Der Prophet Jesaja | Kapitel 13

Sie sind hier: ⏵Home | ⏵Lutherbibel 1545 | ⏵Die Bücher der Propheten | ⏵Der Prophet Jesaja | Kapitel 13
Die Prophetenbücher

 

Biblia
 

Die gantze Heilige Schrifft Deudsch
D. Martin Luther, Wittenberg 1545

Die Bücher der Propheten

Der Prophet Jesaja

Kapitel 13

Info

mit Worterklärungen
Luther-Deudſch | Deutsch

 

Jes 13

 

Der Text in 66 Kapiteln

 
Auswahl der Beiträge und Kapitel

 

Gliederung Kapitel 13

 

Nr.

Textstelle

Abschnitt | Link zum Text

Kapitel XIII.

 

 

1 - 39

 

ERSTER TEIL DES BUCHES JESAJA

 

 

 

13,1 - 23,18

 

IX. BOTSCHAFTEN AN DIE VÖLKER

 

1

13,1-22

→Gottes Gericht über Babel

2

14,1-2

→Die Rückkehr der Israeliten aus dem Exil

 

Anm: Kapiteleinteilung nach der Ausgabe von 1545, Angabe der Textstelle nach heutiger Zählweise

 

 

 

 

Der Prophet Jeſáiá.

 

 
[10b]

 

XIII.

 

 

IX.
BOTSCHAFTEN AN DIE VÖLKER

 

 

13,1 - 23,18

 

 

Gottes Gericht über Babel

Jere. 50.

Jere. 51.

DIs iſt die Laſt vber Babel / die

Jeſaia der ſon Amoz ſahe. 2Werfft Panir auff / auff hohen Bergen / rufft getroſt wider ſie / werfft die hand auff / laſſt einzihen durch die thore der Fürſten. 3Ich hab meinen Geheiligeten geboten / vnd meinen ſtarcken geruffen zu meinem zorn / die da frölich ſind in meiner Herrligkeit. 4Es iſt ein geſchrey einer Menge auff den Bergen / wie eines groſſen Volcks / ein geſchrey als eins getümels der verſamleten Königreiche der Heiden. Der HERR Zebaoth rüſtet ein Heer zum ſtreit / 5die aus fernen Landen komen vom ende des himels / Ja der HERR ſelbs ſampt dem Zeuge ſeines zorns / zu verderben das gantze Land.

 

6HEulet / Denn des HERRN tag iſt nahe / er kompt wie eine verwüſtung

 

 
[10b | 11a]

 

 

Jeſáiá.     C. XIII. XIIII

XI.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

→Iob. 9.

→Amos. 5.

vom Allmechtigen. 7Darumb werden alle Hende laſs / vnd aller Menſchen hertz wird feig ſein. 8Schrecken / angſt vnd ſchmertzen wird ſie ankomen / es wird jnen bang ſein / wie einer Gebererin / Einer wird ſich fur dem andern entſetzen / fewrrot werden jr angeſicht ſein. 9Denn ſihe / des HERRN tag kompt grauſam / zornig / grimmig / das Land zuuerſtören / vnd die Sünder draus zuuertilgen. 10Denn die Sterne am Himel vnd ſein Orion ſcheinen nicht helle / Die Sonne gehet finſter auff / vnd der Mond ſcheinet tunckel. 11Ich wil den Erdboden heimſuchen / vmb ſeiner bosheit willen / vnd die Gottloſen vmb jrer vntugent willen. Vnd wil des hohmuts der Stoltzen ein ende machen / vnd die hoffart der Gewaltigen demütigen. 12Das ein Man theurer ſein ſol denn fein Gold / vnd ein Menſch werder denn golds ſtücke aus Ophir.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(Werdeer)

Das iſt / Der Leu­te wer­den ſo we­nig ſein im Lan­de als Gold.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

→Pſal. 137.

13DArumb wil ich den Himel bewegen / das die Erden beben ſol von jrer ſtet / durch den grim des HERRN Zebaoth / vnd durch den tag ſeines zorns. 14Vnd ſie ſol ſein / wie ein zuſcheucht Rehe / vnd wie ein Herd on hürten / Das ſich ein jglicher zu ſeinem Volck heimkeren / vnd ein jglicher in ſein Land fliehen wird. 15Darumb / das welcher ſich da finden leſſt / erſtochen wird / vnd welcher dabey iſt / durchs ſchwert fallen wird. 16Es ſollen auch jre Kinder fur jren augen zeſchmettert / jre Heuſer geplündert / vnd jre Weiber geſchendet werden. 17Denn ſihe / Ich wil die Meder vber ſie erwecken / die nicht ſilber ſuchen / oder nach gold fragen / 18Sondern die Jünglinge mit Bogen erſchieſſen / vnd ſich der früchte des Leibs nicht erbarmen / noch der Kinder ſchonen.

 

 

 

 

(Sie)

Das iſt Babel.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Meder.

19ALſo ſol Babel / das ſchöneſt vnter den Königreichen / die herrliche pracht der Chaldeer / vmbkeret werden von Gott / wie Sodom vnd Gomorra / 20Das man fort nicht mehr da wone / noch jemand da bleibe fur vnd fur. Das auch die Araber keine Hütten daſelbſt machen / vnd die Hirten keine hurten da auff ſchlahen. 21Sondern Zihim werden ſich da lagern / vnd jre heuſer vol Ohim ſein / vnd Strauſſen werden da wonen / vnd Feld geiſter werden da hüpffen / 22vnd Eulen in jren Pallaſten ſingen / vnd Drachen in den luſtigen Schlöſſern. Vnd jre zeit wird ſchier komen / vnd jre tage werden ſich nicht ſeumen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ohim / Zi-him.

