Der Prophet Jesaja | Kapitel 29

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Die Prophetenbücher

 

Biblia
 

Die gantze Heilige Schrifft Deudsch
D. Martin Luther, Wittenberg 1545

Die Bücher der Propheten

Der Prophet Jesaja

Kapitel 29

 

Jes 29

 

Der Text in 66 Kapiteln

 
Auswahl der Beiträge und Kapitel

Hinweis: Aus dem Buch des Propheten Jesaja sind derzeit nur 46 von 66 Kapiteln verfügbar!

 

Gliederung Kapitel 29

 

Nr.

Textstelle

Abschnitt | Link zum Text

Kapitel XXIX.

 

 

1 - 39

 

ERSTER TEIL DES BUCHES JESAJA

 

 

 

28,1 - 31,9

 

XI. DIE ASSYRISCHE KRISE
GOTTES GERICHTSDROHUNG ÜBER ASSUR

 

1

29,1-8

→Jerusalems Belagerung und Errettung

2

29,9-17

→Die Verblendung des Volkes

3

29,18-24

→Die große Wandlung

 

 

 

 

Der Prophet Jeſáia.

 

 
[17b]

 

XXIX.

 

 

Jeruſalems Belagerung und Errettung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

→Luc. 19.

 

 

 

 

 

 

 

 

Römer

WEh Ariel Ariel / du Stad des lagers

Dauids / Jr haltet Jarzeite vnd feiret Feſte. 2Aber ich wil den Ariel engſten / das er trawrig vnd jamerig ſey / vnd ſol mir ein rechter Ariel ſein. 3Denn ich wil dich belagern rings vmbher / vnd wil dich engſten mit Bolwerg / vnd wil Wallen vmb dich auffüren laſſen. 4Als denn ſoltu genidriget werden vnd aus der Erden reden / vnd aus dem ſtaube mit deiner Rede mummeln / Das deine ſtimme ſey / wie eins Zeuberers aus der Erden / vnd deine rede aus dem ſtaube wiſpele. 5Vnd die Menge die dich zuſtrewen werden ſo viel ſein / als ein dunner Staub / vnd die menge der Tyrannen / wie eine webende Sprew / vnd das ſol plötzlich bald geſchehen. 6Denn du wirſt vom HERRN Zebaoth heimgeſucht werden mit wetter vnd Erdbeben vnd groſſem Donner mit Windwürdel →*1) vnd vngewitter / vnd mit flammen des verzerenden fewers.

(Ariel)

Heiſ­ſet Got­tes Lewe. Al­ſo heiſ­ſen ſie die ſtad Je­ru­ſa­lem / vmb des wil­len / das ſie durch Gott mech­tig war. Aber nu ſol er Got­tes­le­we heiſ­ſen / wi­der wel­chen Gott ſtrei­ten wil.

 

Propheta minatur Romanis etc. →*2)

ABer wie ein Nachtgeſicht im Trawm / So ſol ſein die menge aller Heiden / ſo wider Ariel ſtreiten / ſampt alle jrem Heer vnd Bolwerg / vnd die jn engſten. 8Denn gleich wie einem Hungerigen trewmet / das er eſſe / wenn er aber auffwacht / ſo iſt ſeine Seele noch leer / Vnd wie einem Durſtigen trewmet / das er trincket / wenn er aber auffwachet / iſt er mat vnd durſtig. Alſo ſollen ſein die menge aller Heiden / die wider den berg Zion ſtreiten.

 

 

Die Verblendung des Volkes

 

ERſtarret vnd werdet verſtörtzt / Verblendet euch / vnd werdet truncken / doch nicht vom wein / Daumelt / doch nicht von ſtarckem getrencke. 10Denn der HERR hat euch einen Geiſt des harten Schlaffs eingeſchenckt / vnd ewer Augen zugethan / Ewer Propheten vnd Fürſten / ſampt den Sehern / hat er geblendet. 11Das euch aller (Propheten) Geſicht ſein werden / wie die wort eines verſiegelten Buchs / welchs / ſo mans gebe einem der leſen kan / vnd ſpreche Lieber lis das / Vnd er ſpreche / Jch kan nicht / denn es iſt verſiegelt. 12Oder gleich als wenn mans gebe dem der nicht leſen kan / vnd ſpreche / Lieber lis das / Vnd er ſpreche / Jch kan nicht leſen.

 

 

 

→Math. 15.

 

 

 

 

 

→1. Cor. 1.

13VND der HErr ſpricht / Darumb das dis Volck zu mir nahet mit ſeinem Munde / vnd mit ſeinen Lippen mich ehret / Aber jr Hertz ferne von mir iſt / vnd mich furchten nach Menſchengebot / die ſie leren / 14So wil ich auch mit dieſem Volck wünderlich vmbgehen / auffs wünderlichſt vnd ſeltzamſt / Das die weisheit ſeiner Weiſen vntergehe / vnd der verſtand ſeiner Klugen a verblendet werde.

a

(Verblendet)

Denn das wort des Creutzes macht ſie alle blind tol vnd töricht / Quod ex operib. legis nemo iuſtificatur. Item quod oportet mortificari et damnari ueterem hominem per uerbum ſpiritus, qui arguit mundum de peccato etc. Ioh. 16

→*3)

 

 

 

 

 

Iudaei errores ſuos et men­da­cia de­fen­dunt etc.

→*4)

15WEh / die verborgen ſein wollen fur dem HERRN / jr Furnemen zuuerhelen / vnd jr Thun im finſtern halten / vnd ſprechen / Wer ſihet vns? vnd wer kennet vns? 16Wie ſeid jr ſo verkeret? Gleich als wenn des Töpffers thon gedechte / vnd ein werck ſpreche von ſeinem Meiſter / Er hat mich nicht gemacht / Vnd ein Gemechte ſpreche von ſeinem Töpffer / Er kennet mich nicht. 17Wolan / es iſt noch vmb ein klein wenig zuthun / So ſol Libanon ein feld werden / Vnd das feld ſol ein wald gerechent werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Libanon iſt die ſtad Je­ru­ſa­lem / aus Li­ba­non ge­baw­et.

 

 

Die große Wandlung

 

DEnn zur ſelbigen zeit / werden die Tauben hören die wort des buchs vnd die augen der Blinden werden aus dem tunckel vnd finſternis ſehen.

 

 
[17a | 17b]

 

 

Der Prophet    C. XXIX.

 

 

19Vnd die Elenden werden wider freude haben am HERRN vnd die Armen vnter den Menſchen werden frölich ſein in dem Heiligen Jſrael. 20Wenn die Tyrannen ein ende haben / vnd mit den Spöttern aus ſein wird / vnd vertilget ſein werden alle die ſo wachen Mühe anzurichten / 21welche die Leute ſundigen machen durchs predigen / vnd ſtellen dem nach / der ſie ſtraffet im Thor / weichen durch lügen vom Gerechten.

 

 

 

 

 

 

 

(Mühe)

Das iſt / fal­ſche le­re vnd werck.

 

22DArumb ſpricht der HERR / der Abraham erlöſet hat / zum hauſe Jacob alſo / Jacob ſol nicht mehr zu ſchanden werden / vnd ſein Andlitz ſol ſich nicht mehr ſchemen. 23Denn wenn ſie ſehen werden jre Kinder / die werck meiner Hende / vnter jnen / werden ſie meinen Namen heiligen / vnd werden den Heiligen in Jacob heiligen / vnd den Gott Jſrael fürchten. 24Denn die ſo jrrigen Geiſt haben / werden verſtand annemen / vnd die Schwetzer werden ſich leren laſſen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schwetzer ſind die vn­nü­tzen Plau­de­rer / als die Schwer­mer ſo ei­tel Geiſt / geiſt / rhü­men.

 

 

 

*1) vermutlich ein Druckfehler: Windwürdel; Korrektur: Windwürbel.

 

*2) lat.: Propheta minatur Romanis etc.

dt.: »Die Propheten werden von den Römern gedrängt usw.«

Luther sieht in dem fremden Volk, das Jerusalem belagern und erobern, und schließlich Isarel zetreuen wird (Vers 5) die Römer. Während ihrer Herrschaft werden die Prophten geblendet sein (Vers 10) und im Sinne der Römer prophezeien.

