren Frakturschriften:

HERR, HERR oder HERR

 

HERR im Alten Testament

 

hebräisch: יהוה (jhwh, das Tetragrammaton JHWH)

lateinisch (Biblia Sacra Vulgata): Dominus, Herr

 

Luthers Schreibweise HERR in Versalien (Großbuchstaben) folgt einer festen Regel. Sie weist darauf hin, dass im hebräischen Text an dieser Stelle das Tetragrammaton (das Vierfachzeichen) »JHWH« (hebr.: יהוה) steht. Es ist der unaussprechliche Name Gottes.

 

Satztechnisch bedingte Varianten

Um beim Satz der Lettern Platz in einer Zeile zu sparen, wodurch übermäßgiger Sperrdruck oder ungünstige Wortumbrüche vermieden werden, sind in der Lutherbibel von 1545 häufig auch die Varianten HERr oder HERrn zu finden. Dabei sind mindestens die ersten drei Zeichen in Versalien gesetzt, womit sie hinreichend von HErr unterscheidbar sind.

 

HERR HErr:

Der Ausdruck HERR HErr steht dann, wenn im hebräischen Text »JHWH Adonaj« zu lesen ist. (Siehe dazu auch den Artikel →HErr.)

 

Auch die umgekehrte Reihenfolge HErr HERR ist möglich (»Adonaj JHWH«).

 

→Hes 2,4b-5a

4bSo ſpricht der HErr HERR / 5aſie gehorchen oder laſſens /

 

Die neuen Lutherbibeln übersetzen diesen Ausdruck stets mit »Gott der HERR«.

 

Das Wissen um die Aussprache der vier Zeichen, die den Gottesnamen ausmachen, ist schon früh in der Geschichte verloren gegangen. Sie werden heute oft mit »Jahwe« (vokalisiert geschrieben יְהוָה nach der Aussprache des hebräischen Adonaj, Herr) oder »Jehova« (יְהוָֹה ebenfalls nach dem hebräischen Adonaj, Herr, jedoch unter Berücksichtigung aller Vokale) transkribiert, aber auch mit »Jewah« (ebenfalls יְהוָה aber nach dem hebräischen Schema, der Name, zu lesen) oder »Jehowih« (יְהוִה nach dem hebräischen Elohim, Gott/Götter).

 

Luther kannte die vokalisierten Varianten und die transkribierten Formen und war wohl besonders dem Wort »Jehova« zugeneigt. Es bezieht alle drei Vokale aus dem Wort Adonaj, das »Herr« bedeutet. Dennoch hatte er es vermieden in seiner Übersetzung »Jehova« zu verwenden. Stattdessen nutzte er wie die lateinischen Bibeln einen Wortersatz. Er setzte das deutsche Wort ein, das gemäß der jüdischen Tradition zu lesen sei, wenn im Text das Vierfachzeichen erscheint, machte es aber durch die besondere Satzweise in Großbuchstaben kenntlich: HERR.

 

Luthers Schreibweise hat sich bis heute in etlichen Bibelausgaben gehalten.

 

 

HERR im Neuen Testament

 

Im neuen Testament verwendet Luther die Schreibweise HERR in Versalien (Großbuchstaben) für Gott, den Vater, an Stellen, wo sich Zitate aus dem Alten Testament auf »JHWH« beziehen.

 

Wichtig:

Davon zu unterscheiden sind die Schreibweisen

→»HErr« und →»Herr«.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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5

allerley

allerlei (unbestimmtes Zahlwort)

 

Das »ei« am Wortende wird nach den Regeln des Luther-Deutsch zu »ey«.

 

→Ps 87,5

 

Man wird zu Zion ſagen / Das allerley Leute drinnen geborn werden

 

Man wird über Zion sagen, dass allerlei Leute darin geboren werden.

 

 

SK Rev 09.08.2017  

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5

Bawm
Bewme

Baum, der

Bäume, die

 

Die Umlaute aw und ew

 

Neben den Umlauten »au« (haus) und »eu« (freude) kennt das Luther-Deutsch die Schreibweisen mit dem Buchstaben »w«.

 

Der Buchstabe »w« enstand aus einem doppelten »v« (»vv« bzw. »uu«) und signalisiert das verstärkte Klangbild.