Ohim halt ich ſey faſt aller­ley wil­de Thier / ſo vier füſ­ſig ſind / Gleich wie Zi­him aller­ley wil­de Vo­gel.

 

 

14

 

 

 

 

Beginn des Ka­pi­tels 14 nach heu­ti­ger Zähl­wei­se!

 

 

Die Rückkehr der Iſraeliten aus dem Exil

 

DEnn der HERR wird ſich vber Jacob erbar-

men / vnd Iſrael noch weiter erwelen / vnd ſie in jr Land ſetzen. Vnd Frembdlinge werden ſich zu jnen thun / vnd dem hauſe Jacob anhangen. 2Vnd die Völcker werden ſie annemen / vnd bringen an jren Ort / das ſie das haus Iſrael beſitzen wird im Lande des HERRN zu Knechten vnd Megden. Vnd werden gefangen halten / die / von welchen ſie gefangen waren / vnd werden herrſchen vber jre Treiber.

 

 

 

 
Aus dem Verzeichnis der Abkürzungen und Namen biblischer Bücher

Luthers Verweise auf biblische Bücher

 Kürzel

 Bezeichnung in Luthers Biblia 1545

 Moderne Bibel

 Kürzel

Jeſa.
Jeſai.
Jſa.
Iſai.
Eſa.

 

Der Prophet Jeſaja.

Biblia Vulgata: Isaias

Der Prophet Jesaja

Das Buch Jesaja

Jes

Jes

Jes

Is

Gen.
Ge.
Gene.
Das erste Buch Moſe.
Geneſis.

Biblia Vulgata: Genesis

Das erste Buch Mose (Genesis)

Genesis

1. Buch Mose

1. Mose

Gen

1Mos

Pſal.
Der Pſalter.

Biblia Vulgata: Psalmi

Der Psalter

Die Psalmen

Das Buch der Psalmen

Ps

Ps

Ps

Hiob
Iob.
Das Buch Hiob.

Biblia Vulgata: Iob

Das Buch Hiob (Ijob)

Das Buch Ijob

Hiob

Ijob

Hiob

Jer.
Jere.
Der Prophet Jeremia.

Biblia Vulgata: Hieremias

Der Prophet Jeremia

Das Buch Jeremia

Jer

Jer

Jer

Amos
Der Prophet Amos.

Biblia Vulgata: Amos

Der Prophet Amos

Das Buch Amos

 

Am

Am

Amos

Erläuterungen siehe →Liste der Abkürzungen und Namen biblischer Bücher

 
 

Worterklärungen: Übersicht

Die folgenden Begriffe aus dem Text Jes 13 werden hier erläutert.

Versnummer: Luthers Wort

1: Babel

2: Panier

3: Geheiligeten

4: Heiden

4: Der HERR Zebaoth

9: Sünder

9: zuuerſtören

9: zuuertilgen

10: Orion

10: tunckel

11: Gottloſen

10: hohmuts

11: hoffart

12: werder

13: ſtet

14: zuſcheucht

14: hürten

14: jglicher

16: Heuſer

16: Weiber

19: Babel

19: vmbkeret

19: Sodom vnd Gomorra

20: fur vnd fur

14: hurten

21: Feld geiſter

22: Drachen

1: Jacob

1: Iſrael

1: erwelen

1: Frembdlinge

 

Klick auf ein Wort führt zum Eintrag mit den Erklärungen.

Das vollständige Verzeichnis findet sich hier: →Das große Stilkunst.de–Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

 
Aus dem Stilkunst.de-Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

Worterklärungen: Seltene Namen, Wörter und Begriffe im Text

Vers

Luther-Deutsch

Deutsch   |   Erläuterungen

1

Babel

Babel (Name)

Im Alten Testament:

 

a) Name für die sumerische Stadt Babylon

Ehemalige Hauptstadt Babyloniens, gelegen am Euphrat, etwa 90 km südlich des heutigen Bagdads (Irak).

 

b) Name für das Land Babylonien

Landschaft am Unterlauf der Flüsse Euphrat und Tigris, zwischen der heutigen irakischen Stadt Bagdad und dem Persischen Golf gelegen.

 

Hintergrund zu Psalm 87

 

Gottes Handeln gegenüber dem Pharao vor dem Auszug aus Ägypten sowie sein Handeln gegenüber Nebukadnezzar II. während des Exils der Judäer in Babylonien gab Anlaß zu Dank und Lobpreis. Damit war aber auch die Vepflichtung verbunden, immer wieder diese Geschichten zu erzählen. Sie erklären, dass Gott stets beim Volk ist, bei den Menschen, und nicht an ein Land, an eine Stadt, an einen Berg oder an den Tempel gebunden ist. Sie erklären, dass Gott selbst es mit den Königen mächtiger Staaten aufnimmt, wenn es um sein Volk geht.

 

→Ps 87,4

 

JCh wil predigen laſſen Rahab vnd Babel / das ſie mich kennen ſollen

 

a) Ich will über Rahab und Babel predigen lassen, dass sie mich kennen sollen.

b) Ich will über Ägypten und Babylonien predigen lassen, damit sie mich genauer kennen lernen.

