Das 1. Buch Mose (Genesis) | Kapitel 4

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Die Geschichtsbücher des Alten Testaments

 

Biblia
 

Die gantze Heilige Schrifft Deudsch
D. Martin Luther, Wittenberg 1545

Die Geschichtsbücher des Alten Testaments

Das 1. Buch Mose
Genesis

Kapitel 4

 

1Mos 4

 

Der Text in 50 Kapiteln

 
Auswahl der Kapitel

Hinweis: Aus dem 1. Buch Mose (Genesis) sind derzeit nur 23 von 50 Kapiteln verfügbar!

 

Gliederung Kapitel 4

 

Nr.

Textstelle

Abschnitt | Link zum Text

Kapitel IIII.

 

 

1 - 11

 

I. DIE URGESCHICHTE

 

 

 

4,1-26

 

I.3 KAINS BRUDERMORD
UND DER STAMMBAUM DER KAINITEN

 

1

4,1-2

→Die ersten gezeugten Kinder: Kain und Abel

2

4,3-7

→Das Motiv des Brudermords im Opfer der beiden Brüder

3

4,8

→Der Brudermord

4

4,9-10

→Gottes Entsetzen über die Tat

5

4,11-16

→Das Urteil für Kain

6

4,17-22

→Kains Nachkommen

7

4,23-24

→Bericht über den zweiten Mordfall: Der Täter Lamech

8

4,25-26

→Weitere Kinder von Adam und Eva: Seth und Enosch

 

 

1Mos 4,3-4

 

Im folgenden Text sind die bezeichneten Verse hervorgehoben.

 

 

 

Das Erſte Bucĥ
Móẛe.

 

 
[2b]

 

IIII.

 

 

I.3
KAINS BRUDERMORD
UND DER STAMMBAUM DER KAINITEN

 

 

4,1-26

 

 

Die erſten gezeugten Kinder: Kain und Abel

KAIN.

Habel.

VND Adam erkandte ſein Weib Heua /

Vnd ſie ward ſchwanger / vnd gebar den Kain / vnd ſprach. Ich habe f den Man des HERRN. 2Vnd ſie fur fort / vnd gebar Habel →*1)ſeinen bruder / Vnd Habel ward ein Schefer / Kain aber ward ein Ackerman.

f

Ey Gott ſey ge­lobt / Da hab ich den HERRN den Man / den Sa­men / der dem Sa­tan oder Schlan­gen den Kopff zu­tret­ten ſol / Der wirds thun.

 

 

Das Motiv des Brudermords im Opfer der beiden Brüder

 

ES begab ſich aber nach etlichen tagen / das Kain dem HERRN Opffer bracht von den Früchten deſ feldes / 4Vnd Habel bracht auch von den Erſtlingen ſeiner Herde vnd von jrem fetten. Vnd der HERR ſahe gne

 

 
[2b | 3a]

 

 

I. Bucĥ     C. IIII.

III.

Adam.

 

 

Holzschnitt zum 1. Buch Mose, Kapitel 4: Kain und Abel

→Ebre. 11.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

KAIN

ſchlegt Ha­bel tod.

→1.Joh. 4.

 

 

 

 

 

 

diglich an Habel vnd ſein Opffer / 5Aber Kain vnd ſein Opffer ſähe er nicht gnediglich an / Da ergrimmet Kain ſeer vnd ſein geberde verſtellet ſich. 6Da ſprach der HERR zu Kain / Warumb ergrimmeſtu? vnd warumb verſtellet ſich dein Geberde? 7Iſts nicht alſo? Wenn du from biſt / ſo biſtu angeneme / Biſtu aber nicht from / So ruget die Sünde fur der g thür / Aber las du jr nicht jren willen / ſondern herrſche vber ſie.

 

Der Brudermord

8Da a redet Kain mit ſeinem bruder Habel.

VND es begab ſich / da ſie auff dem Felde waren / erhub ſich Kain wider ſeinen bruder Habel / vnd ſchlug jn tod.

 

Gottes Entſetzen über die Tat

9Da ſprach der HERR zu Kain / Wo iſt dein bruder Habel? Er aber ſprach / Ich weis nicht / Sol ich meines bruders Hüter ſein? 10Er aber ſprach / Was haſtu gethan? Die ſtim deineſ Bruders blut ſchreiet zu mir von der Erden /

g

(Thür)

Ebreiſch lautet Thür / ſo viel als das of­fen­ſte­het / oder auff­ge­than wird / Mar. vij. He­phe­thah / thu dich auff etc →*2) / vnd iſt die mei­nung / Die ſün­de ligt vnd ru­get / wie ein Ochſ­lin ligt vnd ru­get. Aber ſie ligt in der Thür / das iſt / Sie wird of­fen ſte­hen / oder of­fen­bar wer­den / ob der Sün­der wol ei­ne zeit lang ſi­cher da hin ge­het als ſchla­ffe die ſün­de oder ſey to­de?

a

(Redet mit Ha­bel)

Das iſt / Scham hal­ben muſt er ſich euſ­ſer­lich ſtel­len vnd re­den mit ſei­nem Bru­der / weil er ge­ſtrafft ward / Ob er wol im hertz­en jn zu töd­ten ge­dacht. Alſo iſt Ka­in al­ler Heuch­ler vnd fal­ſcher Hei­li­gen va­ter.