 

Der Umlaut aw in Bawm endet in einem w-artigen Abklang, der fast wie ein kurzgesprochenes »o« klingt, ähnlich Ba(u)-om.

 

Der Umlaut ew in Bewme endet in einem v-artigen Abklang, der ein »j« mitschwingen lässt, ähnlich Be(u)-jme.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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5

zuuor

zuvor (Adverb)

zeitlich vorhergehend, davor

 

→Ps 119,152

 

Zuuor weis ich aber

 

a) Zuvor weiß ich aber,

b) Ich weiß bereits,

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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5

bawen

bauen (Verb)

 

Umlaut aw

Die Zeichenfolge »aw« entspricht neben »au« (z. B. in haus) unserem heutigen Umlaut »au«.

 

→1Mos 2,5

 

vnd war kein Menſch der das Land bawete

 

es gab noch keinen Menschen, der das Land bebaute

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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7

odem
Odem

Odem, der

der Atem

 

Das Wort othem war eine geläufige Nebenform zu athem.

 

Luthers Nebenform Odem hat sich zu einer feierlichen Form des Begriffs Atem (othem) verselbstständigt, der oft mit göttlichem Atem gleichgesetzt wird, also Atem meint, der »Leben« impliziert und nicht nur »Atemluft« bedeutet.

 

→1Mos. 2,7

 

Er blies jm ein den lebendigen Odem in ſeine Naſen.

 

Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Atem (athem) ist neben Hauch und Luft im Umfeld der Seele und des Lebensgeistes angesiedelt. Da die Seele dem Menschen eingeblasen und wieder von ihm ausgeblasen wird, sind die Begriffe des Wehens, Hauchens, Blasens und Atmens mit der Vorstellung von einer Seele und dem Lebensgeist verbunden.

 

Luther verwendet die Nebenform Odem, um gegenüber dem einfachen Atem (Luft, die ein- und ausgeblasen wird) die grundlegende Lebenskraft zu beschreiben, die nötig ist, um den Menschen zu beleben. Sie wurde dem noch leblosen Körper des ersten Menschen von Gott eingeblasen und wird von da an vererbt und bei der Zeugung weitergegeben.

 

Dabei grenzt sich Odem eindeutig von Seele ab, die ursprünglich wohl auch eine Art Lebenskraft bezeichnet. Während aber Odem die grundlegende Fähigkeit zu leben, das Leben an sich bezeichnet, ist an Seele die Persönlichkeit, das »Ich« des Individuums gekoppelt. Neben Körper (die Materie), Geist (die Fähigkeit, zu denken und zu handeln) und Seele (das Individuum, das "Ich") ist Odem (das Leben) die vierte Komponente, die uns Menschen zu lebenden, handelnden Wesen mit eigener Persönlichkeit macht (1Mos 2,7).

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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7

Seele

Seele, die

Seele
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
602 504 29 69

hebräisch: נֶ֫פֶשׁ (nεfεš), eigtl.: Hauch, Atem

1) was ein Wesen lebendig macht: Seele

2) Sitze der Empfindungen: Gemüt, Herz

3) lebendiges Wesen (worin Leben ist), Lebender, Person

griechisch: ψυχή (psyche), eigtl.: das (irdische) Leben

1) die Seele

2) das Leben

3) lebendiges Wesen (worin Leben ist), Lebender, Person, lebender Mensch

lateinisch: anima

Atem, Hauch, Seele, Gemüt, Leben, Lebenskraft

Der Begriff Seele erstreckt sich über ein weites Feld von Bedeutungen, die alle im individuellen Sein eines lebendigen Wesens, speziell eines Menschen angesiedelt sind. Es reicht vom belebenden Atem über den Sitz der Emotionen, über Emotionen selbst, über Gemütszustände bis hin zu Lebenskraft und zu Leben an sich.

 

Seele grenzt immer lebende und empfindende Wesen von Gegenständen, toten Körpern und Verstorbenen ab, die alle diese Eigenschaften, also die Seele, entweder nicht besitzen oder verloren haben.