 

*3) lat: Quod ex operib. legis nemo iustificatur. Item quod oportet mortificari et damnari veterem hominem per verbum spiritus, qui arguit mundum de peccato etc. Ioh. 16

dt.: »Niemand wird durch Werke und Gesetz gerecht. Stattdessen soll man verurteilen und töten den alten Menschen (in sich) durch das Wort des Geistes, der die Welt um der Sünde willen straft. Joh. 16«

Luther beziht sich auf →Joh 16,7-9:

Aber ich ſage euch die warheit / Es iſt euch gut / das ich hin gehe. Denn ſo ich nicht hin gehe / ſo kompt der Tröſter nicht zu euch. So ich aber gehe / wil ich jn zu euch ſenden. 8Vnd wenn der ſelbige kompt / der wird die Welt ſtraffen / vmb die Sünde / vmb die Gerechtigkeit / vnd vmb das Gerichte. 9Vmb die Sünde / das ſie nicht gleuben an mich.

 

*4) lat: Iudaei errores suos et mendacia defendunt etc.

dt.: »Die Juden haben ihre Irrtümer und sie verteidigen die falsche Lehre, usw.«

 

 

 
Aus dem Verzeichnis der Abkürzungen und Namen biblischer Bücher

Luthers Verweise auf biblische Bücher

 Kürzel

 Bezeichnung in Luthers Biblia 1545

 Moderne Bibel

 Kürzel

Jeſa.
Jeſai.
Jſa.
Iſai.
Eſa.

 

Der Prophet Jeſaja.

Biblia Vulgata: Isaias

Der Prophet Jesaja

Das Buch Jesaja

Jes

Jes

Jes

Is

Matth.
Matt.
Mat.
Math.
Euangelium S. Mattheus.

Biblia Vulgata:
Evangelium secundum Mattheum

Das Evangelium nach Matthäus

Matthäusevangelium

Mt

Mt

Mt

Luce.
Luc.
Euangelium S. Lucas.

Biblia Vulgata:
Evangelium secundum Lucam

Das Evangelium nach Lukas

Lukasevangelium

Lk

Lk

Lk

1.Cor.
1. Corin.
1. Corinth.
Die j. Epiſtel S. Paul an die Corinther.

Biblia Vulgata: Epistula Pauli ad Corinthios I

Der erste Brief des Paulus an die Korinther

1. Korintherbrief

1. Kor

1 Kor

1Kor

Erläuterungen siehe →Liste der Abkürzungen und Namen biblischer Bücher

 
 

Worterklärungen: Übersicht

Die folgenden Begriffe aus dem Text Jes 29 werden hier erläutert.

Versnummer: Luthers Wort

1: Ariel

1: Dauid

2: engſten

3: vmbher

4: ſoltu

4: mummeln

4: ſey

4: Zeuberers

4: wiſpeln

5: zurſtrewen

6: HERRN Zebaoth

6: Windwürbel

6: fewers

7: Heiden

8: trewmet

8: Seele

8: Zion

9: verſtörtzt

9: Daumelt

10: HERR

10: ewer

10: Propheten

10: Geſicht

13: HErr

14: vmbgehen

14: wünderlich

14: wünderlichſt

14: furnemen

15: zuuerhelen

16: Gemechte

18: tunckel

19: Jſrael

19: ſundigen machen

22: Abraham

22: Jacob

22: Andlitz

22: Heilgen

22: heiligen

  

Klick auf ein Wort führt zum Eintrag mit den Erklärungen.

Das vollständige Verzeichnis findet sich hier: →Das große Stilkunst.de–Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

 
Aus dem Stilkunst.de-Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

Worterklärungen: Seltene Namen, Wörter und Begriffe im Text

Vers

Luther-Deutsch

Deutsch   |   Erläuterungen

1

Ariel

Ariel (Name)

 

Ariel
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
9* 10 0 0

 

* In diesem Artikel sind alle Fundstellen zitiert.

 

a) männlicher Name (4Mos 26,17; Esra 8,16)

b) aus a) Namensgebung für einen Volkstamm (4Mos 26,17) und eine Stadt

c) als Bezeichnung für Jerusalem (Jes 29)

d) Oberteil des Altars im Tempel Jerusalems (Hes 43,15-16)

 

Ariel

 

hebräisch: ‎אריאל (Ariel)

 

a) Opferherd Gottes (Oberteil des Altars)

b) Löwe Gottes (streitbarer Engel)

 

 

4Mos 26,17

 

15DJE kinder Gad in jren geſchlechten waren / ... 17Ariel / daher das geſchlecht der Arieliter kompt.

 

Esra 8,16

 

Da ſandte ich hin Elieſer / Ariel / Semaja / Elnathan / Jarib / Elnathan / Nathan / Sacharja / vnd Meſullam die Oberſten /

→Jes 29,1 (2 mal)

 

WEh Ariel Ariel / du Stad des lagers Dauids

 

→Jes 29,2 (2 mal)

Aber ich wil den Ariel engſten / das er trawrig vnd jamerig ſey / vnd ſol mir ein rechter Ariel ſein.

 

→Jes 29,7

 

ABer wie ein Nachtgeſicht im Trawm / So ſol ſein die menge aller Heiden / ſo wider Ariel ſtreiten /

 

Hes 43,15

 

Vnd der Harel vier ellen hoch / vnd vom Ariel vberwerds vier Hörner /

 

Hes 43,16

 

Der Ariel aber war zwelff ellen lang / vnd zwelff ellen breit ins geuierde.

 

Luthers Erläuterung zu Jes 29,1:

 

(Ariel) Heiſ­ſet Got­tes Lewe. Al­ſo heiſ­ſen ſie die ſtad Je­ru­ſa­lem / vmb des wil­len / das ſie durch Gott mech­tig war. Aber nu ſol er Got­tes­le­we heiſ­ſen / wi­der wel­chen Gott ſtrei­ten wil.

 

Luthers Erläuterung zu Hes 43,15-16

 

Harel heiſſt Gottes berg / Ariel Gottes lewe / So nennet er das vber teil des Altars / darauff man opfferte.

 

 

 

SK Rev 10.08.2017  

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1

Dauid

David

hebräisch: דָּוִד (dͻwid) oder דָּוִיד (dͻwīd)

lateinisch: David

griechisch: Δαυιδ (David)

 

Zur Person Davids

 

Nach der biblischen Überlieferung war David König von Juda und nach Saul der zweite König Israels. Er lebte von etwa 1000 bis 961 v. Chr.

 

Genauere Lebensdaten sind unbekannt. Historisch kreisen um die Person Davids viele ungeklärte Fragen.

 

David war zunächst Musiker am Hof Sauls und wurde später Offizier in seinem Heer. Schließlich wurde er Sauls Nachfolger als König über Israel.

 

David in der Bibel

 

Die Geschichte Davids wird ausführlich erzählt in den beiden Samuel­büchern (1Sam, 2Sam), in 1Kön 1-2 und in 1Chr 11-29.

 

König David gilt als der Autor von 73 Psalmen. Siehe dazu die folgenden Artikel:

 

→Psalm Davids

→Gülden Kleinod Davids

→Unterweisung Davids

→Lied Davids

→Psalmlied Davids

→Gebet Davids

→Unschuld Davids

→Lob Davids

→Davids

 

 

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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2

engſten
geengſtet

ängsten (Verb)

veraltet für:

 

a) ängstigen, sich ängstigen,

b) verängstigen

 

ich werde geengſtet: ich werde verängstigt

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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3

vmbher

umher (Adverb)

ringsum, im Umkreis

 

Zusammengesetz aus vmb (→siehe dort) und her.

 

 

SK Rev 10.08.2017  

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4

ſoltu

sollst du (Verb)

2. Person Singular Indikativ Aktiv von sollen (Verb)

 

Präsens:

ſoltu: sollst du

 

Die Flexion mit dem angehängten »u« ist eine eigentümliche Form, die sonst nur noch aus älteren Texten bekannt ist und heute nicht mehr genutzt wird. Gebildet wurde sie aus der 2. Person, zusammengezogen mit dem Personalpronomen »du«, aus dem das »u« stammt. Diese Form impliziert eine gewisse Dringlichkeit und Direktheit der Ansprache, die unmittelbare Hinwendung zum Gegenüber. So kann es die unzweifelhafte Feststellung des Handelns, die dringliche Ansprache oder die unmittelbare Aufforderung zum Handeln bedeuten (Indikativ in der Aussage), die Erfüllung einfordern, mutmaßen bzw. unterstellen (Konjunktiv), oder zur Antwort und Erklärung auffordern (Verb in der Frage).

 

Heute ist stattdessen das Verb in seiner gebräuchlichen Flexion verbunden mit »du« zu verwenden. Die Direktheit oder eine Aufforderung kann bestenfalls durch eine Sinn tragende Beifügung umschrieben werden abhängig vom Kontext. Sie kann ggf. durch einen Imperativ herausgestellt oder durch ein Ausrufezeichen kenntlich gemacht werden.