 

 

Das Urteil für Kain

 

11Vnd nu verflucht ſeiſtu auff der Erden / die jr maul hat auffgethan / vnd deines Bruders blut von deinen henden empfangen. 12Wenn du den Acker bawen wirſt / ſol er dir fort ſein vermügen nicht geben / Vnſtet vnd flüchtig ſoltu ſein auff Erden.

 

13KAin aber ſprach zu dem HERRN / Meine Sünde iſt gröſſer / denn das ſie mir vergeben werden müge. 14Sihe / Du treibeſt mich heute aus dem Lande / vnd mus mich fur deinem Angeſicht verbergen / vnd mus vnſtet vnd flüchtig ſein auff Erden / So wird mirs gehen / das mich todſchlage wer mich findet. 15Aber der HERR ſprach zu jm / Nein / Sondern wer Kain todſchlegt / das ſol ſiebenfeltig gerochen werden. Vnd der HERR macht ein Zeichen an Kain / das jn niemand erſchlüge / wer jn fünde. 16Alſo gieng Kain von dem Angeſicht des HERRN / vnd wonet im Lande Nod / jenſeid Eden gegen dem morgen.

 

 

Kains Nachkommen

KAINS

Geſchlecht.

VND Kain erkandte ſein Weib / die ward ſchwanger vnd gebar den Hanoch. Vnd er bawete eine Stad / die nennet er nach ſeins Sons namen / Hanoch. 18Hanoch aber zeugete Irad. Irad zeugete Mahuiael. Mahuiael zeugete Methuſael. Methuſael zeugete Lamech.

 

LAMEch

 

LAmech aber nam zwey Weiber / eine hies Ada / die ander Zilla. 20Vnd Ada gebar Jabal / Von dem ſind her komen die in Hütten woneten vnd vieh zogen / 21Vnd ſein Bruder hies Jubal / Von dem ſind herkomen die Geiger vnd Pfeiffer. 22Die Zilla aber gebar auch / nemlich / den Thubalkain den Meiſter in al-

 

 
[3a | 3b]

 

 

I. Bucĥ     C. IIII.

Adam.

 

 

lerley ertz vnd eiſenwerck / Vnd die Schweſter des Thubalkain / war Naema.

 

 

Bericht über den zweiten Mordfall: Der Täter Lamech

 

23VND Lamech ſprach zu ſeinen weibern Ada vnd Zilla / Ir weiber Lamech höret meine rede / vnd merckt was ich ſage. Ich hab einen Man erſchlagen mir zur wunden / vnd einen Jüngling mir zur beulen. 24Kain ſol ſieben mal gerochen werden / Aber Lamech ſieben vnd ſiebenzig mal.

 

 

Weitere Kinder von Adam und Eva: Seth und Enoſch

 

 

Seth.

Enos.

25Adam erkandte aber mal ſein weib / vnd ſie gebar einen Son den hies ſie Seth / Denn Gott hat mir (ſprach ſie) einen andern ſamen geſetzt fur Habel den Kain erwürget hat. 26Vnd Seth zeuget auch einen Son / vnd hies jn Enos / Zu derſelbigen zeit fieng man an zu predigen von des HERRN Namen.

 

 

 

 

 

 

(Fieng man an)

Nicht das zuuor nicht auch Got­tes Na­me we­re ge­pre­di­get / Son­dern nach dem durch Kains bos­heit der Got­tes­dienſt ge­fal­len war / ward er da­zu mal wi­der auff­ge­richt / vnd jr­gend ein Al­tar­lin ge­baw­et / da­hin ſie ver­ſam­le­ten / das Got­tes wort zu­hö­ren vnd zu­be­ten.

 

 

 

*1) Hinweis zur Schreibweise Habel:

Das H ist ein stimmloser Anlaut: (H)abel, was dann in der deutschen Aussprache »Abel« ergibt.

 

*2) Notiz in der Marginalspalte: Mar. vij. He­phe­thah / thu dich auff etc

Luther verweist auf →Mk 7,34 (33-35), wo Jesus das Wort He­phe­thah benutzt: vnd [Jheſus] ſahe auff gen Himel / ſeufftzet / vnd ſprach zu jm / Hephethath das iſt / thu dich auff.

In den griechischen Quellen zu Markus 7,34 befindet sich der Ausdruck εϕϕαθα als die ins Griechische transkribierte Form eines aramäischen Wortes, das Jesus wie eine Formel, wie einen magischen Spruch benutzt habe. Ursprung und Bedeutung des aramäischen Wortes sind unsicher.

 

Hinweis zur Abbildung in 1Mos 4: : Klicken Sie auf das Bild oben, um eine größere Ansicht zu erhalten.