 

 

Hintergrund zu Psalm 137

 

Der babylonische König Nebukadnezzar II. eroberte 597 v. Chr. Jerusalem und setzte in Juda Zedekia als König ein. Nach einem Treuebruch Zedekias eroberte Nebukadnezzar II. 587/586 v. Chr. Jerusalem erneut, zerstörte den Tempel und deportierte einen großen Teil der Bevölkerung Judas nach Babylonien.

 

→Ps 137,1

 

AN den waſſern zu Babel ſaſſen wir / vnd weineten / Wenn wir an Zion gedachten.

 

a) An den Wassern zu Babel saßen wir und weinten, wenn wir an Zion dachten.

b) In Babylon saßen wir am Euphrat und weinten, wenn wir an Zion dachten.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

2

Panier

 

Panir

Panier, das (veraltet)

Banner, Fahne, Feldzeichen

Schiffsflagge

 

Das Banner war als Fahne das Feldzeichen eines Heerführers, unter dem sich eine Truppe auf dem Schlachtfeld ordnete.

 

Es ist Symbol und Ausdruck der Identifikation mit dem Heerführer. Heute haben Staatsflaggen, Firmen- oder Produkt-Logos (Marken) eine ähnliche Funktion.

 

→Ps 20,6

 

Vnd im Namen vnſers Gottes werffen wir Panier auff

 

a) Und im Namen Gottes werfen wir Panier auf

b) Und im Namen Gottes erheben wir das Banner.

c) Und im Namen Gottes geben wir uns zu erkennen.

 

Schiffsflagge: Das Panier der Zwillinge

 

→Apg 28,11

 

NAch dreien monden aber ſchifften wir aus in einem Schiffe von Alexandria / welchs in der Jnſulen gewintert hatte / vnd hatte ein Panir der Zwilling.

 

Anm.: Das »Panier der Zwillinge« meint die Abbildung des Sternbilds Zwillinge (Gemini). Das Sternbild hat die Form eines langgezogenen Rechtecks. Die beiden mit bloßem Auge sichtbaren Hauptgestirne Castor (α Geminorum) und Pollux (β Geminorum) bilden mit Blick Richtung Norden die beiden nordwestlichen Eckpunkte. Mitten zwischen ihnen hindurch geht der 31. Breitengrad, auf dem sich die ägyptische Stadt Alexandria befindet. D.h., das Sternbild Zwillinge bewegt sich von Horizont zu Horizont über Alexandria hinweg und steht an seinem höchsten Punkt senkrecht über der Stadt.

 

Das »Panier der Zwillinge« meint daher offensichtlich das (oder ein) Wappen des antiken Alexandria. Abgebildet waren neben anzunehmenden weiteren Elementen und Ornamenten (Schiff?) mit Sicherheit zwei Sterne, die übereinander standen, wobei der untere Stern gegenüber der Mitte nach links, der obere nach rechts versetzt war.

 

Dieses Schiff setzte nicht nur die Reise nach Rom fort, die vermutlich in Alexandria begann, es stammte aus Alexandria und fuhr unter ägyptisch-alexandrinischer Flagge. Es war kein römisches Schiff.

 

Vgl. dazu Luthers Anmerkung in der Marginalspalte zu Apg 28,11:

 

(Zwilling) Die nu ein Ge­ſtirn am Hi­mel hei­ſſen / wur­den bey den Hei­den ge­hal­ten fur Götter die den Schiff­leu­ten gne­dig we­ren / vnd hei­ſſen Ca­stor vnd Pol­lux.

 

 

 

SK Rev 05.02.2018  

→Register

3

Geheiligete

Geheiligte, der

jemand, der religiöse Tugenden (göttlich vollkommen) lebt und daher verehrungswürdig ist.

 

Siehe auch: →heiligen (Verb)

 

 

SK Rev 24.01.2018  

→Register

4

Heiden

Heiden, die

Heide, der

Heiden
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
684 412 120 152

Im Alten Testament nur im Plural gebräuchlich.

 

(eigtl. Völker). Im religiösen Sinn sind Heiden Menschen, die nicht an Gott glauben bzw. angehörige fremder Religionen.

 

Gemeint sind (allumfassend) Völker mit fremden Religionen und fremden Gotteskulten aus der Sicht des Sprechenden in Abgrenzung zum Volk Gottes.

 

Im Neuen Testament verwendet Luther das Wort auch im Singular:

 

→Mt 18, 17

 

Höret er die Gemeine nicht / So halt jn als einen Heiden vnd Zölner.

 

Hört er nicht auf die Gemeinde, dann halte ihn für einen Heiden und Zöllner.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

4

Zebaoth

HERR Zebaoth

Zebaot

 

HERR Zebaot

Das hebräische Wort Zebaot (צבאות) meint »Heere« oder »Heerscharen« und ist ein Attribut zum Gottesnamen JHWH (יהוה). Es beschreibt Gott entweder als denjenigen, der über der Armee seines Volkes steht, oder als Anführer einer Armee der Engel, als denjenigen, »der über den Cherubim thront« (2Sam 6,2; Jes 37,16).

 

HERR Zebaot

 

Martin Luther übersetzt JHWH Zebaot mit »HERR Zebaoth«, wobei die in Versalien gesetzte, deutsche Bezeichnung »HERR« angibt, dass sich dahinter das Tetragrammaton (das Vierfachzeichen) »JHWH«, der unaussprechliche Name Gottes, verbirgt.