 

Das heutige Verständnis

 

Der Begriff der Seele ist religionsgeschichtlich in allen Kulturen vorhanden, aber mit sehr unterschiedlichen Vorstellungen verbunden. Heute gibt es viele Interpretationsversuche, die oft zur Erklärung und Abgrenzung verschiedene Seelen-Typen beschreiben, wie die Körper-Seele, die Frei-Seele, die Schatten-Seele u.a.

 

Allen gemein scheint nur zu sein, dass mit Seele eine individuelle »Lebenskraft« gemeint ist, die jedoch nicht näher greifbar ist. Sie belebt den Körper, wenn der Mensch aktiv und bewusst ist (Körper-Seele). Sie existiert vom Bewusstsein aber auch unabhängig, beispielsweise, wenn der Mensch schläft oder bewusstlos ist (Frei-Seele). Sie beinhaltet die Gedanken und Gefühle (Ich-Seele). Die Hauch-Seele ist eine Art ätherisches Fluidum, und eine spezielle Gabe des Höchstens Wesens (ein Beispiel ist der Odem, den Adam eingeblasen bekommt). Die Schatten-Seele ermöglicht es, im Schlaf in den Träumen zu reisen, ohne den schlafenden Körper mitzunehmen, usw.

 

Im christlichen Abendland ist die Idee einer Seele zwar selbstverständlich, der Gebrauch des Begriffs aber längst nicht einheitlich. Bis heute steht der Begriff Seele im Zentrum theologischer Untersuchungen und Diskussionen. So ist das hebräische Wort נֶ֫פֶשׁ (Seele) eines der am meisten untersuchten Wörter im Alten Testament, nicht zuletzt, um die Grundlagen zu schaffen für ein christlich religiöses Verständnis.

 

Die Frei-Seele entspricht in etwa dem christlichen Verständnis: Sie ist von Körper und Geist unabhängig (frei). Die Frei-Seele vertritt den ganzen Menschen mit all seinen persönlichen Eigenschaften, Fähigkeiten, Gedanken und Erinnerungen. Sie kann in Träumen, Trancen oder in Bewusstlosigkeit den Körper vorübergehend verlassen und eigenständig existieren (frei). Kehrt sie nicht zurück, stirbt der Mensch, doch die Frei-Seele überlebt, womit die Persönlichkeit des Menschen nach seinem Tod erhalten bleibt.

 

Damit grenzt sich der Begriff Seele von der Bedeutung Lebenskraft oder von Leben eindeutig ab. Während die Lebenskraft und das Leben mit dem Tod verloren gehen, existiert die Seele weiter. Um eine »lebendige Seele« zu werden (→1Mos 2,7), braucht es einen Körper (Materie), einen Geist (Denken und Handeln), eine Seele (das individuelle »Ich«) und das Leben an sich (das Luther Odem nennt).

 

Die Interpretation des Wortes Seele
in den biblischen Texten

 

Die heutigen, z. T. sehr weitgreifenden Interpretationen des Begriffs der Seele, die bemüht sind, das breite Wortspektrum in einem einzigen Bild zu vereinen, wie auch unser heutiges christliches Verständnis von Seele sind nur bedingt eine Basis für die Betrachtung der Bibelstellen, in denen das Wort Seele vorkommt. Hier können die Grundbedeutungen der hebräischen (AT) und griechischen (NT) Wörter nicht ausgeblendet werden.

 

Das Ergebnis wird sein, dass das Wort Seele sehr unterschiedliche Dinge, Eigenschaften und Zustände ausdrückt, die sich in unserer Vorstellungswelt, und damit in unserem Sprachgebrauch, nicht vereinen lassen.

 

Welche Bedeutung mit dem Begriff Seele in Luthers Übersetzungen verbunden ist, und welches heutige Wort den Sinn am besten ausdrückt, kann nur aus dem Kontext in der jeweiligen Bibelstelle erarbeitet werden.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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8

Eden

Eden (Name)

Der Garten Eden, das Paradies.

 

hebräisch: ‏גן עדן(Gan Eden), Garten Eden

griechisch: παράδεισος, das Paradies

lateinisch: paradisus, das Paradies

 

→1Mos 2

Der Bibeltext in 1Mos 2 zeichnet ein Bild von einem Lebensraum (Garten) für die ersten Menschen, in dem alles vorhanden ist, wächst und gedeiht, was Menschen benötigen. Das Paradies zeichnet sich jedoch nicht dadurch aus, dass der Mensch dafür nichts beitragen muss. Im Gegenteil: Er soll den Garten weiter bebauen, pflegen und seinen Zustand bewahren.