Erläuterungen zur Abbildung in 1Mos 4

In das Kapitel 4 des 1. Buch Mose ist ein Holzschnitt eingebettet. Die Abbildung zeigt gleichzeitig mehrere Szenen aus Kapitel 4, die zeitlich nacheinander abgelaufen sind.

Zu sehen ist das Opfer der beiden Brüder, der Mord des Kain an seinem Bruder Abel und das Gespräch Gottes mit Kain nach dem Mord:

  • Im Vordergrund opfern die beiden Brüder Brandopfer von den Erträgen ihrer Arbeit.
  • Auf dem Altar des Abel liegt ein Lamm. Der Rauch steigt senkrecht in den Himmel als Symbol dafür, dass Gott dieses Opfer gnädig angenommen hat. Abel begleitet das Opfer kniend mit gefalteten Händen und erhobenem Kopf mit Blick Richtung Himmel.
  • Auf dem Altar des Kain brennen mächtige Garben aus Getreidehalmen, doch der Rauch steigt nicht auf. Er quillt über den Rand des Altars und kriecht über den Boden als Symbol dafür, dass dieses Opfer nicht gefällig war.
  • Kain betrachtet die Szene mürrisch und ungehalten. Seine Körpererhaltung mit dem gesenkten Kopf verrät den Unwillen darüber, dass Gott sein Opfer nicht annimmt, und den Zorn, der in ihm aufsteigt.
  • Am linken Bildrand erschlägt Kain auf dem Feld seinen Bruder Abel, der bereits am Boden liegt.
  • Rechts im Hintergrund spricht Gott aus den Wolken mit Kain, der um sein Leben fleht.
 
Aus dem Verzeichnis der Abkürzungen und Namen biblischer Bücher

Luthers Verweise auf biblische Bücher

 Kürzel

 Bezeichnung in Luthers Biblia 1545

 Moderne Bibel

 Kürzel

Gen.
Ge.
Gene.
Das erste Buch Moſe.
Geneſis.

Biblia Vulgata: Genesis

Das erste Buch Mose (Genesis)

Genesis

1. Buch Mose

1. Mose

Gen

1Mos

Marc.
Mar.

 

Euangelium S. Marcus.

Biblia Vulgata:
Evangelium secundum Marcum

Das Evangelium nach Markus

Markusevangelium

Mk

Mk

Mk

Ebre.
Die Epiſtel an die Ebreer.

Biblia Vulgata: Epistula Pauli ad Hebraeos

Der Brief an die Hebräer

Hebräerbrief

Hebr

Hebr

Hebr

1.Joh.
Die erste Epiſtel S. Johannis.

Biblia Vulgata: Epistula Iohannis I

Der erste Brief des Johannes

1. Jonannesbrief

1. Joh

1 Joh

1Joh

Erläuterungen siehe →Liste der Abkürzungen und Namen biblischer Bücher

 
 

Worterklärungen: Übersicht

Die folgenden Begriffe aus dem Text 1Mos 4 werden hier erläutert.

Versnummer: Luthers Wort

1: Adam

1: Heua

1: Kain

1: HERR

2: Habel

3: Opffer

7: rugen

 

Klick auf ein Wort führt zum Eintrag mit den Erklärungen.

Das vollständige Verzeichnis findet sich hier: →Das große Stilkunst.de–Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

 
Aus dem Stilkunst.de-Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

Worterklärungen: Seltene Namen, Wörter und Begriffe im Text

Vers

Luther-Deutsch

Deutsch   |   Erläuterungen

1

Adam

Adam (Name)

hebräisch: אָדָם‎, ādām (der Mensch)

griechisch: Αδαμ

lateinisch: Adam

 

Der Name leitet sich ab vom hebräischen Wort אֲדָמָה (ădāmāh, »Ackerboden«, »Erde«).

 

 

Luther erklärt den Namen in seinem Scholion
zu →1Mos 3,8b:

 

Adam heiſſt auf Ebreiſch Menſch / darumb mag man menſch ſagen / wo Adam ſtehet / vnd widerumb.

 

Adam ist Hebräisch und bedeutet »Mensch«. Deshalb kann man überall da, wo »Adam« im Text steht, auch »Mensch« sagen, und umgekehrt.

 

 

In der Schöpfungsgeschichte wurde der Mensch von Gott aus Lehm (Erdboden) geformt. Der fertigen Figur, dem Leib, wurde danach der »Lebenshauch« eingeblasen und der Mensch wurde ein lebendiges Wesen.

 

Das gleiche Motiv findet sich so auch in anderen Schöpfungsgeschichten, beispielsweise in denen der Sumerer und der Ägypter, die jeweils älter sind, als die biblische Schöpfungsgeschichte.

 

In der ägyptischen Mythologie formte der Gott Chnum auf einer Töpferscheibe aus Lehm eine Figur. In diese Figur füllte er schließlich das »Ka«, die »Lebenskraft«, und der erste Mensch war geschaffen.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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1

Heua

Hewa (Name)

Eva (Name)

hebräisch:  ‏חַוָּה (ḥawwāh oder cḥawwah, die Belebte)

griechisch: Εὕα

lateinisch: Hewa

 

Heua ist ist Luthers folgerichtige Transkription der hebräischen, griechischen und lateinischen Schreibweisen. Dabei ist das »u« das zu jener Zeit übliche Zeichen für das Klangbild unseres heutigen »v«.

