Der Prophet Jesaja | Kapitel 59

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Die Prophetenbücher

 

Biblia
 

Die gantze Heilige Schrifft Deudsch
D. Martin Luther, Wittenberg 1545

Die Bücher der Propheten

Der Prophet Jesaja

Kapitel 59

Info

mit Worterklärungen
Luther-Deudſch | Deutsch

 

Jes 59

 

Der Text in 66 Kapiteln

 
Auswahl der Beiträge und Kapitel

 

Gliederung Kapitel 59

 

Nr.

Textstelle

Abschnitt | Link zum Text

Kapitel LIX.

 

 

56 - 66

 

DRITTER TEIL DES BUCHES JESAJA

 

 

 

56,1 - 60,22

 

XVI. DIE KÜNFTIGE HERRLICHKEIT ZIONS

 

1

59,1-21

→Gott überwindet die Sünde seines Volkes

 

 

 

 

Der Prophet Jeſáiá.

 

 
[30b]

 

LIX.

 

 

XVI.
DIE KÜNFTIGE HERRLICHKEIT ZIONS

 

 

56,1 - 60,22

 

 

Gott überwindet die Sünde ſeines Volkes

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

→Sup. 1.

 

 

 

 

 

 

 

→Pſal. 7.

SIhe / des HERRN Hand iſt nicht

kurtz / das er nicht helffen könne / vnd ſeine Ohren ſind nicht dicke worden / das er nicht höre. 2Sondern ewer Vntuget ſcheiden euch vnd ewern Gott von einander / vnd ewer ſunde verbergen das Angeſicht von euch / das jr nicht gehöret werdet. 3Denn ewer Hende ſind mit blut befleckt / vnd ewre Finger mit vntugent / Ewer Lippen reden falſches / ewr Zunge tichtet vnrechts. 4Es iſt niemand der von Gerechtigkeit predige / oder trewlich richte. Man vertrawet auffs eitel / vnd redet nichts tüchtiges / Mit vnglück ſind ſie ſchwanger / vnd geberen mühe.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(Richte)

Das iſt / le­re / Denn er re­det hie von fal­ſchen giff­ti­gen Le­rern.

 

5SIe brüten Baſiliſken eyer / vnd wircken Spinneweb. Iſſet man von jren

 

 

 
[30b | 31a]

 

 

Jeſáiá.     C. LIX

XXXI.

 

 

 

 

 

 

 

 

→Pro. 1.

→Rom. 3.

Eyern / ſo mus man ſterben / Zutrit mans aber / ſo feret ein Otter eraus. 6Ir Spinneweb taug nicht zu Kleidern / vnd jr Gewircke taug nicht zur Decke / Denn jr werck iſt mühe / vnd in jren Henden iſt freuel. 7Ire Füſſe lauffen zum Böſen / vnd ſind ſchnell vnſchüldig Blut zuuergieſſen. Ire gedancken ſind mühe / jr weg iſt eitel verterben vnd ſchaden. 8Sie kennen den weg des Friedes nicht / vnd iſt kein Recht in jren gengen. Sie ſind verkeret auff jren ſtraſſen / Wer drauff gehet / Der hat nimer keinen Friede.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Deut. 28.

DARumb iſt das Recht ferne von vns / vnd wir erlangen die Gerechtigkeit nicht. Wir harren auffs Liecht / Sihe / ſo wirds finſter / Auff den ſchein / Sihe / ſo wandeln wir im tunckeln. 10Wir tappen nach der wand / wie die Blinden / vnd tappen als die kein augen haben. Wir ſtoſſen vns im Mittage / als in der demmerunge / Wir ſind im düſtern / wie die Todten. 11Wir brummen alle wie die Beren / vnd echzen wie die Tauben / Denn wir harren auffs Recht / So iſts nicht da / Auffs Heil / So iſts ferne von vns.