 

Allerdings scheint dies im Paradies mit ertragreichen Böden und Pflanzen leichter und einfacher zu sein als außerhalb: In →1Mos 3,17 wird dem Menschen als Strafe auferlegt, dass er nun, vertrieben aus dem Paradies, mit Kummer und im Schweiße seines Angesichts Ackerbau betreiben muss auf Böden, die nur wenig Ertrag bringen und auf denen Disteln und Dornen zuhauf wachsen.

 

Die biblischen Texte zeichnen leider nur ein schwach ausgeprägtes Bild vom Paradies, das im Laufe der Jahrhunderte vielfältig ausgekleidet und mit unterschiedlichsten Vorstellungen ausgemalt wurde. Die Kernstücke der Idee vom Paradies sind jedoch nicht die allgemein verbreiteten Vorstellungen von einem friedlichen, sorgenfreien Leben im Überfluss. Es sind die Ideen der Selbsterkenntnis und der Verantwortung: Der Mensch bekam einerseits den Auftrag, den Garten zu bebauen und zu bewahren, anderseits das Gebot, nicht in seiner Gier nach Macht gottgleich werden zu wollen und sich für klüger als andere zu halten.

 

Die vielbeschworenen paradiesischen Zustände wird die Menschheit erst dann vorfinden, wenn sie es schafft, mit einem gesunden Selbstbewusstsein – wir alle sind gleichgestellte, gleichberechtigte Menschen, nicht mehr und nicht weniger! – die Welt in der sie lebt, verantwortungsvoll zum Wohle aller und zum Wohle künftiger Generationen zu bebauen und zu bewahren. Alles andere, wie Glück, Sorglosigkeit und Frieden, wird sich dann daraus ergeben. Doch nichts fällt uns in den Schoß: Im Schweiße unseres Angesichts müssen wir daran arbeiten – und dafür eintreten!

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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8

gegen dem morgen

gegen den Morgen (Ausdruck)

nach Osten

Gegen (Präposition mit Akkusativ) bezeichnet räumlich die Ausrichtung auf etwas hin.

Der Dativ, den Luther für die Beschreibung des Ziels benutzt (»dem Morgen«), ist heute nicht mehr gebräuchlich.

 

Der Morgen steht für die Himmelsrichtung, in der die Sonne aufgeht: Osten.

 

Die heutigen Übersetzungsvarianten wären:

a) gegen den Morgen (veraltet)

b) gegen Osten

c) nach oder im Osten

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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10

Heubtwaſſer

Hauptwasser, das

Fluss, Strom, Hauptarm eines Flusses

 

→1Mos 2,10-14

 

VND es gieng aus von Eden ein Strom zu weſſern den Garten / vnd teilet ſich da ſelbs in vier Heubtwaſſer ...

 

Das Bild in 1Mos 2,10-14 (Die Paradies-Flüsse), geht davon aus, dass es eine Quelle gibt, die einen ungeheuer großen Strom speist, der sich in vier Hauptarme teilt, um die große Fläche des Garten Eden zu bewässern.

 

Die Identifikation dieser Quelle, des Stromes, sowie der vier Hauptflüsse, die in diesem Text genannt werden, ist jedoch umstritten, wenn auch Luther in seinem Scholion den Erkenntnisstand der Gelehrten seiner Zeit niederschrieb.

 

Das Bild, das die Autoren zeichnen, umfasst im Prinzip die damals gesamte bekannte Welt. Es meint womöglich nur, dass der »Garten Eden« das gesamte fruchtbare Land dieser Welt umfasste. Hier finden sich Pflanzen und Tiere im Überfluss. Das Land, das jenseits von Eden lag (→1Mos 4,16), war hingegen karge Steppe und Wüste, wo Disteln und Dornen wuchsen, wo es schwer war, zu jagen, Ackerbau zu betreiben und eine Viehherde zu ernähren. Die Vertreibung aus dem Paradies ist also nicht die Vertreibung aus der damals bekannten Welt, sondern vielmehr die Metapher für den Schritt, der Menschen veranlasste, die fruchtbaren Flussauen zu verlassen und die Steppenlandschaften und Wüsten als Lebensräume zu erobern.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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11

Piſon

Pison (Name eines Flusses)

der Fluss Pischon

 

Aus dem Scholion zu →1Mos 2,11

 

Luther: Jſt das groſſe waſſer in Jndia / das man Ganges heiſſet / denn Heuila iſt Jndienland.