 

Auszusprechen ist das Wort als He-wá (Betonung auf dem Buchstaben a) bzw. [H]E-va, nicht als Heu-a!

 

Heutige Schreib- und Sprechweise:

 

Eva (Name)

 

Der Name und seine Bedeutung

 

Der Name taucht in der Lutherbibel erstmals in →1Mos 3,20 auf:


VND Adam hies ſein Weib Heua / darumb / das ſie eine Mutter iſt aller Lebendigen.

 

Luther erklärt den Namen in seinem Scholion zu diesem Vers:

 

Hai / heiſſt Leben / Da her kompt Heua oder Haua / leben oder lebendige.

 

Hai (Ha-i) heißt »Leben«. Daher kommt Heva (He-va) oder Hava (Ha-va), »Leben« oder »Lebendige«.

 

Eva ist Zoë

 

Der Text in der griechischen Septuaginta schreibt, dass Adam sein Weib Ζωή (Zoë, »Leben«) nannte, denn sie sei die Mutter aller Lebendigen (ὅτι αὕτη μήτηρ πάντων των ζὡντων).

In 1Mos 4,1 heißt sie dann auch in der Septuaginta Εὕα (Heva, Eva).

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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1

Kain

Kain (Name)

hebräisch:: קין

lateinisch: Kain

griechisch: Καιν (Kain)

 

Der erste Sohn von Adam und Eva.

 

Kain war der erste Mensch, der durch Geburt zur Welt kam und auf diese Weise den Lebenshauch, das Leben, von Gott an Adam und Eva unmittelbar gespendet, durch Vererbung erlangte.

 

→1Mos 4,1

 

Über seine Geburt ist in 1Mos 4,1 dies vermerkt:

 

Eva gebar den Kain / vnd ſprach. Jch habe den Man des HERRN.

 

Luther erklärt dazu im Scholion, dass sich Eva über die Geburt Kains einerseits erstaunt und anderseits gefreut hatte.

 

Luther: Ey Gott ſey gelobt / Da hab ich den HERRN den Man / den Samen / der dem Satan oder Schlangen den Kopff zutretten ſol / Der wirds thun.

 

Dabei bezieht sich Luther nicht auf Kain als Person, sondern auf den Samen, auf die Nachkommen von Adam und Eva, auf die Kinder Gottes. Er deutet damit an, dass in dieser Nachkommenschaft Jesus steht, der der Schlange den Kopf zertreten wird (siehe dazu →1Mos 3,14f.).

 

 

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1

HERR

HERR, JHWH, Jahwe

Aussehen in unseren Frakturschriften:

HERR, HERR oder HERR

 

HERR im Alten Testament

 

hebräisch: יהוה (jhwh, das Tetragrammaton JHWH)

lateinisch (Biblia Sacra Vulgata): Dominus, Herr

 

Luthers Schreibweise HERR in Versalien (Großbuchstaben) folgt einer festen Regel. Sie weist darauf hin, dass im hebräischen Text an dieser Stelle das Tetragrammaton (das Vierfachzeichen) »JHWH« (hebr.: יהוה) steht. Es ist der unaussprechliche Name Gottes.

 

Satztechnisch bedingte Varianten

Um beim Satz der Lettern Platz in einer Zeile zu sparen, wodurch übermäßgiger Sperrdruck oder ungünstige Wortumbrüche vermieden werden, sind in der Lutherbibel von 1545 häufig auch die Varianten HERr oder HERrn zu finden. Dabei sind mindestens die ersten drei Zeichen in Versalien gesetzt, womit sie hinreichend von HErr unterscheidbar sind.

 

HERR HErr:

Der Ausdruck HERR HErr steht dann, wenn im hebräischen Text »JHWH Adonaj« zu lesen ist. (Siehe dazu auch den Artikel →HErr.)

 

Auch die umgekehrte Reihenfolge HErr HERR ist möglich (»Adonaj JHWH«).

 

→Hes 2,4b-5a

4bSo ſpricht der HErr HERR / 5aſie gehorchen oder laſſens /

 

Die neuen Lutherbibeln übersetzen diesen Ausdruck stets mit »Gott der HERR«.

 

Das Wissen um die Aussprache der vier Zeichen, die den Gottesnamen ausmachen, ist schon früh in der Geschichte verloren gegangen. Sie werden heute oft mit »Jahwe« (vokalisiert geschrieben יְהוָה nach der Aussprache des hebräischen Adonaj, Herr) oder »Jehova« (יְהוָֹה ebenfalls nach dem hebräischen Adonaj, Herr, jedoch unter Berücksichtigung aller Vokale) transkribiert, aber auch mit »Jewah« (ebenfalls יְהוָה aber nach dem hebräischen Schema, der Name, zu lesen) oder »Jehowih« (יְהוִה nach dem hebräischen Elohim, Gott/Götter).