 

 

12DEnn vnſer Vbertrettung fur Dir iſt zu viel / vnd vnſer ſunde antworten wider vns. Denn vnſer vbertrettung ſind bey vns / vnd wir fülen vnſer ſunde / 13mit vbertretten vnd liegen wider den HERRN / vnd zu rück keren von vnſerm Gott / vnd mit reden zum freuel vnd vngehorſam / trachten vnd tichten falſche wort aus dem hertzen. 14Darumb iſt auch das Recht zurück gewichen / vnd Gerechtigkeit ferne getreten / Denn die Warheit fellet auff der Gaſſen / vnd Recht kan nicht einher gehen. 15Vnd die Warheit iſt dahin / vnd wer vom böſen weichet / der mus jedermans Raub ſein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

→Ephe. 6.

→1. Theſſ. 5.

SOlches ſihet der HERR / vnd gefellet jm vbel / das kein Recht iſt. 16Vnd er ſihet / das niemand da iſt / vnd verwundert ſich / das niemand ſie vertrit. Darumb hilfft er jm ſelbs mit ſeinem Arm / vnd ſeine Gerechtigkeit erhelt jn. 17Denn er zeucht Gerechtigkeit an wie ein Pantzer / vnd ſetzt einen Helm des heils auff ſein Heubt / vnd zeucht ſich an zur Rache / vnd kleidet ſich mit Eyuer / wie mit eim Rock / 18Als der ſeinen Widerſachern vergelten / vnd ſeinen Feinden mit grim bezalen wil / Ja die Inſulen wil er bezalen. 19Das der Name des HERRN gefürchtet werde vom Nidergange / vnd ſeine Herrligkeit vom Auffgang der ſonnen / wenn er komen wird / wie ein auffgehalten Strom / den der wind des HERRN treibt.

 

20DEnn denen zu Zion wird ein Erlöſer komen / vnd denen die ſich bekeren von den ſunden in Jacob / ſpricht der HERR.21Vnd ich mache ſolchen Bund mit jnen / ſpricht der HERR / Mein Geiſt der bey dir iſt / vnd meine Wort / die ich in deinen Mund gelegt habe / ſollen von deinem munde nicht weichen / noch von dem munde deines Samens vnd Kinds kind (ſpricht der HERR) von nu an bis in ewigkeit.

 

 

 

 

 
Aus dem Verzeichnis der Abkürzungen und Namen biblischer Bücher

Luthers Verweise auf biblische Bücher

 Kürzel

 Bezeichnung in Luthers Biblia 1545

 Moderne Bibel

 Kürzel

Jeſa.
Jeſai.
Jſa.
Iſai.
Eſa.

 

Der Prophet Jeſaja.

Biblia Vulgata: Isaias

Der Prophet Jesaja

Das Buch Jesaja

Jes

Jes

Jes

Is

Deut.
Das fünfte Buch Moſe.
Deuteronomius.

Biblia Vulgata: Deuteronomium

Das fünfte Buch Moses (Deuteronomium)

Deuteronomium

5. Buch Mose

5. Mose

Dtn

5Mos

Pſal.
Der Pſalter.

Biblia Vulgata: Psalmi

Der Psalter

Die Psalmen

Das Buch der Psalmen

Ps

Ps

Ps

Eccl.
Eccle.
Der Prediger Salomo.
Prediger Salomonis.
Eccleſiaſes.

Biblia Vulgata: Libri salomonis: Ecclesiastes

Der Prediger Salomo (Kohelet)

Das Buch Kohelet

Prediger

Ecclesiastes

Prd

Koh

Prd

Rom.
Ro.
Epiſtel S. Paul an die Römer.

Biblia Vulgata: Epistula Pauli ad Romanos

Der Brief des Paulus an die Römer

Römerbrief

Röm

Röm

Rom

Ephe.
Die Epiſtel S. Pauli: An die Epheſer.

Biblia Vulgata: Epistula Pauli ad Ephesios

Der Brief des Paulus an die Epheser

Epheserbrief

Eph

Eph

Eph

1.The.
1.Theſ
1.Theſſ.
Die Erſte Epiſtel S. Pauli: An die Theſſalonicher.

Biblia Vulgata: Epistula Pauli ad Thessalonicenses I

Der erste Brief des Paulus an die Thessalonicher

1. Thessalonicherbrief

1. Thess

1 Thess

1Thess

Sup.

Latein: [vide] supra Kapitelnummer

»[Siehe] [weiter] oben, Kapitelnummer«oder
»[Siehe] oben, [im selben Buch] Kapitelnummer«.