 

ſoltu: du sollst (tunlichst, unbedingt)!

 

→Mt 6,5

 

Vnd wenn du beteſt / ſoltu nicht ſein wie die Heuchler ...

 

a) unterstrichen: Und wenn Du betest, sollst Du tunlichst nicht sein wie die Heuchler ...

b) umschrieben: Und wenn Du betest, darfst Du Dich keinesfalls wie die Heuchler verhalten ...

c) Imperativ: Und wenn Du betest, sei nicht wie die
Heuchler ... !

 

Anmerkungen zum Text in Mt 6,5:

 

Die lateinische Biblia Vulgata bietet in Mt 6,5 den Text:

et cum oratis non eritis sicut hypocritae

 

Das entscheidende Wort eritis (von: esse, sein) liegt vor in der 2. Person Plural Futur I Indikativ Aktiv. Die wörtliche Übersetzung hieße:

 

Und wenn ihr betet, werdet ihr nicht sein wie die Heuchler

 

1. Luther benutzt als Textglättung den Singular (»du« statt »ihr«), weil der vorangehende Abschnitt vom Almosengeben (→Mt 6,1-4) ebenfalls im Singular verfasst ist und den Einzelnen anspricht.

 

2. Das lateinische Konstrukt non eritis ist in diesem Zusammenhang nur als Aufforderung für künftiges Verhalten zu verstehen, nicht als Beschreibung eines künftig von allein eintretenden Zustands:

 

Und wenn ihr betet, seid nicht wie die Heuchler

 

Luther umschreibt Aufforderungen, göttlichen Geboten zu folgen, regelmäßig mit sollen. Aus dem wörtlich übersetzten »werdet ihr nicht sein« bzw. aus der Anpassung »seid nicht« wird bei ihm folgerichtig ſoltu nicht.

 

→2Mos 20,9

 

Sechs tage ſoltu erbeiten / vnd alle dein ding beſchicken.

 

a) umschrieben: Sechs Tage hast du zu arbeiten und deine Aufgaben zu erledigen.

b) Imperativ: Arbeite sechs Tage und erledige deine Aufgaben!

c) umgangssprachlich: Sechs Tage hast du Zeit, dein Ding zu machen.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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4

mummeln

mummeln (Verb)

Das Verb hat mehrere Bedeutungen, die fast alle heute veraltet sind.

Es drückt stets etwas Undeutliches oder Heimliches aus.

 

1) undeutlich reden, mit gedämpfter Stimme stammeln

2) heimlich reden, ein Gerücht verbreiten

3) kauen, jedoch malend wie ein zahnloser Mensch

4) verhüllen, einhüllen (sich vermummen)

 

Nur die letzte Bedeutung, sich heimelich einhüllen (z. B. in eine Decke auf einem Sofa) ist regional noch gebräuchlich.

 

 

→Jes 29,4

 

Als denn ſoltu genidriget werden vnd aus der Erden reden / vnd aus dem ſtaube mit deiner Rede mummeln / Das deine ſtimme ſey / wie eins Zeuberers aus der Erden / vnd deine rede aus dem ſtaube wiſpele.

 

Und dann wirst Du ganz bestimmt erniedrigt werden. Du wirst aus der Erde heraus reden, und aus dem Staub stammeln. Deine Stimme wird sein wie die eines Zauberers aus der Tiefe der Erde, und deine Rede wird sich wie Wispern im Staub anhören.

 

 

SK Rev 10.08.2017  

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4

ſey

er/sie/es sei (Verb)

von: sein (Verb)

 

Das »ei« am Wortende wird nach den Regeln des Luther-Deutsch zu »ey«.

 

→1Mos 1,6

 

Es werde eine Feſte zwiſchen den Waſſern / vnd die ſey ein Vnterſcheid zwiſchen den Waſſern.

 

Es werde ein Himmelsgewölbe zwischen den Gewässern, und das sei die Trennung zwischen den Gewässern.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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4

Zeuberer

 

Zeuberin

Zauberer, der

 

Zauberin, die

Jemand, der mit der Hilfe übernatürlicher Geister wunderbare, geheimnisvolle Dinge vollbringen kann.

Jemand, der →Zeuberey betreibt bzw.→zeubern kann.

 

 

 

→Jes 29,4

 

Das deine ſtimme ſey / wie eins Zeuberers aus der Erden /

 

Deine Stimme wird sein wie die eines Zauberers aus der Tiefe der Erde,

 

 

SK Rev 10.08.2017  

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4

wiſpeln

wispeln (Verb)

 

wispern (Verb)

wiſpeln
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
1* 1 0 0

 

* In diesem Artikel sind alle Fundstellen zitiert.

 

Die beiden noch heute gebräuchlichen Formen wispeln und wispern beschreiben gleichwertig eine Art von Geräuschen, verursacht von Tieren (Stimme, Atem), Pflanzen (Wind im Geäst und in den Blättern) und Menschen (Stimme).

In der Lutherbibel von 1545 gibt es nur die Form wispeln.

 

Solche Geräusche, die durch die menschliche Sprache verursacht werden, sind (u. a.):

 

a) zischen, pfeiffen, stottern;

b) leises, flüsterndes, kaum verständliches Sprechen (eines Einzelnen oder einer Gruppe)

 

→Jes 29,4

 

Als denn ſoltu genidriget werden vnd aus der Erden reden / vnd aus dem ſtaube mit deiner Rede mummeln / Das deine ſtimme ſey / wie eins Zeuberers aus der Erden / vnd deine rede aus dem ſtaube wiſpele.

 

Und dann wirst Du ganz bestimmt erniedrigt werden. Du wirst aus der Erde heraus reden, und aus dem Staub stammeln. Deine Stimme wird sein wie die eines Zauberers aus der Tiefe der Erde, und deine Rede wird sich wie Wispern im Staub anhören.

 

 

SK Rev 10.08.2017  

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5

zurſtrewen

 

zuſtrewen

zerstreuen (Verb)

a) streuen, auseinanderstreuen,

b) auseinandertreiben, auseinanderjagen,

c) etwas (zusammenhängendes) auflösen,

d) von etwas absondern, teilen

 

Luther verwendet ohne Unterscheidung
zurſtrewen, zuſtrewen und →zerſstrewen.

 

zuſtrewen

 

→Ps 141,7

 

Vnſer gebeine ſind zuſtrewet bis zur Helle

 

Unsere Gebeine sind zerstreut bis zum Reich der Toten.

 

Anmerkung zu Ps 141,7:

 

Luther folgt hier dem hebräischen und lateinischen Textvorlagen. Etliche moderne Übersetzungen, so auch Luther-1964 und Luther-1984, schreiben statt »Unsere Gebeine« nun »Ihre Gebeine« und stützen sich dabei auf ältere Übersetzungen.

 

Durch diese Textglättung erscheint die Aussage passend zu den in Vers 6 genannten »Lehrern«, die gestürzt werden müssten.

 

Jedoch ist zwischen den Versen 6 und 7 ein gedanklicher Absatz zu sehen, der einen Themenwechsel bedeutet. Das Thema der Lehrer ist in Vers 6 abgeschlossen.

 

In den Versen 6 bis 10 geht es nun um das Leiden und das Schicksal der Gerechten (zu denen sich der Autor des Psalms zählt), die immer wieder in die Stricke und Fallen der Übeltäter geraten.

 

Hintergrund des Bildes ist eine Kriegsszene: Die Soldaten Davids stürzen in Fallen und sterben im Kampf. Der Boden des Schlachtfelds ist aufgerissen und durchwühlt. Die toten Leiber und Knochen sind weit über die Erde verstreut, bis an den Rand der Welt, so scheint es, bis zum Beginn des Reichs der Toten. Die Schlacht endete für König David und sein Heer in einer Katastrophe, doch der nächste Angriff steht bevor.

 

Mit »Unsere Gebeine« schreibt David über seine Soldaten, die der gerechten Sache folgten, und doch in Fallen der üblen Feinde fielen. Nun bittet er Gott darum, ihn nicht zu verdammen, und darum, dass er ihn (und sein Heer) vor den Fallen der Feinde bewahren möge.

 

→Ps 92,10

 

deine Feinde werden vmbkomen / Vnd alle Vbelthetter müſſen zuſtrewet werden.

 

deine Feinde werden umkommen, und alle Übeltäter müssen zerstreut werden

 

→Apg 8,1

 

... vnd ſie zurſtreweten ſich alle in die lender Judea vnd Samaria ...