 

Luther kannte die vokalisierten Varianten und die transkribierten Formen und war wohl besonders dem Wort »Jehova« zugeneigt. Es bezieht alle drei Vokale aus dem Wort Adonaj, das »Herr« bedeutet. Dennoch hatte er es vermieden in seiner Übersetzung »Jehova« zu verwenden. Stattdessen nutzte er wie die lateinischen Bibeln einen Wortersatz. Er setzte das deutsche Wort ein, das gemäß der jüdischen Tradition zu lesen sei, wenn im Text das Vierfachzeichen erscheint, machte es aber durch die besondere Satzweise in Großbuchstaben kenntlich: HERR.

 

Luthers Schreibweise hat sich bis heute in etlichen Bibelausgaben gehalten.

 

 

HERR im Neuen Testament

 

Im neuen Testament verwendet Luther die Schreibweise HERR in Versalien (Großbuchstaben) für Gott, den Vater, an Stellen, wo sich Zitate aus dem Alten Testament auf »JHWH« beziehen.

 

Wichtig:

Davon zu unterscheiden sind die Schreibweisen

→»HErr« und →»Herr«.

 

 

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2

Habel

Abel (Name)

hebräisch::‏הבל (Hevel, Atem, Hauch)

lateinisch: Abel

griechisch: Αβελ (Abel)

 

Heute ist in der deutschen Bibeln der Name Abel geläufig.

 

Abel war der zweite Sohn von Adam und Eva.

 

 

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3

Opffer

Opfer, das

Opfergabe, die

rituelle Opfergabe

 

→1Mos 4,3-4

 

Es begab ſich aber nach etlichen tagen / das Kain dem HERRN Opffer bracht von den Früchten deſ feldes /Vnd Habel bracht auch von den Erſtlingen ſeiner Herde vnd von jrem fetten.

 

 

Die beiden Brüder Kain und Abel sind die ersten Menschen, die Gott Opfergaben darbringen. Abel, der Schäfer war, opferte aus seiner Herde Erstlinge, erstgeborene Lämmer.

 

Erstlinge und Lämmer spielen von nun an eine besondere Rolle in der religiösen Praxis.

 

Das Motiv kehrt insbesondere wieder in der zehnten Plage Gottes für Ägypten, verbunden mit dem Pascha-Mahl: Alle Erstlinge in Ägypten waren dem Tode geweiht. Nur die Familien jener Hebräer blieben verschont, die als Ersatz ein erstgeborenes Lamm opferten und mit seinem Blut die Türschwellen und -einfassungen bestrichen.

 

Das Pascha-Fest wiederholt alljährlich in Erinnerung an den Auszug aus Ägypten dieses Opfermahl.

 

Die christliche Religion kennt Jesus als Erstling und Lamm Gottes (Agnus Dei), den Gott selbst als Ersatz für alle Opfer anbot, die die jüdische Religion vorschrieb, nun aber nicht mehr nötig sind. Insofern ist Jesus die christliche Entsprechung der Opfergabe Abels.

 

 

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7

rugen
rugete
geruget

ruhen (Verb)

ausruhen,

von reger Tätigkeit erholsam entspannen

 

Substantiv: Ruge, die Ruhe

 

er rugete: er ruhte →1Mos 2,2; →2Mos 20,11

er hatte geruget: er hatte geruht →1Mos 2,3

 

→1Mos 4,7: lauern

 

Biſtu aber nicht from / So ruget die Sünde fur der thür

 

Luther benutzt rugen in 1Mos 4,7 im Sinne von still und ruhig, aber wachsam und aufmerksam daliegen, wie er in seinem Scholion erklärt.

 

Die Bedeutung ist somit lauern.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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Erläuterungen siehe →Das große Stilkunst.de–Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

 

 

Erläuterungen zum Satz und zur Typografie des Bibeltextes

Der Text aus der Luther­bi­bel auf die­ser Sei­te ist in An­leh­nung an das Druck­bild des Ori­gi­nals von 1545 wie­der­ge­ge­ben.

Den Sei­ten­auf­bau, die ver­wen­de­ten Schrif­ten, die Schreib­re­geln der Frak­tur­schrift und Luthers In­ten­tio­nen, mit der Ty­po­gra­fie Le­se­hil­fen be­reit­zu­stel­len, er­läu­tert dem in­ter­es­sier­ten Le­ser un­ser Ar­ti­kel »Satz und Ty­po­gra­fie der Luther­bi­bel von 1545«.

 

Gedankenpausen

Kain und Abel

Der Brudermord

Gedanken über Gewalt und Gottes Schutz

Gewalt ist so alt wie Menschheit

Gewalt ist kein Zeichen unserer Zeit. Es gab sie schon immer. Sie ist so alt wie die Menschheit selbst. Gleich in den ersten Geschichten der Bibel geht es um Lug und Betrug, um Gier nach Macht und geheimen Wissen, um Neid, um Mord und Totschlag.