Erläuterungen siehe →Liste der Abkürzungen und Namen biblischer Bücher

 
 

Worterklärungen: Übersicht

Die folgenden Begriffe aus dem Text Jes 59 werden hier erläutert.

Versnummer: Luthers Wort

5: Baſiliſken eyer

   

Klick auf ein Wort führt zum Eintrag mit den Erklärungen.

Das vollständige Verzeichnis findet sich hier: →Das große Stilkunst.de–Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

 
Aus dem Stilkunst.de-Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

Worterklärungen: Seltene Namen, Wörter und Begriffe im Text

Vers

Luther-Deutsch

Deutsch   |   Erläuterungen

5

Baſiliſk

 

Baſiliſke

Basilisk, der

Basiliske, die (veraltet)

Basilisk, Giftschlange, Natter, Otter, Viper u. a.

 

mhd: basiliske, m. [Schlange]

 

hebräisch: צֶפַע (ṣepa, Giftschlange) und צִפְעוֹנִי (ṣipwoniy, Giftschlange)

griechisch: βασιλισκος (basilískos, wörtl.: »Kleinkönig«), Basilisk, eine Schlangenart

lateinisch: basiliscus, Basilisk

 

Der hebräische Text benutzt Wörter, die offensichtlich eine besonders giftige Schlangenart benennen. Welches Tier gemeint ist und ob es überhaupt eine Schlange bezeichnet, bleibt unklar. Spekulationen dazu sind zahlreich veröffentlicht worden.

 

Der Basilisk

 

Der Basilisk ist ein antikes Fabelwesen, das im Mittelalter wieder neu auflebte, nicht zuletzt durch die Verwendung des Begriffs in den Übersetzungen Luthers.

 

Der Basilisk soll von einer Schlange (oder Kröte) aus einem dotterlosen Hühnerei ausgebrütet worden sein. Dargestellt wird das Wesen daher meist als Hahn mit dem Schwanz einer Schlange. Manchmal findet sich auf dem Kopf eine Krone, manchmal ist der Körper verformt und schrumplig wie der einer Kröte. In manchen Skulpturen des späten Mittelalters kommt der Basilisk einem Drachen nahe, der herrschend und drohend mit gespreizten Flügeln Eingänge bewacht. Die besondere Fähigkeit dieses Tieres soll in seinem tödlichen Blick verborgen sein, der dem Menschen Lebenskraft entziehen oder zu Versteinerung führen soll. Er könne mit seinem Atem Büsche und Sträucher in Brand setzen und Steine sprengen.

 

Baſiliſk
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
4* 4 0 0

 

* In diesem Artikel sind alle Fundstellen zitiert.

 

Verwendung

 

Das Wort kommt ausschließlich bei den Propheten Jesaja und Jeremia vor.

 

Luther benutzt die maskuline, aber auch die feminine Form.

 

Ein Blick auf die gegebenen Textstellen verdeutlicht, warum sich Luther für das Wort »Basilisk« für das unbekannte Tier entschieden hat, obwohl ihm die Bedeutung »giftige Schlange« bekannt war: Die Beschreibungen gehen weit über die Eigenschaften einer Schlange hinaus.

 

Moderne Übersetzungen wählen dennoch meist Schlan­gen­namen. Die Elberfelder Bibel sieht hier eher die Otter oder eine Viper, die Lutherbibel 2017 identifiziert das Tier als Natter. Dies alles sind Giftschlangen, die auch in Palästina bzw. im Vorderen Orient in den Zeiten der Propheten Jesaja und Jeremia bekannt waren.

 

Doch dies scheint zu einfach gelöst. Die Autoren der Prophetenbücher kannten Schlangen (siehe Jes 14,29 und Jer 8,17 unten). Vermutlich wählten sie Wörter für irreale Wesen, die auf einem regionalen mystischem Glauben ihrer Zeit basierten und dort etwas Böses vertraten. Die simplifizierte (aber nicht ganz passende) Interpretation als »Giftschlange« charakterisiert immerhin ihre Gefährlichkeit (durch ihr starkes Gift) sowie ihre religiös zu verstehende Listigkeit und dämonenhafte Art (angelegt in der Geschichte der Verführung im Paradies durch die Schlange, →1Mos 3,1-6).