 

Flavius Josephus, römisch-jüdischer Historiker des 1. Jahrhunderts, setzt den Fluss Pischon mit dem Ganges und das Land Hawila (Hewila) mit Indien gleich. Daher stammt wohl auch Luthers Interpretation. Jedoch sind andere Erklärungen bekannt, bis hin zu der Annahme, es handle sich um die Donau.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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11

flieſſen
fleuſſet
fleuſſt

fliessen (Verb)

fließen

 

Infinitiv: flieſſen

3. Person Singular Präsens: fleuſſet, fleuſſt

3. Person Plural Präsens: flieſſen

 

→1Mos 2,11

 

Das erſt heiſſt Piſon / das fleuſſet vmb das gantze Land Heuila

 

Der erste heißt Pischon. Er fließt um das ganze Land Hewila

 

→1Mos 2,13

 

Das ander waſſer heiſſt Gihon / das fleuſſt vmb das gantze Morenland.

 

Das zweite Strom heißt Gihon. Er fließt um das ganze Land Kusch

 

→Ps 119,136

 

Meine augen flieſſen mit waſſer / Das man dein Geſetz nicht helt.

 

Meine Augen sind voller Tränen, weil man dein Gesetz nicht hält.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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12

Heuila

Hewila (Name eines Landes)

das Land Hewila

 

Aus dem Scholion zu →1Mos 2,11:

 

Luther: (Piſon) Jſt das groſſe waſſer in Jndia / das man Ganges heiſſet / denn Heuila iſt Jndienland.

 

Flavius Josephus, römisch-jüdischer Historiker des 1. Jahrhunderts, setzt den Fluss Pischon mit dem Ganges und das Land Hawila (Hewila) mit Indien gleich. Daher stammt wohl auch Luthers Interpretation.

 

Jedoch sind andere Erklärungen bekannt. Das Land Hawila könnte Saba im heutigen Jemen meinen (wegen der im Text genannten Goldvorkommen), Arabien (wegen der Harze wie Bedellion), Syrien oder Äthiopien.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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13

Bedellion

Bedellion, das

Bedolachharz, das

auch Bdelliumharz, das (Bedellium, Bedellion).

hebräisch: בדלח‎ (bedolach)

 

Harz des Balsambaumes, das als Duftstoff zum Räuchern verwendet wurde. Importiert wurde es aus Indien, Süd-Arabien und Ost-Afrika.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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13

Gihon

Gihon (Name eines Flusses)

der Fluss Pischon

 

 

Aus dem Scholion zu →1Mos 2,13:

 

Luther: (Gihon) Jſt das waſſer in Egypten / das man Nilus heiſſt.

 

Flavius Josephus, römisch-jüdischer Historiker des 1. Jahrhunderts, setzt den Fluss Gihon mit dem Nil gleich. Daher stammt wohl auch Luthers Interpretation. Jedoch sind andere Erklärungen bekannt. Tatsächlich ist nicht klar, welcher heutige Fluss gemeint sein könnte.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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13

Morenland

Mohrenland, das (Gebietsname; veraltet)

 

das Land Kusch

das Land Nubien

das Land Äthiopien

eigentlich: Das Land, in dem die Mohren wohnen.

 

Der Begriff »Mohr« (Mor) meint ursprünglich den Bewohner Mauretaniens, (lat. Mauri), den Mauren, er wurde aber auch auf alle dunkelfarbigen Bewohner Nordafrikas übertragen und verwendet. So ist er die Bezeichnung für Maure, aber auch beispielsweise für Äthiopier.

 

Luther übersetzt das Land Kusch, Nubien, das sich südlich von Ägypten befand, und im griechisch-römischen Sprachraum Äthiopien genannt wurde, mit Morenland.