 

... und sie zerstreuten sich alle in die Länder Judäa und Samaria ...

 

 

SK Rev 10.08.2017  

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6

Zebaoth

HERR Zebaoth

Zebaot

 

HERR Zebaot

Das hebräische Wort Zebaot (צבאות) meint »Heere« oder »Heerscharen« und ist ein Attribut zum Gottesnamen JHWH (יהוה). Es beschreibt Gott entweder als denjenigen, der über der Armee seines Volkes steht, oder als Anführer einer Armee der Engel, als denjenigen, »der über den Cherubim thront« (2Sam 6,2; Jes 37,16).

 

HERR Zebaot

 

Martin Luther übersetzt JHWH Zebaot mit »HERR Zebaoth«, wobei die in Versalien gesetzte, deutsche Bezeichnung »HERR« angibt, dass sich dahinter das Tetragrammaton (das Vierfachzeichen) »JHWH«, der unaussprechliche Name Gottes, verbirgt.

 

Martin Luther belässt Zebaot unübersetzt und gibt dem Wort damit die Bedeutung eines Namensteils, ohne seinen Sinn aufzulösen oder zu werten. Hier steht Zebaoth wie ein Beiname, wie ein Ehrentitel und als Insignie seiner Macht. Diese Wiedergabe wurde in der Lutherbibel bis in die heutige Zeit beibehalten.

 

Andere moderne Übersetzungen schreiben beispielsweise »Herr der Heere« (Einheitsübersetzung), »Jehova der Heerscharen« (Neue-Welt-Übersetzung der Zeugen Jehovas), »Herr der Heerscharen« (Elberfelder Bibel) oder »Jahwe Zebaot «(Herder-Bibel, 1968).

 

 

SK Rev 10.08.2017  

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6

Windwirbel

 

Windwürbel

Windwirbel, der (veraltet)

Wirbelwind

Windhose

Sturm

Orkan

 

Luther benutzt beide Formen, sowohl Windwirbel wie auch Windwürbel.

 

Anm.: Die Schreibweise Windwürdel (mit "d" statt "b") in Jes 29,6 scheint ein Druckfehler zu sein und ist nach Windwürbel zu korrigieren.

 

 

→Jes 29,6

 

Mit Druckfehler Windwürdel:

 

Denn du wirſt vom HERRN Zebaoth heimgeſucht werden mit wetter vnd Erdbeben vnd groſſem Donner mit Windwürdel vnd vngewitter /

 

Dann wirst Du vom HERRN Zebaot heimgesucht werden mit (stürmischem) Wetter, mit Erdbeben, mit schwerem Donner, mit Wirbelwinden und Gewitter.

 

→Jes 40,24

 

In der Variante Windwirbel:

 

Das ſie / wo ein Wind vnter ſie wehet / verdorren / vnd ſie ein Windwirbel wie Stoppeln wegfüret.

 

→Mk 4,37

 

In der Variante Windwürbel:

 

Vnd es erhub ſich ein groſſer Windwürbel / vnd warff die Wellen in das ſchiff /

 

 

 

SK Rev 10.08.2017  

→Register

6

fewr

 

fewer

Feuer, das

 

Luther benutzt beide Schreibweisen, sowohl fewr wie auch fewer.

 

→Ps 21,10

 

Der HERR wird ſie verſchlingen in ſeinem zorn / Fewr wird ſie freſſen.

 

Der HERR wird sie verschlingen in seinem Zorn. Feuer wird sie fressen.

 

 

SK Rev 10.08.2017  

→Register

7

Heiden

Heiden, die

Heide, der

Heiden
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
684 412 120 152

Im Alten Testament nur im Plural gebräuchlich.

 

(eigtl. Völker). Im religiösen Sinn sind Heiden Menschen, die nicht an Gott glauben bzw. angehörige fremder Religionen.

 

Gemeint sind (allumfassend) Völker mit fremden Religionen und fremden Gotteskulten aus der Sicht des Sprechenden in Abgrenzung zum Volk Gottes.

 

Im Neuen Testament verwendet Luther das Wort auch im Singular:

 

→Mt 18, 17

 

Höret er die Gemeine nicht / So halt jn als einen Heiden vnd Zölner.

 

Hört er nicht auf die Gemeinde, dann halte ihn für einen Heiden und Zöllner.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

8

trewmen

träumen (Verb)

Das Verb träumen drückt sehr unterschiedliche Formen der Wahrnehmung aus. Hauptsächlich lässt sich unterscheiden

 

a) im Schlaf träumen

b) im geistig wachen Zustand träumen

 

→Jes 29,8

 

Denn gleich wie einem Hungerigen trewmet / das er eſſe /

 

Denn so, wie ein Hungriger träumen mag, dass er esse,

 

 

 

SK Rev 10.08.2017  

→Register

8

Seele

Seele, die

Seele
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
602 504 29 69

hebräisch: נֶ֫פֶשׁ (nεfεš), eigtl.: Hauch, Atem

1) was ein Wesen lebendig macht: Seele

2) Sitze der Empfindungen: Gemüt, Herz

3) lebendiges Wesen (worin Leben ist), Lebender, Person

griechisch: ψυχή (psyche), eigtl.: das (irdische) Leben

1) die Seele

2) das Leben

3) lebendiges Wesen (worin Leben ist), Lebender, Person, lebender Mensch

lateinisch: anima

Atem, Hauch, Seele, Gemüt, Leben, Lebenskraft

Der Begriff Seele erstreckt sich über ein weites Feld von Bedeutungen, die alle im individuellen Sein eines lebendigen Wesens, speziell eines Menschen angesiedelt sind. Es reicht vom belebenden Atem über den Sitz der Emotionen, über Emotionen selbst, über Gemütszustände bis hin zu Lebenskraft und zu Leben an sich.

 

Seele grenzt immer lebende und empfindende Wesen von Gegenständen, toten Körpern und Verstorbenen ab, die alle diese Eigenschaften, also die Seele, entweder nicht besitzen oder verloren haben.

 

Das heutige Verständnis

 

Der Begriff der Seele ist religionsgeschichtlich in allen Kulturen vorhanden, aber mit sehr unterschiedlichen Vorstellungen verbunden. Heute gibt es viele Interpretationsversuche, die oft zur Erklärung und Abgrenzung verschiedene Seelen-Typen beschreiben, wie die Körper-Seele, die Frei-Seele, die Schatten-Seele u.a.

 

Allen gemein scheint nur zu sein, dass mit Seele eine individuelle »Lebenskraft« gemeint ist, die jedoch nicht näher greifbar ist. Sie belebt den Körper, wenn der Mensch aktiv und bewusst ist (Körper-Seele). Sie existiert vom Bewusstsein aber auch unabhängig, beispielsweise, wenn der Mensch schläft oder bewusstlos ist (Frei-Seele). Sie beinhaltet die Gedanken und Gefühle (Ich-Seele). Die Hauch-Seele ist eine Art ätherisches Fluidum, und eine spezielle Gabe des Höchstens Wesens (ein Beispiel ist der Odem, den Adam eingeblasen bekommt). Die Schatten-Seele ermöglicht es, im Schlaf in den Träumen zu reisen, ohne den schlafenden Körper mitzunehmen, usw.

 

Im christlichen Abendland ist die Idee einer Seele zwar selbstverständlich, der Gebrauch des Begriffs aber längst nicht einheitlich. Bis heute steht der Begriff Seele im Zentrum theologischer Untersuchungen und Diskussionen. So ist das hebräische Wort נֶ֫פֶשׁ (Seele) eines der am meisten untersuchten Wörter im Alten Testament, nicht zuletzt, um die Grundlagen zu schaffen für ein christlich religiöses Verständnis.

 

Die Frei-Seele entspricht in etwa dem christlichen Verständnis: Sie ist von Körper und Geist unabhängig (frei). Die Frei-Seele vertritt den ganzen Menschen mit all seinen persönlichen Eigenschaften, Fähigkeiten, Gedanken und Erinnerungen. Sie kann in Träumen, Trancen oder in Bewusstlosigkeit den Körper vorübergehend verlassen und eigenständig existieren (frei). Kehrt sie nicht zurück, stirbt der Mensch, doch die Frei-Seele überlebt, womit die Persönlichkeit des Menschen nach seinem Tod erhalten bleibt.

 

Damit grenzt sich der Begriff Seele von der Bedeutung Lebenskraft oder von Leben eindeutig ab. Während die Lebenskraft und das Leben mit dem Tod verloren gehen, existiert die Seele weiter. Um eine »lebendige Seele« zu werden (→1Mos 2,7), braucht es einen Körper (Materie), einen Geist (Denken und Handeln), eine Seele (das individuelle »Ich«) und das Leben an sich (das Luther Odem nennt).