 

Bei einer Interpretation der Textstellen wird gerade die dämonenhafte Gefährlichkeit dieser Wesen zu berücksichtigen sein, denn dieser Aspekt war den Autoren wichtig. Luther hat bereits implizit durch eine geschickte Wortwahl mit dem Begriff »Basilisk« darauf hingewiesen.

 

In neueren Übersetzungen geht Luthers Erkenntnis nicht nur verloren, sie zeigen die Autoren der alten hebräischen Texte auch als redaktionelle Stümper: Nattern, die fliegende Schlangen ausbrüten? Die Geschichte wird unglaubwürdig, weil der Versuch unternommen wurde, sie in eine reale Welt zu übertragen, was aber nicht vollständig gelingen kann. Beschrieben sind mystische Wesen in einem Umfeld, wo sie eine Rolle spielten.

 

 

→Jes 11,8

 

Vnd ein Seugling wird ſeine luſt haben am loch der Ottern / vnd ein Entweneter wird ſeine hand ſtecken in die hüle des Baſilisken.

 

a) Und ein Säugling wird seine Lust haben am Loch der Ottern, und ein Kleinkind wird seine Hand in die Höhle des Basilisken stecken.

b) Lutherbibel 2017: Und ein Säugling wird spielen am Loch der Otter, und ein kleines Kind wird seine Hand ausstecken [sic] zur Höhle der Natter.

 

 

→Jes 14,29

 

Denn aus der wurtzel der Schlangen wird eine Baſiliſke komen / vnd jre frucht wird ein fewriger fliegender Drache ſein.

 

a) Denn aus der Wurzel der Schlange wird eine Basiliske kommen, und ihre Frucht wird ein feuriger, fliegender Drache sein.

b) Lutherbibel 2017: Denn aus der Wurzel der Schlange wird eine giftige Natter kommen, und ihre Frucht wird eine fliegende Schlange sein.

 

Anmerkung:

Hier ist von einer weiblichen Basiliske die Rede, weil das Wesen seinerseits ein mystisches Wesen gebiert: den feuerspeienden, fliegenden Drachen.

 

 

→Jes 59,5

 

SIe brüten Baſiliſken eyer / vnd wircken Spinneweb. Iſſet man von jren Eyern / ſo mus man ſterben / Zutrit mans aber / ſo feret ein Otter eraus.

 

a) Sie brüten Basiliskeneier und wirken Spinngewebe. Isst man von ihren Eiern, so muss man sterben. Aber zertritt man eins, dann fährt eine Otter heraus.

b) Lutherbibel 2017: Sie brüten Natterneier und weben Spinnweben. Isst man von ihren Eiern, so muss man sterben. Zertritt man sie aber, so fährt eine Schlange heraus.

 

 

→Jer 8,17

 

Denn ſihe / Ich wil Schlangen vnd Baſiliſken vnter euch ſenden / die nicht beſchworen ſind / die ſollen euch ſtechen / ſpricht der HERR /

 

a) Denn siehe! Ich will Schlangen und Basilisken zu euch schicken, die nicht beschworen sind. Die sollen euch stechen, spricht der Herr.

b) Lutherbibel 2017: Denn siehe, ich will Schlangen und Nattern unter euch senden, die nicht zu beschwören sind; die sollen euch stechen, spricht der Herr.

 

 

 

SK Rev 27.01.2018  

→Register

Erläuterungen siehe →Das große Stilkunst.de–Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

 

 

Erläuterungen zum Satz und zur Typografie des Bibeltextes

Der Text aus der Luther­bi­bel auf die­ser Sei­te ist in An­leh­nung an das Druck­bild des Ori­gi­nals von 1545 wie­der­ge­ge­ben.

Den Sei­ten­auf­bau, die ver­wen­de­ten Schrif­ten, die Schreib­re­geln der Frak­tur­schrift und Luthers In­ten­tio­nen, mit der Ty­po­gra­fie Le­se­hil­fen be­reit­zu­stel­len, er­läu­tert dem in­ter­es­sier­ten Le­ser un­ser Ar­ti­kel »Satz und Ty­po­gra­fie der Luther­bi­bel von 1545«.

 
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