Dagegen kommt das Paradies recht knapp weg: Kaum eine Seite ist dieser Zeit gewidmet. Kaum eine Zeile, die uns erklärt, was sie denn eigentlich sind, die so oft erwähnten »paradiesischen« Zustände. Es bleibt der Fantasie überlassen, sich davon ein Bild zu machen. Märchen und Legenden ranken sich seit Jahrhunderten um dieses Thema, die Kunst hat es vielfältig aufgegriffen, das Sich-Sehnen danach kommt nicht zur Ruhe. Womöglich genau deshalb: Die Welt ist brutal, gewaltbereit und gewalttätig.

Bild zur Geschichte von Kain und Abel in Luthers Biblia 1545.

Abbildung: Bild zur Geschichte von Kain und Abel in Luthers Biblia 1545.
Der Holzschnitt zeigt mehrere Szenen gleichzeitig:
Im Vordergrund bringen die beiden Brüder ihr Opfer dar. Der aufsteigende Rauch von Abels Opfertisch, auf dem ein Lamm liegt, symbolisiert, dass dieses Opfer von Gott angenommen wurde. Von Kains Getreideopfer fließt der Rauch über den Altar zum Boden hinab.
Links im Bild erschlägt Kain seinen Bruder auf dem Feld.
Im Hintergrund rechts sehen wir Gott, der über Kain das Urteil spricht.

Der Hintergrund der Erzählung

Erzählt wird im 1. Buch Mose, Kapitel 4, die Geschichte Kains. Abel, sein Bruder, nimmt nur eine bescheidene Nebenrolle ein: die des Opfers. Völlig ohne Sprechtext. Die Kamera zeigt Abel nur kurz, wie er Opfergaben darbringt, die von Gott beachtet werden. Kains Opfergaben hingegen blieben von Gott unbeachtet. In der nächsten Einstellung fordert Kain seinen Bruder auf, mit ihm aufs Feld zu gehen. Kaum dort angekommen, erschlägt Kain seinen Bruder.

Den biblischen Autoren geht es sicher nicht darum, das Polizeiprotokoll eines Mordes wiederzugeben. Die Geschichte enthält für den Leser Informationen, die Rituale und Gesetze im religiösen und gesellschaftlichen Leben erklären.

Das Lamm – das wohlgefällige Opfertier

Abel war Schafhirt. Er opferte aus seiner Herde Erstlinge. Dieses Opfer gefiel Gott. Darin begründet sich das Opferritual der jüdischen Religion, in dem Schafe und Lämmer, insbesondere Erstlinge, eine besondere Rolle spielen.

Im »Agnus Dei« (»Lamm Gottes«) fand es als Symbol für die Auferstehung Jesu Christi Einzug in die christliche Religion. Als »Osterlamm«, gebacken als Brot, das in der Osterfeier zur Speiseweihe gebracht wurde, fand es Einzug ist das christliche Brauchtum.

Dies alles nur, weil Abels Opfergaben Gott gefielen.

Gewalt ist Ausdruck der Geisteshaltung

Die Geschichte erklärt den Zusammenhang zwischen Fühlen, Denken und Handeln: Kain wurde zornig und senkte seinen Blick, worauf er von Gott angesprochen wurde.:

»Warum bist Du zornig und schaust so düster drein? Wenn Du recht handelst, bist dann nicht freundlich? Wenn Du aber nicht recht handelst, ist dann nicht die Verführung an der Tür, wie ein lauerndes Tier, das nach Dir verlangt? Dann sollst Du ihr nicht ihren Willen lassen, sondern herrsche über sie!«

Neid war es, der Kain zornig werden lies. Zorn war es, der ihn Pläne schmieden lies. Die Verführung verlangte wie ein lauerndes Tier nach ihm, mit Taten seinen Zorn zu befriedigen. Kain missachtete das göttliche Gebot, eines der ersten, das den Menschen gegeben ist.

Es lautet (1Mos 4,7):

»Lass der Verführung nicht ihren Willen, sondern herrsche über sie!«

Oder kurz:

Beherrsche Dich!

Wir kennen solche Situationen doch zur genüge: Eine Emotion wird wach und an den Türen zu unserem Herzen und zu unserem Geist klopft die Breitschaft zur Gewalt. Sie kennt viele Formen. Sie findet Ausdruck in unserer Gestik, wie bei Kain, sie findet Ausdruck in unserer Sprache und in unseren Taten, wie bei Kain. Auch dann, wenn das ganze scheinbar harmlos ausgeht und nicht im Totschlag mündet, sind wir bereit, gewalttätig zu sein und andere zu Opfern unserer Haltung zu machen. Für unsere Opfer sind unsere Taten nie harmlos!

Die Lösung heißt nun nicht: Vermeide die Tat!, denn das ließe Wut und Zorn weiter in uns gären und ganz sicher nicht nur unsere Stimmung, sondern womöglich gar unseren Charakter verändern, sondern: Beherrsche Deine Emotionen! Beherrsche die Verführung, die nach Dir verlangt. Halte die Türen für das lauernde Tier verschlossen, damit es nicht von Dir Besitz ergreift.

Denke darüber nach, ob Dein Denken, Deine Meinung und Deine Ansichten andere zu Opfern werden lassen!