 

Empfehlung:

 

Dem Begriff Mohr haftet außerhalb seiner historischen oder literarischen Verwendung oft ein diskriminierender Charakter an. In der praktischen Gemeindearbeit lässt sich die literarische Verwendung kaum herausstellen. Um jedes Missverständnis auszuschließen, empfehlen wir, Luthers Worte Mor und Morenland in Textlesungen, Predigten, usw. nicht zu verwenden. Es kann stattdessen, je nach Intention des Vorhabens, als Landesbezeichnung Land Kusch (biblisch-historisch), Nubien (ägyptisch-historisch), Äthiopien (griechisch-römisch-historisch), nördliches Ostafrika, o. ä. verwendet werden.

 

→1Mos 2,13

 

Das ander waſſer heiſſt Gihon / das fleuſſt vmb das gantze Morenland.

 

Die Bezeichnung »Morenland« meint auch in 1Mos 2,13 nicht Mauretanien, sondern das Land Kusch (Nubien, Äthiopien), ggf. Arabien.

 

Der Fluss Gihon, der das gesamte »Morenland« umfließt, wird mit dem Nil gleichgesetzt.

 

→Apg 8,27

 

Vnd ſihe / ein Man aus Morenland ein Kemerer vnd gewaltiger der Königin Candakes in Morenland / welcher war vber alle jre Schatzkamer / der war komen gen Jeruſalem anzubeten

 

Und siehe: Ein Mann aus Athiophien, ein Kämmerer aus dem Führungsstaab der Kandake (das ist der Hoheitstitel der Königin Äthiopiens), der Herr über alle Schatzkammern der Königin, der war nach Jerusalem gekommen, um anzubeten

 

 

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14

Hidekel

Hidekel (Name eines Flusses)

Tigris, der

ein Fluss, nach Luther der Tigris

 

Aus dem Scholion zu →1Mos 2,14:

 

Luther: (Hidekel) Jſt das waſſer in Aſſyria / das man Tygris heiſſt.

 

Tatsächlich ist nicht klar, welcher heutige Fluss gemeint sein könnte.

 

 

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14

Phrath

Phrath (Name eines Flusses)

der Fluss Euphrat

 

Aus dem Scholion zu →1Mos 2,14

 

Luther: (Phrath) Aber iſt das neheſt waſſer in Syria / das man Euphrates heiſſt.

 

Heute ist allgemein anerkannt, dass es sich beim Fluss Phrath (oder: Perat) um den Euphrat handelt.

 

 

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17

ſoltu

sollst du (Verb)

2. Person Singular Indikativ Aktiv von sollen (Verb)

 

Präsens:

ſoltu: sollst du

 

Die Flexion mit dem angehängten »u« ist eine eigentümliche Form, die sonst nur noch aus älteren Texten bekannt ist und heute nicht mehr genutzt wird. Gebildet wurde sie aus der 2. Person, zusammengezogen mit dem Personalpronomen »du«, aus dem das »u« stammt. Diese Form impliziert eine gewisse Dringlichkeit und Direktheit der Ansprache, die unmittelbare Hinwendung zum Gegenüber. So kann es die unzweifelhafte Feststellung des Handelns, die dringliche Ansprache oder die unmittelbare Aufforderung zum Handeln bedeuten (Indikativ in der Aussage), die Erfüllung einfordern, mutmaßen bzw. unterstellen (Konjunktiv), oder zur Antwort und Erklärung auffordern (Verb in der Frage).

 

Heute ist stattdessen das Verb in seiner gebräuchlichen Flexion verbunden mit »du« zu verwenden. Die Direktheit oder eine Aufforderung kann bestenfalls durch eine Sinn tragende Beifügung umschrieben werden abhängig vom Kontext. Sie kann ggf. durch einen Imperativ herausgestellt oder durch ein Ausrufezeichen kenntlich gemacht werden.

 

ſoltu: du sollst (tunlichst, unbedingt)!

 

→Mt 6,5

 

Vnd wenn du beteſt / ſoltu nicht ſein wie die Heuchler ...

 

a) unterstrichen: Und wenn Du betest, sollst Du tunlichst nicht sein wie die Heuchler ...

b) umschrieben: Und wenn Du betest, darfst Du Dich keinesfalls wie die Heuchler verhalten ...

c) Imperativ: Und wenn Du betest, sei nicht wie die
Heuchler ... !