 

Die Interpretation des Wortes Seele
in den biblischen Texten

 

Die heutigen, z. T. sehr weitgreifenden Interpretationen des Begriffs der Seele, die bemüht sind, das breite Wortspektrum in einem einzigen Bild zu vereinen, wie auch unser heutiges christliches Verständnis von Seele sind nur bedingt eine Basis für die Betrachtung der Bibelstellen, in denen das Wort Seele vorkommt. Hier können die Grundbedeutungen der hebräischen (AT) und griechischen (NT) Wörter nicht ausgeblendet werden.

 

Das Ergebnis wird sein, dass das Wort Seele sehr unterschiedliche Dinge, Eigenschaften und Zustände ausdrückt, die sich in unserer Vorstellungswelt, und damit in unserem Sprachgebrauch, nicht vereinen lassen.

 

Welche Bedeutung mit dem Begriff Seele in Luthers Übersetzungen verbunden ist, und welches heutige Wort den Sinn am besten ausdrückt, kann nur aus dem Kontext in der jeweiligen Bibelstelle erarbeitet werden.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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8

Zion

 

berg Zion

 

berg Gottes

 

des HERRN Berg

 

der heilige Berg

Zion, der

Berg Zion, der

Der in der Bibel genannte Berg Zion ist der Tempelberg in Jerusalem. Er steht als Synonym für den Wohnsitz des Gottes JHWH.

 

König David eroberte Jerusalem sowie den Berg Zion südlich der Stadt (Südosthügel) mit der Burg Zion und machte Jerusalem zu seinem Königssitz. Salomo hatte das Stadtgebiet auf den angrenzenden Nordosthügel ausgeweitet, in dem er dort (wo sich heute der Felsendom befindet) einen Tempel errichtete. Der Name Zion bezeichnet nun diesen Hügel, den Tempelberg.

 

 

Karte: Lage des Tempelbergs in Jerusalem

 

Die Bezeichnung »Zion« ist allerdings in der Bibel unterschiedlich verwendet: In der am engsten gefassten Vorstellung bezeichnet Zion den Tempelberg. Das Wort kann aber auch für ganz Jerusalem, die heilige Stadt Jahwes, stehen. An einigen Stellen in den biblischen Texten können damit auch die Bewohner Jerusalems, bzw. das gesamte Volk oder alle Städte Judäas gemeint sein.

 

Der in Jerusalem heute sogenannte »Mount Zion«, südwestlich der alten Stadtmauer gelegen, erhielt diesem Namen, nachdem der kleine Berg im Mittelalter irrtümlich als Berg Zion identifiziert wurde. Neuere Forschungen bestätigen jedoch: Er ist nicht mit dem biblischen Berg Zion identisch. Der Berg behielt aber diesen offiziellen Namen.

 

Jerusalem, der Tempelberg und der Berg Zion
Creative Commons Attribution-ShareAlike

Abbildung: Jerusalem, der Tempelberg und der Berg Zion

Foto: 2015, © Sabrina | Reiner | www.stilkunst.de | Lizenz CC BY-SA

 

 

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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9

verſtörtzen

verstürzen (Verb; veraltet)

a) etwas zum Stürzen bringen, umstürzen

b) zu Fall bringen

c) einen Körperteil schädigen; beim Stürzen verdrehen, umknicken, auskugeln usw.

d) etwas verderben (besonders aus Hast und Eile)

e) bestürzt, konfus, verwirrt sein

 

verſtörtzt: adjektivisch gebrauchtes Partizip Präteritum: bestürzt

 

verſtörtzt
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
4* 2 0 2

 

* In diesem Artikel sind alle Fundstellen zitiert.

 

 

→Jes 29,9

 

ERſtarret vnd werdet verſtörtzt / Verblendet euch / vnd werdet truncken /

 

Erstarret und werdet bestürzt. Verblendet euch und werdet truncken.

 

VerweisJer 4,9

 

ZV der zeit / ſpricht der HERR / wird dem Könige vnd den Fürſten das hertz entfallen / Die Prieſter werden verſtörtzt / vnd die Propheten erſchrocken ſein.

 

→Mk 9,6

 

Er wuſte aber nicht was er redet / denn ſie waren verſtörtzt.

 

→Apg 2,6

 

Da nu dieſe ſtimme geſchach / kam die Menge zuſamen / vnd wurden verſtörtzt / Denn es höret ein jglicher / das ſie mit ſeiner Sprache redten.

 

SK Rev 10.08.2017  

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9

daumeln

taumeln (Verb)

a) sich mit Heftigkeit bewegen: springen, tanzen

b) sich wie im betäubten Zustand, im Rausch bewegen: schwanken, schwankend gehen, torkeln

 

 

→Jes 29,9

 

vnd werdet truncken / doch nicht vom wein / Daumelt / doch nicht von ſtarckem getrencke.

 

... und werdet truncken, doch nicht vom Wein. Taumelt, doch nicht vom starken Getränk.

 

 

SK Rev 11.08.2017  

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10

HERR

HERR, JHWH, Jahwe

Aussehen in unseren Frakturschriften:

HERR, HERR oder HERR

 

HERR im Alten Testament

 

hebräisch: יהוה (jhwh, das Tetragrammaton JHWH)

lateinisch (Biblia Sacra Vulgata): Dominus, Herr

 

Luthers Schreibweise HERR in Versalien (Großbuchstaben) folgt einer festen Regel. Sie weist darauf hin, dass im hebräischen Text an dieser Stelle das Tetragrammaton (das Vierfachzeichen) »JHWH« (hebr.: יהוה) steht. Es ist der unaussprechliche Name Gottes.

 

Satztechnisch bedingte Varianten

Um beim Satz der Lettern Platz in einer Zeile zu sparen, wodurch übermäßgiger Sperrdruck oder ungünstige Wortumbrüche vermieden werden, sind in der Lutherbibel von 1545 häufig auch die Varianten HERr oder HERrn zu finden. Dabei sind mindestens die ersten drei Zeichen in Versalien gesetzt, womit sie hinreichend von HErr unterscheidbar sind.

 

HERR HErr:

Der Ausdruck HERR HErr steht dann, wenn im hebräischen Text »JHWH Adonaj« zu lesen ist. (Siehe dazu auch den Artikel →HErr.)

 

Auch die umgekehrte Reihenfolge HErr HERR ist möglich (»Adonaj JHWH«).

 

→Hes 2,4b-5a

4bSo ſpricht der HErr HERR / 5aſie gehorchen oder laſſens /

 

Die neuen Lutherbibeln übersetzen diesen Ausdruck stets mit »Gott der HERR«.

 

Das Wissen um die Aussprache der vier Zeichen, die den Gottesnamen ausmachen, ist schon früh in der Geschichte verloren gegangen. Sie werden heute oft mit »Jahwe« (vokalisiert geschrieben יְהוָה nach der Aussprache des hebräischen Adonaj, Herr) oder »Jehova« (יְהוָֹה ebenfalls nach dem hebräischen Adonaj, Herr, jedoch unter Berücksichtigung aller Vokale) transkribiert, aber auch mit »Jewah« (ebenfalls יְהוָה aber nach dem hebräischen Schema, der Name, zu lesen) oder »Jehowih« (יְהוִה nach dem hebräischen Elohim, Gott/Götter).

 

Luther kannte die vokalisierten Varianten und die transkribierten Formen und war wohl besonders dem Wort »Jehova« zugeneigt. Es bezieht alle drei Vokale aus dem Wort Adonaj, das »Herr« bedeutet. Dennoch hatte er es vermieden in seiner Übersetzung »Jehova« zu verwenden. Stattdessen nutzte er wie die lateinischen Bibeln einen Wortersatz. Er setzte das deutsche Wort ein, das gemäß der jüdischen Tradition zu lesen sei, wenn im Text das Vierfachzeichen erscheint, machte es aber durch die besondere Satzweise in Großbuchstaben kenntlich: HERR.

 

Luthers Schreibweise hat sich bis heute in etlichen Bibelausgaben gehalten.

 

 

HERR im Neuen Testament

 

Im neuen Testament verwendet Luther die Schreibweise HERR in Versalien (Großbuchstaben) für Gott, den Vater, an Stellen, wo sich Zitate aus dem Alten Testament auf »JHWH« beziehen.