Ja, schwierig, aber machbar. Es braucht Übung. Übung in Nächstenliebe. Und genau das möchten uns die biblischen Geschichten vermitteln, auch am Beispiel des Brudermords.

Die grausame Erkenntnis

Kains Tat blieb nicht unentdeckt. Mit dramatischen Worten beschreibt Gott die Schwere der Tat – ein Mensch hat einen Menschen getötet:

»Was hast Du getan? Höre! Das Blut Deines Bruders schreit zu mir von der Erde!"«

Dies ist eine der Schlüsselszenen. Diesen Satz muss man »sehen« und »hören« mit all der Macht und Gewalt, mit der er gesprochen wurde, um ihn zu begreifen!

Ein Film-Regisseur würde diesen Satz mit dramatischen Hilfsmitteln transportieren, mit allem, was ihm die moderne Filmtechnik zugesteht. Es entstünde eine geradezu monumentale, alle Sinne strapazierende Szene: Die Entrüstung Gottes darüber, dass der Mensch sogar dazu fähig ist, seine eigenen Brüder, andere Menschen, zu töten, ist gewaltig und erschütternd! Sie geht jedem Leser, jedem Zuhörer, jedem Zuschauer durch Mark und Bein. Das Kino bebt! Auch damals schon, in alt-biblischen Zeiten, wenn es sich bei den Lesern und Hörern dieser Geschichte auch nur im Kopf abgespielt hatte.

Eine erschreckende Erkenntnis steht dahinter, die wir alle jeden Tag neu erfahren – nicht nur aus Zeitungen und Nachrichten, und die Fragen aufwirft wie: Was passiert da nur? Warum geschieht das? Was hat er nur getan?! Warum sind Menschen zu so etwas fähig?

Gerechtigkeit und die Todesstrafe

Es war kaltblütiger Mord, von langer Hand geplant und vorbereitet. Das Strafmaß jener Zeit für dieses Vergehen war eigentlich jedem Leser klar: die Todesstrafe. Doch nun passiert etwas Außergewöhnliches: Kain bekommt Lebenslänglich! Aber Gefängnisse gab es nicht. Also sind Verbannung, Armut und unstetes Leben in fremden Ländern die Strafen.

Kain soll leben! Gott geht noch weiter und stellt ihm eine Art Freibrief aus: Er macht ein »Zeichen« an ihm, damit ihn niemand totschlägt als vermeintlich Flüchtigen vor der Todesstrafe.

Das ältestes Zeugnis gegen die Todesstrafe

Dies ist – aus der biblischen Menschheitsgeschichte heraus betrachtet! – das älteste Zeugnis gegen die Todesstrafe. Nicht nur, dass Gott selbst sie nicht verhängt hat, auch kein anderes Gericht darf Kain zu Tode bringen: Wird Kain von Menschenhand getötet, soll dies siebenfach gerächt werden (→1Mos 4,15).

Das überrascht! Die Strafe für Richter und Henker, die den Mörder zu ihrem Opfer machen und hinrichten, fällt sehr viel härter aus, als für den Täter selbst!

Die Geschichte lässt deutlich Gottes Intention spüren: Es kam ihm nicht darauf an, Rache zu üben (und so selbst dem Tier zu erliegen, das an der Tür klopft!), sondern vor allem darauf, den Täter zu bestrafen.

Du sollst nicht töten

Das Urteil Gottes über Kain und die Androhung einer Strafe für die diejenigen, die ihn töten würden, enthält zwei wesentliche Aspekte:

Erstens ist die Todesstrafe keine Strafe, also zum Bestrafen einer Tat nicht geeignet.

Zweitens ist der Vollzug einer Todesstrafe härter zu bestrafen, als die zugrundeliegende Tat selbst.

Gott verurteilt hier eindeutig die juristisch sanktionierte Tötung von Menschen durch Menschen klar, entschieden und mit erstaunlicher Härte!

Das sind in jeder Diskussion über die Todesstrafe sehr wichtige Erkenntnisse. Erstaunlich ist, das diese Diskussionen bereits in alt-biblischen Zeiten mit derart großer Aufmerksamkeit geführt wurden. Denn sonst wäre der Brudermord in dieser Ausführlichkeit kein Thema in der Bibel geworden, schon gar nicht an einer so exponierten Stelle, gleich am Anfang der Bibel, gleich am Anfang der Menschheitsgeschichte.

Und auch im nächsten Fall von Mord oder Totschlag sieht es nicht anders aus: Es wird noch im Zusammenhang mit der Geschichte von Kain und Abel berichtet, dass auch Lamech mindestens zwei Menschen getötet hatte. Doch auch über ihn darf deswegen die Todesstrafe nicht verhängt werden (→1Mos 4,23-24).

Bis heute reißen die Diskussionen um die Todesstrafe nicht ab. In vielen Ländern gibt es die Todesstrafe noch, in etlichen Staaten wird sie praktiziert. Selbst in solchen, die sich den Menschenrechten verschrieben haben.