 

Martin Luther belässt Zebaot unübersetzt und gibt dem Wort damit die Bedeutung eines Namensteils, ohne seinen Sinn aufzulösen oder zu werten. Hier steht Zebaoth wie ein Beiname, wie ein Ehrentitel und als Insignie seiner Macht. Diese Wiedergabe wurde in der Lutherbibel bis in die heutige Zeit beibehalten.

 

Andere moderne Übersetzungen schreiben beispielsweise »Herr der Heere« (Einheitsübersetzung), »Jehova der Heerscharen« (Neue-Welt-Übersetzung der Zeugen Jehovas), »Herr der Heerscharen« (Elberfelder Bibel) oder »Jahwe Zebaot «(Herder-Bibel, 1968).

 

 

SK Rev 10.08.2017  

→Register

9

Sünder

 

Sunder

Sünder, der

Mensch, der eine religiöse Verfehlung (Sünde) begeht, oder dem die Folgen einer solchen Verfehlung anhaften.

 

Zu Luthers Zeiten wurde der Begriff ausschließlich im religiösen und im kirchlichen Kontext verwendet. Durch die Vielzahl religiöser und kirchlicher Vorschriften war der Begriff Sünde inhaltlich eindeutig geprägt und beeinflusste viele alltägliche Verhaltensweisen.

 

In der katholisch-kirchlichen Praxis war beispielsweise das Unterlassen des Zehntenzahlens (Kirchensteuer) ein Vergehen gegen die Kirche und somit Sünde.

 

In der Schreibweise Sunder:

 

→Jes 33,14

 

Die Sunder zu Zion ſind erſchrocken / zittern iſt die Heuchler ankomen

 

Die Sünder zu Zion sind erschrocken, zittern überkam die Heuchler

 

 

 

SK Rev 24.01.2018  

→Register

9

zuuerſtören

zu zerstören (Verb)

Luther benutzt die Konjunktion »zu« als Vorsilbe des Verbs.

 

In der Folge wird das einleitende »v« von verſtören in der Wortmitte zu »u«, ist aber dennoch wie »v« zu sprechen.

 

a) etwas zerstören, verwüsten

b) jemanden verstören, stören

 

Siehe: →verſtören (Verb)

 

→Jes 13,9

 

Denn ſihe / des HERRN tag kompt grauſam / zornig / grimmig / das Land zuuerſtören / vnd die Sünder draus zuuertilgen.

 

Denn siehe! Des Herrn Tag kommt grausam, zornig, grimmig, um das Land zu zerstören und die Sünder darin zu vertilgen.

 

 

SK Rev 24.01.2018  

→Register

9

zuuertilgen

zu vertilgen (Verb)

Luther benutzt die Konjunktion »zu« als Vorsilbe des Verbs.

 

In der Folge wird das einleitende »v« von vertilgen in der Wortmitte zu »u«, ist aber dennoch wie »v« zu sprechen.

 

1) etwas essend oder trinkend verzehren

2) Unkraut oder Ungeziefer ausrotten

3) übertragen: etwas auslöschen durch etwas (»Das Böse vertilgt das Gute«)

4) im biblischen Gebrauch oft als göttliches Eingreifen gegen Menschen, Feinde, Gottlose: vernichten

 

Siehe: →vertilgen (Verb)

 

→Jes 13,9

 

Denn ſihe / des HERRN tag kompt grauſam / zornig / grimmig / das Land zuuerſtören / vnd die Sünder draus zuuertilgen.

 

a) Denn siehe! Des Herrn Tag kommt grausam, zornig, grimmig, um das Land zu zerstören und die Sünder darin zu vertilgen.

b) Denn siehe! Des Herrn Tag kommt grausam, zornig, grimmig, um das Land zu zerstören und die Sünder darin zu vernichten.

 

 

SK Rev 24.01.2018  

→Register

10

Orion

 

Band des Orion

 

Jacobsſtab

Orion (Name eines Sternbilds)

Oriongürtel, der

Jakobsstab, der

Orion ist ein Sternbild, das über dem Äquator liegt und im Mittelmeerraum gut zu sehen ist.

 

Orion
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
5* 5 0 0

 

* In diesem Artikel sind alle Fundstellen zitiert.

Jacobsſtab
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
1* 1 0 0

 

* In diesem Artikel sind alle Fundstellen zitiert.

 

Die Bezeichnung Orion steht in der Lutherbibel 1545 für

 

a) das Sternbild Orion

b) den Oriongürtel

c) ein Sternbild (als Gattungsbegriff)

 

 

 

Das Sternbild Orion

 

Sternbild Orion

Creative Commons Attribution-ShareAlike

 

Abbildung:

Das Sternbild Orion.

Die roten Verbindungslinien kennzeichnen den sog. Jakobsstab, der fast genau über dem Äquator steht.

 

Grafik: ©by Sabrina, 2018, CC BY-SA

 

 

Band des Orion

 

der Oriongürtel

 

Im Zentrum des Sternbilds Orion befinden sich drei, fast in einer Linie dicht beieinanderstehende Sterne namens Alnitak, Alnilam und Mintaka (ζ, ε und δ Orionis), der Oriongürtel, das Band des Orion, bzw. der Oriongürtel.

 

Jakobsſtab

 

Der Oriongürtel wurde im Mittelalter oft Jacobsstab genannt.