 

Wichtig:

Davon zu unterscheiden sind die Schreibweisen

→»HErr« und →»Herr«.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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10

ewer

euer (Possesivpronomen)

 

Kasus Deutsch Luther-Deutsch
Nominativ m euer ewer
  n euer ewer
  f eure ewre
  pl eure ewer / ewre
Genetiv m eures ewer / ewres
  n eures ewres
  f eurer ewrer
  pl eurer ewer /ewrer
Dativ m eurem ewrem
  n eurem ewrem
  f eurer ewrer
  pl euren ewren
Akkusativ m euren ewren
  n euer ewer
  f eure ewer
  pl eure ewer / ewre

 

Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Wort Gesamt AT Apokryphen NT
ewer 410 194 18 197
ewre 269 171 15 83
ewres 6 3 0 3
ewrer 3 2 0 1
ewrem 130 85 7 38
ewren 170 106 5 59

 

 

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10

Prophet

Prophet, der

lateinisch: propheta

griechisch: προφήτης

 

Ein Prophet ist ein Verkünder der Zukunft, der getrieben aus der Motivation eines heiligen Anspruchs Gottes Wort verkündigt und bezeugt.

 

→Röm 1,1.2

 

zu predigen das Euangelium Gottes / 2Welchs er zuuor verheiſſen hat / durch ſeine Propheten / in der heiligen Schrifft

 

zu predigen das Evangelium Gottes, welches er zuvor verheißen hat durch seine Propheten in der heiligen Schrift

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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10

Geſicht

Gesicht, das

Das Wort Gesicht umfasst zahlreiche Bedeutungen im Umfeld des Sehens, die wir hier nicht alle auflisten können.

 

Grundbedeutung: das Sehen

 

a) das Sehvermögen, die Sehkraft, der Blick, das Sehorgan, das Auge, die Augen

b) das Anschauen, der Anblick

c) das Antlitz, das Angesicht

d) das innere Sehen, der geistige Blick

e) das Hellsehen, das Sehen von ahnungsvollen Traumbildern im wachen Zustand, die Vision

u. a.

 

 

→Ps 89,20

 

Da zumal redeſtu im Geſichte zu deinem Heiligen

 

Damals redetest du in einer Visionen zu deinem Heiligen

 

→Ps 69,4

 

Jch habe mich müde geſchrien / mein Halſs iſt heiſch / Das Geſicht vergehet mir

 

Ich habe mich müde geschrien. Meine Stimme ist heiser. Mein Blick verschwimmt.

 

 

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13

HErr

HErr, Adonaj

HErr, Kyrios

Aussehen in unseren Frakturschriften: HErr oder HErr

 

Feststehende, besondere Schreibweise Luthers (zwei Großbuchstaben, gefolgt von zwei Kleinbuchstaben), um anzuzeigen, dass sich dahinter eine Bezeichnung Gottes (im Alten Testament) oder Jesu (im Neuen Testament) befindet.

 

HErr im Alten Testament

 

Luther verwendet im Alten Testament die Schreibweise HErr, wenn im hebräischen Text das Wort Adonaj (hebr. ‏אֲדֹנָי‎, pl. von Adon, Herr) anstelle des Gottesnamens steht.

 

HErr im Neuen Testament

 

Im Neuen Testament steht HErr dort, wo in den griechischen Quellen mit dem Wort kyrios (Herr, Besitzer, Gebieter) Jesus Christus als Sohn Gottes gemeint ist.

 

Wichtig:

Davon zu unterscheiden sind die Schreibweisen →»HERR« (in Groß­buch­staben) und →»Herr« (in Kleinbuchstaben bzw. mit Großbuchstaben »H« am Anfang.

 

 

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14

vmbgehen

umgehen (Verb)

1) um etwas herum gehen, umschreiten

1a) umhergehen

2) einen Menschen umgehen:

2a) ihn umwerben

2b) ihn meiden

3) etwas geht um

3a) z. B.: Seuchen, Krankheiten, Gerüchte: etwas verbreitet sich

3b) z. B.: ein Gespenst läuft herum

 

→Ps 40,5

 

Vnd ſich nicht wendet zu den Hoffertigen / vnd die mit Lügen vmbgehen.

 

a) Und sich nicht den Hochnäsigen zuwendet, die mit Lügen umherschreiten.

b) Und sich nicht den Hochnäsigen zuwendet, die mit Lügen daherkommen.

c) Und sich nicht den Hochnäsigen zuwendet, die Lügen verbreiten.

 

 

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14

wünderlich

wunderlich (Adjektiv, veraltet)

 

eigentlich: Verwunderung, Staunen erregen

 

Luther verwendet es zumeist in der Bedeutung:

 

verwunderlich, seltsam, sonderbar

 

 

→Jes 29,14

 

So wil ich auch mit dieſem Volck wünderlich vmbgehen / auffs wünderlichſt vnd ſeltzamſt /

 

So will ich auch mit diesem Volk verwunderlich umgehen, ja, auf das Sonderbarste und Seltsamste

 

 

 

SK Rev 10.08.2017  

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14

fürnemen

 

furnemen

fürnehmen (Verb, veraltet)

(sich) vornehmen

 

a) vor sich nehmen, vor Augen nehmen, ins Auge fassen

b) zur Tat nehmen, gebrauchen: sich vornehmen für eine Untersuchung, Prüfung, Erforschung usw.

c) sich vornehmen mit dem Willen zur Ausführung

d) zuvorkommend, hindernd, vorbeugende: vorauskommen

e) sich herausnehmen, sich Freiheiten erlauben, darauf bedacht sein

f) sich denken, sich vorstellen, sich einbilden

 

Hinweise:

 

a) Der Infinitiv wird auch substantiviert gebraucht: fürnemen, das Fürnehmen

b) Luther schreibt alle Formen (Verben und Substantive) ohne »h«: fürnemen

 

 

Scholion zu →Ps 119,113

 

Luther: Fladdergeiſter heiſſen hie die vnbeſtendigen Geiſter / die jmer etwas newes finden vnd fürnemen / Wie Ketzer pflegen zu thun

 

Das Wort →Flattergeister meint die unbeständigen Geister, die sich immer etwas Neues ausdenken und vornehmen, wie es die Ketzer zu tun pflegen.

 

→Jes 29,15

 

als substantivierter Infinitiv:

 

WEh / die verborgen ſein wollen fur dem HERRN / jr Furnemen zuuerhelen / vnd jr Thun im finſtern halten /

 

 

SK Rev 10.08.2017  

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15

verhelen

 

zuuerhelen

verhehlen (Verb)

 

zu verhehlen

etwas zurückhalten, jemandem etwas verschweigen, vorenthalten

 

→Jes 29,15

 

WEh / die verborgen ſein wollen fur dem HERRN / jr Furnemen zuuerhelen / vnd jr Thun im finſtern halten /

 

Wehe [denen], die verborgen sein wollen vor dem HERRN, die ihre Absichten verschweigen und ihr Tun im Finstern halten.

 

Anm: Die Zusammenziehung mit dem Präfix »zu-« führt nach den Regeln des Luther-Deutsch zur Wandlung des »v« in »verhelen« nach »u«.

 

 

SK Rev 10.08.2017  

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16

Gemecht

Gemächt, das

Wort mit vielerlei Bedeutung.

Allgemein ist es die substantivierte Form des Verbs machen.

 

→Ps 103,14

 

DEnn er kennet was für ein Gemecht wir ſind.

 

Bedeutung:

 

a) Er weiß, woraus wir gemacht sind.

a) Er weiß, von welchem Typ, von welchem Schlag wir sind.

c) Er kennt unseren Charakter.

Usw.

 

→Jes 29,16

 

Gleich als wenn des Töpffers thon gedechte / vnd ein werck ſpreche von ſeinem Meiſter / Er hat mich nicht gemacht / Vnd ein Gemechte ſpreche von ſeinem Töpffer / Er kennet mich nicht.

 

Als ob des Töpfers Ton sich für etwas halten könnte, als ob ein Werk über seinen Meister aussage: "Er hat mich nicht gemacht.", und ein Erzeugnis von seinem Töpfer behaupte: "Er kennt mich nicht.".

 

 

SK Rev 10.08.2017  

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18

Tunckel

Dunkel, das (veraltet)

 

Dunkelheit, die

Die Wörter »das Dunkel« und »die Dunkelheit« sind in der Bedeutung identisch.

 

Finsternis, Raum ohne Licht.

 

→Ps 97,2

 

Wolcken vnd Tunckel iſt vmb jn her

 

Wolken und Dunkelheit sind um ihn

 

→Jes 29,18

 

vnd die augen der Blinden werden aus dem tunckel vnd finſternis ſehen.