Das Recht zu leben, ist das wichtigste Menschenrecht. Die Todesstrafe steht dagegen, sie bestreitet dieses Menschenrecht, oder aber sie impliziert, dass verurteilte Täter nicht länger als Menschen zu betrachten sind.

Das Schicksal Kains

Gott jedenfalls bewahrt den Status von Kain als Menschen. Er muss zwar in Folge seiner Bestrafungen verarmt und unstet in fremden Ländern leben, aber er konnte heiraten, Kinder bekommen und sogar als Oberhaupt seiner Sippe fernab von allen anderen eine neue Siedlung gründen (→1Mos 4,16f.).

Wie es ihm dabei erging, wie er lebte und welche Mühen er auf sich nehmen musste, um sich und seine Angehörigen zu versorgen, darüber wird nichts berichtet. Die knappe Anmerkung, dass er nun »jenseits von Eden« lebte, jenseits des Paradieses, ist der Hinweis darauf, wie abgeschieden, wie einsam und wie karg sein Leben von da an gewesen sein muss.

Warum lässt Gott das zu?

Abel war der erste Mensch, der dieses Opfer, das Lamm, darbrachte. Interessant ist: Obwohl sein Opfer bei Gott Gefallen fand, zahlte Abel dafür mit dem Leben! Das ist ein Motiv, das wie kein anderes aufzeigt, dass Gott es zulässt, dass unschuldige Menschen leiden müssen und Opfer werden von Naturkatastrophen, Unfällen, Gewalttaten und Kriegen. Und zwar von Anbeginn aller Zeiten, wie diese Geschichte aus den Anfängen der Menschheit zu berichten weiß.

Doch lässt er es tatsächlich zu? Hält er sich ganz raus? Wohl nicht: Er stellt Kain zur Rede und klagt ihn an, dass er Schwach war und sich entgegen den Geboten Gottes nicht beherrschst hatte!

Was aber ist Gottes Anteil daran, dass wir nicht zu Opfern werden? Und wenn doch, wer ist denn wirklich dafür verantwortlich?

Wir alle sind Teil des Ganzen. Es gibt immer ein Gegenüber, einen anderen Menschen, die Natur und den Zufall. Selbst Jesus, Petrus und Paulus erlitten gewaltsame Tode.

In der Trauerarbeit haben wir sehr oft die Fragen gehört: Warum lässt Gott das zu? Wo war denn Gott und sein Schutz? Warum half er denn nicht?

Aus ihrer Trauer und aus ihrem Unmut heraus zweifeln dann viele Menschen und sprechen eine Art innere Kündigung gegen Gott aus. Sie kündigen ihren Bund mit Gott.

Die Antwort, die wir geben können, ist gar nicht leicht zu verstehen, gerade nicht von Menschen, die selbst oder bei Angehörigen und Bekannten hartes Leid erfahren haben und die auf irgendeine Weise Opfer wurden. Es ist aber auch für Nichtbetroffene nur schwer zu verstehen. Wir versuchen es trotzdem:

Es geht nicht darum, ob man Opfer wird, sondern darum, ob man andere zu Opfern macht! Das eine kann man oft kaum beeinflussen, das andere liegt vollständig in unserer Hand. Das ist der Unterschied.

Das jedenfalls lehren uns die Geschichten vom Tod des Abel, vom Tod Jesu, vom Tod des Petrus, vom Tod des Paulus und vieler anderer Menschen, die als Märtyrer in die Geschichte Einzug fanden. Das lehren uns aber auch die Berichte von Völkermorden aus aller Welt, aus Nazi-Deutschland, aus Krisengebieten und von Kriegen. Das lehren uns die Geschichten von alkoholisierten Autofahrern, die Unschuldige in den Tod reißen, die Geschichten von fanatischen Selbstmördern, die zufällig Anwesende morden, die Geschichten von Mördern und der regelmäßige Krimi im Fernsehen. Alle berichten immer und immer wieder das selbe, so weh es auch tun mag:

Es geht darum, niemanden zum Opfer zu machen. Selbst werden kann man es jederzeit!

Gebete, Opfergaben und Gottes Schutz

Abel starb nicht, weil ihm Gottes Schutz fehlte, sondern seinem Bruder Kain, der diesen Schutz für sich selbst, – Gottes Gebot, sich zu beherrschen! –, nicht annahm.

Die Nähe zu Gott schützt uns also nicht vor Leid und nicht vor dem Tod. Sie ist kein Schutzbrief für uns selbst. Sie stärkt uns aber im Leben. Sie bewahrt uns davor, anderen Leid zuzufügen. Sie hilft uns, in unserer Gesellschaft als Nächster, als Mitmensch zu überleben.

Sie beschützt uns davor, Mitmenschen zu Opfern zumachen.

Darauf kommt es an!

 

Der Bibeltext im evangelischen Kirchenjahr

In den Kirchenjahren ab 1978/1979 bis 2017/2018

LESUNG AUS DEM ALTEN TESTAMENT UND PREDIGTTEXT

→13. Sonntag nach Trinitatis

1Mos 4,1-16a

AT
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