 

Der Jakobsstab war ein gerader Wanderstab für Pilger, der drei markante Merkmale besaß: eine kräftige, eiserne Spitze unten, einen kugelförmigen oberen Abschlussknauf und in der Mitte ein Griffstück mit verdickter Handauflage.

 

Mit einer gedachten Linie zwischen den drei Sternen entsteht für den Betrachter die Grundform des Jakobsstabs.

 

Das Wort Jacobsſtab kommt in deer Lutherbibel 1545 nur in einer Anmerkung Luthers zu Hiob 9,9 vor.

 

 

Fundstellen

 

→Hiob 9,9

 

Er machet den Wagen am himel vnd Orion vnd die Glucken vnd die Stern gegen mittag.

 

a) Er machte den Wagen am Himmel, und Orion, und die Glucken, und die Sterne gegen Mittag.

b) Er machte den großen Wagen am Himmel, und das Sternbild Orion, und die Plejaden, und die Sterne über dem Äquator.

 

 

Luther in seiner Anmerkung (Marginalspalte) zu →Hiob 9,9

 

(Orion) Iſt das hel­le Ge­ſtir­ne ge­gen mit­tag / das die Bau­ern den Ja­cobs­ſtab heiſ­ſen. Die Glu­cken oder die Hen­ne / ſind die ſie­ben klei­ne Ge­ſtir­ne.

 

a) Orion ist die helle Sternansammlung über dem Äquator, die die Bauern den Jakobsstab nennen. Die Glucken oder die Henne sind der Sternhaufen der sieben kleinen Sterne.

b) Orion ist das Sternbild über dem Äquator, dessen Gürtelsterne die Bauern den Jakobsstab nennen. Die Plejaden sind der Sternhaufen der sieben kleinen Sterne.

 

 

→Hiob 38,31

 

Kanſtu die bande der ſieben Sterne zuſamen binden? oder das band des Orion aufflöſen?

 

a) Kannst du das Band der sieben Sterne zusammenbinden? Oder das Band des Orion auflösen?

b) Kannst das Band der Plejaden zusammenbinden? Oder das Band des Oriongürtels auffösen?

 

 

→Jes 13,10

 

Denn die Sterne am Himel vnd ſein Orion ſcheinen nicht helle /

 

a) Denn die Sterne am Himmel und sein Orion scheinen nicht hell.

b) Denn die Sterne am Himmel und sein Sternbild scheinen nicht hell.

 

 

→Amos 5,8

 

Er macht die Glucken vnd Orion /

 

a) Er macht die Glucken und Orion.

b) Er machte die Plejaden und das Sternbild Orion.

 

 

 

SK Rev 24.01.2018  

→Register

10

tunckel

dunkel (Adjektiv und Adverb)

finster, ohne Licht, des Lichts beraubt

 

a) nicht hell, dämmernd, düster, trübe, schwärzlich, finster

b) wo der Sinn nicht offen liegt: unklar, ungewiß, unverständlich, verhüllt, geheimnisvoll

 

→Ps 68,15

 

Wenn der Allmechtige hin vnd wider vnter jnen Könige ſetzt / So wird es helle / wo es tunckel iſt.

 

Wenn der Allmächtige hin und wieder unter ihnen Könige beruft, dann wird es hell, wo es dunkel ist.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

11

Gottloſe

 

Gotloſe

Gottlose, der

Substantivierung von: →gottlos (Adjektiv)

 

Religiöser Begriff, der die Existenz Gottes voraussetzt:

 

1) Zustand: los von Gott; von Gott los [sein]; von Gott verlassen; ohne Gott.

2) religiöse Grundhaltung: Gott nicht dienend; die Ehre, den Willen, die Gebote Gottes missachtend

 

 

SK Rev 24.01.2018  

→Register

10

Hohmut

Hochmut, der

gehobener Mut, Stolz, Selbstvertrauen

(aber auch abwertend:) Übermut, Überhebung, falscher, überzogener Stolz.

 

→Ps 31,24

 

Die Gleubigen behüt der HERR / Vnd vergilt reichlich dem / der hohmut vbet.

 

Die Gläubigen behütet der HERR und vergilt es reichlich dem, der Hochmut übt.

 

 

SK Rev 24.01.2018  

→Register

11

Hoffart

Hoffart, die

Substantivierung zu: →hoffertig, hoffärtig (Adjektiv)

 

Jeweils abwertend gemeint:

 

a) anmaßender Stolz, verletzend überhebliches Betragen, Überheblichkeit, Dünkel,

b) aufgeblasenes, hochnäsiges, selbstherrliches, selbstgefälliges, snobistisches, arrogantes, blasiertes Verhalten oder Betragen

c) Überheblichkeit, Selbstherrlichkeit, Hochnäsigkeit, Arroganz, usw.

 

→Jes 13,11

 

Vnd wil des hohmuts der Stoltzen ein ende machen / vnd die hoffart der Gewaltigen demütigen.

 

a) Und will dem Hochmut der Stolzen ein Ende machen, und die Hoffart der Gewaltigen demütigen.

b) Und will dem Hochmut der Stolzen ein Ende machen, und die Überheblichkeit der Gewaltigen demütigen.