 

... und die Augen der Blinden werden aus der Dunkelheit und der Finsternis sehen.

 

 

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19

Jſrael

Israel (Name)

Jſrael
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
2810 2552 184 74
 

Dort, wo Israel als Name einer Person verwendet wird, ist Jakob gemeint, der von Gott den Namen Israel bekam.

 

Israel bezeichnet daneben das Volk Israel, die Israeliten, sowie das historische Land Israel. Der heutige Staat Israel trägt offiziell eben diesen Namen: Medinat Jisra'el. (מדינת ישראל).

 

Der Name Israel

 

hebräisch: יִשְׂרָאֵל (Jisra'el)

lateinisch: Israhel

griechisch: Ἰσραὴλ

 

Es gibt unterschiedliche Deutungen für diesen Namen. Fest steht, dass die Endung אל (el) »Gott« bedeutet.

 

Der vordere Teil wird allgemein auf die semitische Wurzel שרה (sarah) mit der Bedeutung »ringen, kämpfen« zurückgeführt. Es scheint auch möglich, dass sich die Wurzel שרר (sarar) in der Bedeutung »herrschen« dahinter verbirgt. Die deutschen Entsprechung wären in etwa »Gott ringt (mit uns)« bzw. »Gott möge mit uns ringen« oder »Gott herrscht« bzw. »Gott möge herrschen«.

 

Luther erklärt den Namen Israel im Scholion zu 1Mos 32,28:

 

Luther: Jſrael kompt von Sara / das heiſſet kempffen oder vberweldigen / Da her auch Sar ein Fürſt oder Herr / vnd Sara ein Fürſtin oder Fraw heiſſt / vnd Jſrael ein Fürſt oder Kempffer Gottes / das iſt / der mit Gott ringet vnd angewinnet. Welchs geſchicht durch den glauben der ſo feſt an Gottes wort helt / bis er Gottes zorn vberwindet / vnd Gott zu eigen erlanget zum gnedigen Vater.

 

Jakob wurde Israel

 

Nach seinem nächtlichen Kampf mit Gott (1Mos 32,24-30) erhielt Jakob den Namen Israel.

 

1Mos 32,27-28:

Er ſprach / Wie heiſſeſtu? Er antwortet / Jacob. Er ſprach / Du ſolt nicht mehr Jacob heiſſen / ſondern JſraEl / Denn du haſt mit Gott vnd mit Menſchen gekempfft / vnd biſt obgelegen.

 

 

Die zwölf Stämme Israels

 

Jakob heiratete nacheinander Lea und Rahel. Von ihnen und von deren Sklavinnen Bilhas und Silpas, die ihm nach der Sitte dieser Zeit als Nebenfrauen gehörten, hatte Jakob insgesamt zwölf Söhne:

 

Ruben, Simeon, Levi, Juda, Issachar, Sebulon,

Joseph, Benjamin, Dan, Naftali, Gad, Ascher.

 

Mit Ausnahme Josephs, dessen Söhne Efraim und Manasse namentlich in der Stammesliste vertreten sind, gaben diese Söhne den zwölf Stämmen Israels ihre Namen.

 

Das Volk Israel

 

Vom Auszug aus Ägypten bis zum Tod Salomos und dann wieder nach der Zerstörung Samarias im Jahr 722 v. Chr. bezeichnet der Name Israel alle Israeliten.

 

In der Zeit zwischen dem Tod Salomos und dem Jahr 722 v. Chr. hießen nur die zehn Nordstämme Israel, die sich unter Jerobeam von Salomos Sohn Rehabeam getrennt und das Nordreich Israel gebildet hatten. Das Südreich mit der Hauptstadt Jerusalem hieß Juda.

 

 

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19

ſündigen

 

ſundigen

sündigen (Verb)

eine religiöse Verfehlung (Sünde) begehen

 

Zu Luthers Zeiten wurde der Begriff ausschließlich im religiösen und im kirchlichen Kontext verwendet. Durch die Vielzahl religiöser und kirchlicher Vorschriften war der Begriff Sünde inhaltlich eindeutig geprägt. Die Ermahnung, nicht zu sündigen, beeinflusste viele alltägliche Verhaltensweisen.

 

→Ps 4,5

 

Zürnet jr / ſo ſündiget nicht / Redet mit ewrem hertzen auff ewrem Lager / vnd harret

Luther (zu »sündiget«): Bewegt euch etwas zu vnluſt.

 

Ps 4,5 bezieht sich auf die Geschichte von Kain und Abel (→1Mos 4,7), in der sich der erzürnte Kain von der Sünde überwältigen lässt, anstatt abzuwarten, um sie in Ruhe zu beherrschen.

 

→Jes 29,21

 

welche die Leute ſundigen machen durchs predigen /

 

... welche die Leute durch das Predigen verführen zu sündigen.

 

 

 

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22

Abraham

 

Abram

Abraham (Name)

 

Abram (Name)

Die Namen Abram und Abraham

 

Abram
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
64 64 0 0

Abram

 

hebräisch:‎ אַבְרָמ (Abrām), hoher Vater

griechisch: Άβρὰμ

lateinisch: Abram

 

Abraham
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
271 172 15 84

Abraham

 

hebräisch: ‏ אַבְרָהָם‎ (Abrāhām, Vater der vielen [Völker])

lateinisch: Abraham

griechisch: Άβραὰμ

 

Es handelt sich bei Abram und Abraham um die selbe Person. In 1Mos 11,27 - 25,10 wird die Geschichte Abrahams erzählt, der zunächst Abram hieß.

 

In 1Mos 17,5-6 bekommt Abram von Gott zum Zeichen des Bundes zwischen Gott und Abram den neuen Namen Abraham. Dort wird zugleich die Bedeutung des Namens begründet und erläutert:

 

5Darumb ſoltu nicht mehr Abram heiſſen / ſondern Abraham ſol dein name ſein / Denn Jch habe dich gemacht / vieler völcker Vater. 6Vnd wil dich faſt ſeer fruchtbar machen / vnd wil von dir Völcker machen / vnd ſollen auch Könige von dir komen.

 

Im zugehörigen Scholion erklärt Luther den Namen.

 

Luther: Abram Heiſſt hoher Vater. Abraham aber der Hauffen Vater wiewol die ſelben hauffen nur mit einem Buchstaben angezeigt werden in ſeinem namen / nicht on vrſach.

 

Luther: [Das hebräische Wort] Abram heißt »hoher Vater«. Abraham [heißt] aber »der Haufen Vater« [»Vater eines Haufens, Vater vieler«], obwohl die selben Haufen [die vielen] nur mit einem Buchstaben angezeigt werden, nicht ohne Grund. [Im Hebräischen ist der Unterschied nur ein Konsonant (Buchstabe »h«), im Deutschen sind es zwei Buchstaben, da wir auch das »a« schreiben.]

 

Zur Person Abrahams

 

Abram wurde im Gebiet von Ur in Kaldäa geboren (1Mos 11,26ff.), im heutigen Irak, wahrscheinlich zu Beginn des 2. Jahrtausends vor Christus. Er ist der Sohn Terachs, ein Semit, also ein Nachkomme Sems, des Sohnes Noahs.

 

Mit seinem Vater Terach und einem Teil seiner Familie ließ sich Abraham zunächst in Haran nieder, nahe der jetzigen syrisch-türkischen Grenze. Dort folgte er dem Ruf Gottes und zog nach Süden. Einige Zeit verbrachte er in Ägypten, das damals von semitischen Pharaonen, den Hyksos, beherrscht wurde. Dann wanderte er nach Kanaan, wo er in Mamre bei Hebron (heute Al-Khalil) sein Hauptlager aufschlug.

 

Materiell war Abraham ein Scheich, der eine riesige Viehherde besaß. Er war das Oberhaupt eines wohlhabenden Stammes und besaß viele Diener, Sklaven, wie damals üblich.

 

Nach seinem Tod wurde er nahe seinem Lagerplatz in Mamre in der Höhle von Machpela bestattet.

 

Abraham ist der Stammvater der Israeliten: Der Sohn seines Sohns Isaak, Abrahams Enkel, war Jakob, der später Israel hieß und durch seine Söhne der Vater der zwölf Stämme Israels wurde .

 

Ahnherr der monotheistischen Religionen

 

Durch den Bund mit Gott steht Abraham religiös am Beginn des Monotheismus, wie er sich als Religion in den zwölf Stämmen Israels etabliert hatte.