 

Anmerkungen zum Text in Mt 6,5:

 

Die lateinische Biblia Vulgata bietet in Mt 6,5 den Text:

et cum oratis non eritis sicut hypocritae

 

Das entscheidende Wort eritis (von: esse, sein) liegt vor in der 2. Person Plural Futur I Indikativ Aktiv. Die wörtliche Übersetzung hieße:

 

Und wenn ihr betet, werdet ihr nicht sein wie die Heuchler

 

1. Luther benutzt als Textglättung den Singular (»du« statt »ihr«), weil der vorangehende Abschnitt vom Almosengeben (→Mt 6,1-4) ebenfalls im Singular verfasst ist und den Einzelnen anspricht.

 

2. Das lateinische Konstrukt non eritis ist in diesem Zusammenhang nur als Aufforderung für künftiges Verhalten zu verstehen, nicht als Beschreibung eines künftig von allein eintretenden Zustands:

 

Und wenn ihr betet, seid nicht wie die Heuchler

 

Luther umschreibt Aufforderungen, göttlichen Geboten zu folgen, regelmäßig mit sollen. Aus dem wörtlich übersetzten »werdet ihr nicht sein« bzw. aus der Anpassung »seid nicht« wird bei ihm folgerichtig ſoltu nicht.

 

→2Mos 20,9

 

Sechs tage ſoltu erbeiten / vnd alle dein ding beſchicken.

 

a) umschrieben: Sechs Tage hast du zu arbeiten und deine Aufgaben zu erledigen.

b) Imperativ: Arbeite sechs Tage und erledige deine Aufgaben!

c) umgangssprachlich: Sechs Tage hast du Zeit, dein Ding zu machen.

 

 

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17

wirſtu

wirst du (Verb)

2. Person Singular Indikativ Aktiv von werden (Verb)

 

Präsens:

wirſtu: wirst du

 

Die Flexion mit dem angehängten »u« ist eine eigentümliche Form, die sonst nur noch aus älteren Texten bekannt ist und heute nicht mehr genutzt wird. Gebildet wurde sie aus der 2. Person, zusammengezogen mit dem Personalpronomen »du«, aus dem das »u« stammt. Diese Form impliziert eine gewisse Dringlichkeit und Direktheit der Ansprache, die unmittelbare Hinwendung zum Gegenüber. So kann es die unzweifelhafte Feststellung des Handelns, die dringliche Ansprache oder die unmittelbare Aufforderung zum Handeln bedeuten (Indikativ in der Aussage), die Erfüllung einfordern, mutmaßen bzw. unterstellen (Konjunktiv), oder zur Antwort und Erklärung auffordern (Verb in der Frage).

 

Heute ist stattdessen das Verb in seiner gebräuchlichen Flexion verbunden mit »du« zu verwenden. Die Direktheit oder eine Aufforderung kann bestenfalls durch eine Sinn tragende Beifügung umschrieben werden abhängig vom Kontext. Sie kann ggf. durch einen Imperativ herausgestellt oder durch ein Ausrufezeichen kenntlich gemacht werden.

 

wirſtu: wirst du (ganz bestimmt, ohne Zweifel) !

 

→Ps 8,6

 

Du wirſt jn laſſen eine kleine zeit von Gott verlaſſen ſein / Aber mit ehren vnd ſchmuck wirstu jn krönen.

 

Du wirst ihn kurze Zeit von Gott verlassen sein, doch dann krönst du ihn mit Ehren und Schmuck!

 

 

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18

Gehülffe

 

Gehülfe, der (veraltet)

Gehilfe, der

 

Das Wort, eigentlich maskulin (der), wird auch für den weiblichen Gehilfen in gleicher Weise (maskulin dekliniert; der) gebraucht. Die Unterscheidung ergibt sich erst durch die Konkretisierung der Person, so in 1Mos 2,18.20.

 

→1Mos 2,18

 

Es iſt nicht gut das der Menſch allein ſey / Jch wil jm ein Gehülffen machen / die vmb jn ſey.

 

a) Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei. Ich will ihm einen Gehilfen machen, die um ihn sei.

b) Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei. Ich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei.

 

→1Mos 2,20

 

Aber fur den Menſchen ward kein Gehülffe funden / die vmb jn were.