 

 

 

SK Rev 24.01.2018  

→Register

12

werd

 

werder

wert (Adjektiv)

alte Komparativbildung: werder, »werter [sein oder halten]«, mehr wert, wertvoller

alte Superlativbildung: am werdesten, der werdeste

 

1) angesehen sein, geschätz sein, Bedeutung haben, Geltung besitzen

2) etwas oder jemand schätzen

3) von Dingen: eine hohe oder bestimmte Kaufkraft besitzen (etwas besitzt Wert, ist wertvoll)

4) von Dingen: eine gewisse Seltenheit bei hohem Ansehen besitzen (etwas ist viel wert, weil es selten ist und nachgefragt ist, z. B. Gold)

 

 

Verwendung im Komparativ:

 

→Jes 13,12

 

Das ein Man theurer ſein ſol denn fein Gold / vnd ein Menſch werder denn golds ſtücke aus Ophir.

 

das ein Mann kostbarer sein soll als feinstes Gold, und ein Mensch wertvoller als Goldstücke aus Ofir.

 

 

SK Rev 24.01.2018  

→Register

13

Stet

 

Stete

Stätte, die

Stet, ſtet
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
102 84 11 6

Stete, ſtete
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
97 62 7 28

Stelle, Platz, Ort

 

Die heilige Stätte Gottes

 

→Ps 24,3

 

WER wird auff des HERRN Berg gehen? Vnd wer wird ſtehen an ſeiner heiligen Stete?

 

Wer wird auf den Berg des HERRN gehen? Und wer wird an seiner heiligen Stätte stehen?

 

 

SK Rev 24.01.2018  

→Register

14

zuſcheuchen

zerzeuchen (Verb; veraltet)

a) auseinander scheuchen

b) verscheuchen

 

 

→Jes 33,4

 

wie man die Hewſchrecken auffrafft / vnd wie die Kefer zuſcheuchet werden /

 

Wie man die Heuschrecken aufsammelt, und wie die Käfer verscheucht werden

 

 

 

SK Rev 20.01.2018  

→Register

14

Hürten

 

Hurten

Hurt, die (veraltet)

plural: Hürte, die

auch: Horde, die

 

heutige Form: Hürde, z. B. (das Flechtwerk) als Hindernis bei Pferderennen

 

Flechtwerk von Reisig oder Stäben, meist zum Schutz vor etwas errichtet. Oft ist zugleich der damit umschlossene Raum gemeint.

Bei Vieh daher: Pferch, Viehpferch, eingezäunte Weide.

Für Menschen auf dem Feld: umzäuntes Nachtlager. Usw.

 

 

SK Rev 24.01.2018  

→Register

14

jglicher

 

jgliche

 

jglichs

jeglicher, jegliche, jegliches (Pronomen)

veraltet für: jeder, jede, jedes

 

→Jes 28,25

 

.. ſo ſtrewet er Wicken / vnd wirfft Kümel / vnd ſeet Weitzen vnd Gerſten / jglichs wo ers hin haben wil /

 

...so streut er Wicken und wirft Kümmel und sät Weizen und Gerste, jegliches [dahin], wo er es hin haben will.

 

 

 

SK Rev 24.01.2018  

→Register

16

Haus
 
heuſer

Haus, das

Wohngebäude

 

Plural: heuſer; Häuser

 

 

→Jes 27,10

 

DEnn die feſte Stad mus einſam werden / die ſchöne heuſer verſtoſſen vnd verlaſſen werden /

 

 

SK Rev 22.01.2018  

→Register

16

Weib

Weib, das

die (Ehe-) Frau

 

Hinweis:

 

Es ist zu beachten, dass Luther den zu seiner Zeit gängigen Begriff Weib nicht abschätzig oder abwertend benutzt. Im Gegenteil: Wenn auch die etymologische Herkunft des Begriffs umstritten und unklar ist, so bezeichnete er doch die erwachsene, verantwortlich handelnde Frau in gesellschaftlich angesehener Stellung, z. B. als Ehefrau.

 

In der deutschen Sprache hat der Begriff »Weib« im Laufe der Zeit eine geringschätzende Bedeutung erfahren und besitzt heute die Qualität einer Beleidigung, die u. U. strafrechtlich verfolgt werden kann. Der Begriff wird daher in modernen Übersetzungen nicht verwendet. Stattdessen wird i. d. R. das Wort »Frau« benutzt.

 

Die englische Sprache kennt noch heute geläufig das Wort »wife« (meist für »Ehefrau«), das etymologisch auf die selbe Wurzel zurückzuführen ist, neben dem Begriff »woman«, der allgemein für »Frau« steht.

 

Empfehlung:

 

Wir empfehlen wegen der geringschätzenden Qualitäten, die an diesem Begriff kleben, bei Interpretationen, bei Textauslegungen, in Predigten und auch bei Textlesungen aus alten Lutherbibeln den Begriff Weib nicht zu verwenden und durch Frau zu ersetzen.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

19

vmbkeren

umkehren (Adjektiv)

in die entgegengesetzte Richtung kehren, wenden

 

→Ps 18,38

 

Jch wil meinen Feinden nachiagen vnd ſie ergreiffen / Vnd nicht vmbkeren / bis ich ſie vmbbracht habe.

 

Ich will meinen Feinden nachjagen und sie ergreifen, und nicht umkehren, bis ich sie umgebracht habe.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

19

Sodom vnd Gomorra

 

Sodom
Sodoma
Gomorra

Sodom und Gomorra (Namen)

Sodom und Gomorra (auch Gomorrha, Gomorrah) sind zwei in der Bibel genannte Städte im Jordanland, deren Lage bis heute unbekannt ist, und die außerbiblisch nicht nachgewiesen werden können.