 

Für die Christen ist er der Ahnherr des Messias: Die Linie Jesu lässt sich auf Abraham zurückführen. Jesus ist im christlichen Glauben der »Samen Adams« (vgl. →1Mos 3,15; Luthers Scholion zu →1Mos 4,1) und der »Samen Abrahams«, den die alttestamentlichen Schriften immer wieder benennen.

 

Somit ist Abraham der geistige Vater all derer, die der Kirche Christi angehören. Doch dies gilt nicht nur für Christen. Auf ihn berufen sich die Anhänger der drei großen monotheistischen Religionen: Juden, Christen und Moslems.

 

 

SK Rev 10.08.2017  

→Register

22

Jacob

 

Jsrael

Jakob (Name)

 

Israel (Name)

Jacob
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
389 337 25 27
 

Dort, wo Israel als Name einer Person verwendet wird, ist Jakob gemeint, der von Gott den Namen Israel bekam.

 

Israel bezeichnet daneben das Volk Israel, die Israeliten, sowie das historische Land Israel. Der heutige Staat Israel trägt offiziell eben diesen Namen: Medinat Jisra'el. (מדינת ישראל).

 

Jakob ist der zweite Sohn von Isaak, der Zwillingsbruder von Esau, und Enkel von Abraham.

 

Er lebte mit seinen beiden Frauen und mit seinen Kindern in Haran.

 

Jakob bekam nach einem Kampf mit Gott von ihm den Namen Israel.

 

Seine Söhne sind die Namensgeber der zwölf Stämme, aus denen sich das Volk Israel gebildet hat.

 

Jakob, der nun Israel heißt, zieht in seinen späten Jahren nach Ägypten, wo er auch stirbt.

 

Der Name Jakob

 

hebräisch: ‏ יַעֲקֹב‎ (Ja'ākob, Jakob)

lateinisch: Iacob

griechisch: Ἰακὼβ

Für diesen Namen gibt es unterschiedliche Deutungen:

 

1) Die erste Deutung findet sich in 1Mos 25,24-26:

 

DA nu die zeit kam / das ſie [Rebekka, die Frau Isaaks] geberen ſolt / ſihe / da waren zwilling in jrem Leibe. Der erſt der eraus kam / war rötlicht / gantz rauch wie ein fell / Vnd ſie nenneten jn Eſau. Zu hand darnach kam er aus ſein Bruder / der hielt mit ſeiner Hand die ferſen des Eſau / Vnd hieſſen jn Jacob.

 

Der Name wird auf das hebräische Wort ‏עָקֵב‎ (Akew), Ferse, zurückgeführt, dessen Wurzel im hebräischen Namen Jakob stecke, wobei עָקוֹב (Akow) »die Ferse halten« bedeute, Jakob demnach »Fersenhalter« hieße.

 

2) Die zweite Deutung wird zurückgeführt auf das selbe hebräische Wort עָקוֹב (Akow), allerdings in der Bedeutung »betrügen«. Als Begründung wird dabei auf die bekannte Erzählung vom Tausch des Erstgeburtsrechts gegen ein Linsengericht verwiesen (1Mos 25,31ff.) und auf die Erzählung von der Täuschung des Isaaks, der ungewollt Jakob als Erstgeborenen segnet (1Mos 27,36).

 

Unsere Deutung:

Das hebräische Wort עָקוֹב (Akow) meint nicht nur »die Ferse halten« oder »betrügen«. Dies sind bereits abgeleitete Begriffe. Es meint ursprünglich und in erster Linie »hinter jemandem herschleichen« ( jemandem auf den Fersen sein, dies kann auch in betrügerischer, dunkler Absicht geschehen, daher »betrügen«).

 

Wir meinen, dass »hinter jemandem herschleichen« hinreichend aus 1Mos 25,26 verständlich ist: Damals waren anders als heute Zwillinge im Mutterleib nicht selbst­verständlich vor der Geburt zu erkennen. Bei der Geburt folgte zur Überraschung aller dem ersten Kind ein zweites.

 

Jakob schlich dem Esau geradezu hinterher als zunächst unentdeckter, heimlicher Verfolger. Er war ihm schließlich bei der Geburt im wahrsten Sinne des Wortes auf den Fersen. Jakob meint in diesem Zusammenhang dem­nach den Zwilling, der als Zweiter zur Welt kam.

 

Die Deutung Betrüger erscheint zum Zeitpunkt der Geburt und Namensgebung nicht haltbar und ist bestenfalls ein nettes Wortspiel, womöglich aus der Zeit nach Jakobs Tod.

 

Der Name Israel

 

hebräisch: יִשְׂרָאֵל (Jiṣra'el)

lateinisch: Israhel

griechisch: Ἰσραὴλ

 

Es gibt unterschiedliche Deutungen für diesen Namen. Fest steht, dass die Endung אל (el) »Gott« bedeutet.

 

Der vordere Teil wird allgemein auf die semitische Wurzel שרה (sarah) mit der Bedeutung »ringen, kämpfen« zurückgeführt. Es scheint auch möglich, dass sich die Wurzel שרר (sarar) in der Bedeutung »herrschen« dahinter verbirgt. Die deutschen Entsprechung wären in etwa »Gott ringt (mit uns)« bzw. »Gott möge mit uns ringen« oder »Gott herrscht« bzw. »Gott möge herrschen«.

 

Luther erklärt den Namen Israel im Scholion zu 1Mos 32,28:

 

Luther: Jſrael kompt von Sara / das heiſſet kempffen oder vberweldigen / Da her auch Sar ein Fürſt oder Herr / vnd Sara ein Fürſtin oder Fraw heiſſt / vnd Jſrael ein Fürſt oder Kempffer Gottes / das iſt / der mit Gott ringet vnd angewinnet. Welchs geſchicht durch den glauben der ſo feſt an Gottes wort helt / bis er Gottes zorn vberwindet / vnd Gott zu eigen erlanget zum gnedigen Vater.

 

Jakob wurde Israel

 

Nach seinem nächtlichen Kampf mit Gott (1Mos 32,24-30) erhielt Jakob den Namen Israel.

 

1Mos 32,27-28:

Er ſprach / Wie heiſſeſtu? Er antwortet / Jacob. Er ſprach / Du ſolt nicht mehr Jacob heiſſen / ſondern JſraEl / Denn du haſt mit Gott vnd mit Menſchen gekempfft / vnd biſt obgelegen.

 

 

Die zwölf Stämme Israels

 

Jakob heiratete nacheinander Lea und Rahel. Von ihnen und von deren Sklavinnen Bilhas und Silpas, die ihm nach der Sitte dieser Zeit als Nebenfrauen gehörten, hatte Jakob insgesamt zwölf Söhne:

 

Ruben, Simeon, Levi, Juda, Issachar, Sebulon,

Joseph, Benjamin, Dan, Naftali, Gad, Ascher.

 

Mit Ausnahme Josephs, dessen Söhne Efraim und Manasse namentlich in der Stammesliste vertreten sind, gaben diese Söhne den zwölf Stämmen Israels ihre Namen.

 

 

SK Rev 08.08.2017  

→Register

22

andlitz
Andlitz

Antlitz, das

Gesicht, Angesicht

 

→Ps 4,7

 

Aber HERR erhebe vber vns das Liecht deines andlitzs.

 

Luther: (Liecht des andlitzs) Jſt freundlich vnd gnedigs anſehen.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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22

Heilige

Heilige, der

jemand, der religiöse Tugenden (göttlich vollkommen) lebt und daher verehrungswürdig ist.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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22

heiligen

heiligen (Verb)

als göttlich vollkommen verehren

 

Ableitung aus dem Adjektiv heilig:

(In Abgrenzung zum Irdischen:) göttlich vollkommen und verehrungs­würdig.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

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Erläuterungen siehe →Das große Stilkunst.de–Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

 

 

Erläuterungen zum Satz und zur Typografie des Bibeltextes

Der Text aus der Lutherbibel auf dieser Seite ist in Anlehnung an das Druckbild des Ori­gi­nals von 1545 wiedergegeben.

Den Seitenaufbau, die verwendeten Schriften, die Schreibregeln der Frakturschrift und Luthers In­ten­tio­nen, mit der Typografie Lesehilfen be­reit­zu­stel­len, erläutert dem interessierten Leser unser Artikel »Satz und Typografie der Lutherbibel von 1545«.

 

Der Bibeltext im evangelischen Kirchenjahr

LESUNG AUS DEM ALTEN TESTAMENT UND PREDIGTTEXT

→12. Sonntag nach Trinitatis 2017

Jes 29,17-24

AT
III

 
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Biblia
1545
Jes
29