 

a) Aber für den Menschen wurde kein Gehilfe gefunden, die um ihn wäre.

b) Aber für den Menschen wurde keine Gehilfin gefunden, die um ihn wäre.

 

 

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20

jglicher

 

jgliche

 

jglichs

jeglicher, jegliche, jegliches (Pronomen)

veraltet für: jeder, jede, jedes

 

→Jes 28,25

 

.. ſo ſtrewet er Wicken / vnd wirfft Kümel / vnd ſeet Weitzen vnd Gerſten / jglichs wo ers hin haben wil /

 

...so streut er Wicken und wirft Kümmel und sät Weizen und Gerste, jegliches [dahin], wo er es hin haben will.

 

 

 

SK Rev 11.08.2017  

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21

entſchlafen
entſchlieff

entschlafen (Verb)

im eigentlichen Sinn, den auch Luther meint: einschlafen.

 

Die heute gebräuchlichere Verwendung, eines sanften Todes sterben, ist nicht gemeint.

 

 

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21

Riebe

Rippe, die

Knochen im Brustkorb.

 

→1Mos 2,21.22

 

Vnd nam ſeiner Rieben eine / vnd ſchlos die ſtet zu mit Fleiſch. 22Vnd Gott der HERR bawet ein Weib aus der Riebe

 

 

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21

Stet

 

Stete

Stätte, die

Stet, ſtet
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
102 84 11 6

Stete, ſtete
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
97 62 7 28

Stelle, Platz, Ort

 

Die heilige Stätte Gottes

 

→Ps 24,3

 

WER wird auff des HERRN Berg gehen? Vnd wer wird ſtehen an ſeiner heiligen Stete?

 

Wer wird auf den Berg des HERRN gehen? Und wer wird an seiner heiligen Stätte stehen?

 

 

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22

Weib

Weib, das

die (Ehe-) Frau

 

Hinweis:

 

Es ist zu beachten, dass Luther den zu seiner Zeit gängigen Begriff Weib nicht abschätzig oder abwertend benutzt. Im Gegenteil: Wenn auch die etymologische Herkunft des Begriffs umstritten und unklar ist, so bezeichnete er doch die erwachsene, verantwortlich handelnde Frau in gesellschaftlich angesehener Stellung, z. B. als Ehefrau.

 

In der deutschen Sprache hat der Begriff »Weib« im Laufe der Zeit eine geringschätzende Bedeutung erfahren und besitzt heute die Qualität einer Beleidigung, die u. U. strafrechtlich verfolgt werden kann. Der Begriff wird daher in modernen Übersetzungen nicht verwendet. Stattdessen wird i. d. R. das Wort »Frau« benutzt.

 

Die englische Sprache kennt noch heute geläufig das Wort »wife« (meist für »Ehefrau«), das etymologisch auf die selbe Wurzel zurückzuführen ist, neben dem Begriff »woman«, der allgemein für »Frau« steht.

 

Empfehlung:

 

Wir empfehlen wegen der geringschätzenden Qualitäten, die an diesem Begriff kleben, bei Interpretationen, bei Textauslegungen, in Predigten und auch bei Textlesungen aus alten Lutherbibeln den Begriff Weib nicht zu verwenden und durch Frau zu ersetzen.

 

 

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Erläuterungen siehe →Das große Stilkunst.de–Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

 

 

Erläuterungen zum Satz und zur Typografie des Bibeltextes

Der Text aus der Lutherbibel auf dieser Seite ist in Anlehnung an das Druckbild des Ori­gi­nals von 1545 wiedergegeben.

Den Seitenaufbau, die verwendeten Schriften, die Schreibregeln der Frakturschrift und Luthers In­ten­tio­nen, mit der Typografie Lesehilfen be­reit­zu­stel­len, erläutert dem interessierten Leser unser Artikel »Satz und Typografie der Lutherbibel von 1545«.

 

Der Bibeltext im evangelischen Kirchenjahr

LESUNG AUS DEM ALTEN TESTAMENT UND PREDIGTTEXT

→15. Sonntag nach Trinitatis 2017

1Mos 2,4b-9(10-14)15

AT
VI

 
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ICH bin der HERR / dein Gott.
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Vorrede auf das Alte Testament

→Vorrede auf das Alte Testament

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