 

Die beiden Städte Sodom und Gomorra stehen in den meisten biblischen Texten als Sinnbilder sowohl für Sündhaftigkeit und Lasterhaftigkeit, wie auch als Beispiel für Gottes Gericht.

 

Oft werden beide Städtenamen gebraucht wie ein fester Ausdruck, oft steht Sodom allein, denn die Geschichte, die letztendlich zur Vernichtung der Städte geführt hatte, spielte sich in Sodom ab und war jedem Israeliten bekannt.

 

Der Untergang von Sodom und Gomarra

 

Hintergrund ist die Erzählung in 1Mos 18-19, in der Gott beschloss, die beiden Städte Sodom und Gomorra wegen der zahlreichen Sünden ihrer Bewohner auszulöschen (1Mos 18,16-22). Doch Abraham, dem die Sache nicht gefiel, verhandelte mehrfach mit Gott und rang ihm das Versprechen ab, die Städte zu verschonen, wenn wenigstens zehn Gerechte darin zu finden wären (1Mos 18,23-33). Inzwischen war Lot mit seiner Familie in Sodom und bekam dort Besuch von zwei Engeln. Dies erregte Aufsehen, und etliche Bewohner Sodoms wollten, dass Lot die beiden Fremden herausgäbe, damit sie sich mit ihnen vergnügen könnten. Niemand kam Lot zu Hilfe. Damit war die Entscheidung Gottes gefallen. Lot verließ auf Anraten der Engel umgehend mit seiner Familie die Stadt (1Mos 19,1-23), und Gott zerstörte Sodom, Gomorra und die ganze Gegend um die beiden Städte herum (1Mos 19,24-25).

 

1Mos 19,24-15:

 

24DA lies der HERR Schwebel vnd Fewr regenen von dem HERRN vom Himel erab / auff Sodom vnd Gomorra / 25vnd keret die Stedte vmb / die gantze gegend / vnd alle Einwoner der ſtedte / vnd was auff dem Lande gewachſen war.

 

Die Namen Sodom und Gomorra

 

Sodom

 

hebräisch: סְדֹמ (Sedom) bzw. סְדֹ֫מָה (Sedoma) - ent­sprech­end verwendet Luther Sodom bzw. Sodoma

lateinisch: Sodoma

griechisch: Σοδομα

Gomorra

 

hebräisch: עֲמֹרָה ('amorāh), von עמר, angreifen, überfallen

lateinisch: Gomorra

griechisch: Γομοῤῥα

 

Der heutige »Mount Sodom«

 

Heute wird allgemein ein Salzfelsenrücken am südwestlichen Ende des Toten Meeres, der Ğebel Usdum, der Berg Sodom (Mount Sodom) als der Ort angenommen, an dem Lots Frau zu einer Salzsäule erstarrte (1Mos 19,26). Dabei beflügelten ausdrucksstarke Formationen des Salzgesteins die Fantasie der Interpreten. Eine dieser Säulen trägt den Namen »Lots Frau«.

 

Tatsächlich lassen sich in dieser Gegend keine (unter­ge­gan­genen) Siedlungen oder Städte nachweisen.

 

 

 

Karte: Lage des Mount Sodom (Berg Sodom) in Israel, an der südwestlichen Kante des Toten Meeres, zu dessen Füssen einst die biblische Stadt Sodom gelegen haben soll.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

20

fur vnd fur

immerfort

eigentlich: vor und vor

 

vorwärts und vorwärts

weiter und weiter

 

unaufhörlich vorwärts in der Bewegung, andauernd, immerfort vorwärts, immerfort, auf Ewig, ewiglich, usw.

 

→Ps 61,7

 

DV gibſt einem Könige langes leben / Das ſeine jare wehren jmer fur vnd fur.

 

Du gibts einem König langes Leben, damit seine Jahre währen immer weiter und weiter.

 

→Ps 146,10

 

Der HERR iſt König ewiglich / Dein Gott Zion fur vnd fur

 

Der HERR ist König ewiglich, dein Gott, Zion, immerfort.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

21

Feld geiſt

Feldgeist, der

Luthers Übersetzung Feld geiſter in Jes 13,21 ist eine Variante zu →Feldteufel. Sie begründet sich auf das selbe hebräische Wort.

 

Was mit einem Feldgeist genau gemeint ist, bleibt unklar.

 

Hier wird deutlich, dass auch im vorchristlichen vorderen Orient die Vorstellung von Dämonen, Geistern und Kobolden wie im frühen Europa verbreitet war.

 

Feldgeist

 

hebräisch: שָׂעִיר (śͻ˙ir)

lateinisch: daemon campestris

 

Feld geister
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
1* 1 0 0

 

* In diesem Artikel sind alle Fundstellen zitiert.

 

Das hebräische Wort שָׂעִיר (śͻ˙ir) bedeutet »langhaarig, zottig«. Eine davon abgeleitetes Substantiv meint »Ziegenbock«.

 

Doch aus dem Zusammenhang ergibt sich, dass es sich um ein geisterhaftes, dämonenhaftes Wesen handeln muss, das demnach zumindest langhaarig und zottig wie eine Ziege sei.

 

 

 

Moderne Übersetzungen schreiben daher:

 

Bocksgeister (Lutherbibel 2017)

Bocksgeister (Jerusalemer 1968)

Böcke (Einheitsübersetzung)

Bocksdämonen (Elberfelder)

 

Die Lutherbibel schreibt in den älteren Ausgaben:

 

Feldgeister (1912)

Feldgeister (1964)

 

 

Vorstellbar ist auch, dass die Bezeichnung dieser Dämonen ihre Herkunft anzeigt. Bei ihrer Verehrung könnte es sich um einen Kult handeln, der ursprünglich aus der Gegend südlich von Palästina stammt, dem Gebiet der Horiter. Hier lebten laut der Überlieferung die Nachkommen Esaus, des »Behaarten« (Vgl. →1Mos 25,24-25). Das hebräische Wort für die Horiter und für das Gebirge südlich Palästinas lautet שֵׂעִיר (śē˙ir, Haariger), worin etymologisch die selbe Wurzel wie in שָׂעִיר (śͻ˙ir, langhaarig) steckt. Dann wäre die Bezeichnung dieser Dämonen als Name aufzufassen.

 

Luthers Konstruktion Feldgeister tendiert in diese Richtung: Sie besitzt keine Verbindung zu einem realen Lebewesen. Sie erlaubt keine konkrete Vorstellung von einer äußeren Gestalt, anders als der neue Begriff Bocksgeister. Sollen das Wort »Geist« vermieden werden, wären gute optionale Begriffe auch Felddämonen oder Gebirgsdämonen.

 

 

→Jes 13,21

 

Sondern Zihim werden ſich da lagern / vnd jre heuſer vol Ohim ſein / vnd Strauſſen werden da wonen / vnd Feld geiſter werden da hüpffen /

 

Sondern Wüstentiere werden sich da lagern, und ihre Häuser werden voll Eulen sein, und Strauße werden da wohnen, und Felddämonen werden da hüpfen.

 

 

 

 

SK Rev 25.01.2018  

→Register

22

Drache

Drache, der

mystische Tiergestalt, Ungeheuer

 

1) In →Ps 44,20: Schakal

 

zu 1) hebräisch: תָּן (tan), Schakal

 

Die Bedeutungen des Wortes im Einzelnen:

 

  1. 1a) Schakal
  2. 1b) Wolf,
  3. 1c) Bewohner verwüsteter Gegenden,
  4. 1d) Kreaturen, die Klagelaute ausstoßen

 

2) In →Ps 91,13: Schlange

 

zu 2) hebräisch: תַּנִּין (tannin): Schlange

 

Die Bedeutungen des Wortes im Einzelnen:

 

  1. 2a) großer Seefisch (Walfisch, Haifisch u. ä., z.B. →1Mos 1,21; →Ps 148,7)
  2. 2b) mystisch übertragen: großes Seeungeheuer, Drachen (z.B. →Jes 51,9; →Ps 74,13)
  3. 2c) Schlange (z.B. 2Mos 7,9ff.; →Ps 91,13)
  4. 2d) übertragen: Bild für Ägypten (z. B. →Jes 27,1)
  5. 2e) übertragen: Bild für (das mächtige Ungeheuer) König Nebukadnezar (Jer 51,34)

 

Beide Wörter gehen in der hebräischen Sprache auf den selben Wortstamm ( תנן) zurück, was erklären mag, warum Luther sie identisch übersetzte. Dabei entschied er sich gegen die konkrete Bezeichnung eines Tieres, die ihm wohl zu schwach erschien, für das mystische Bild des »Drachens«.

 

Der Drache ist ein Ungeheuer, das die Gestaltmerkmale und Wesenzüge unterschiedlicher Tiere besitzt, aber vielfach mächtiger als jedes dieser Tiere selbst ist.

 

→Ps 44,20

 

Das du vns ſo zurſchlegeſt vnter den Drachen / Vnd bedeckeſt vns mit finſternis.

 

a) Das du uns so zerschlägst unter den Schakal und bedeckst uns mit Finsternis

b) Das du uns so zerschlägst unter die Herrschaft des Tyrannen und bedeckst uns mit Finsternis.

c) Das du uns so zerschlägst unter die Völker der Wüste und bedeckst uns mit Finsternis.

 

Luthers Scholion in Ps 44 belegt, dass er den Drachen als Metapher für tyrannische Völker verstanden wissen will:

(Drachen) Das iſt / Den gifftigen Tyrannen.

 

Erläuterung zum Bild des Schakals:

 

Der Schakal ist ein typischer Bewohner der Wüste, dessen Geheul an die Klagelieder Trauernder erinnert. Er steht als Metapher für kriegerische Wüstenvölker bzw. fremde Heere, die über die Wüste kommend in das Land einfielen. Wo sie raubten und plünderten, hörte man noch lange die Klagelieder der Bewohner von weit her.

 

→Ps 91,13

 

Auff dem Lewen vnd Ottern wirſtu gehen / Vnd tretten auff den Jungenlewen vnd Drachen.

 

Du gehst auf Löwen und Vipern, Junglöwen und Schlangen wirst Du niedertreten.

 

Das Bild, das Autor des Psalms zeichnet, stellt paarweise Löwe und Viper (die erwachsenen, zeugungsfähigen Tiere), sowie Junglöwe und Schlange(nbrut) (die Nachkommen) nebeneinander.

 

 

 

SK Rev 04.02.2018  

→Register

1

Jacob

 

Israel

Jakob (Name)

 

Israel (Name)

Jacob
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
389 337 25 27
 

Dort, wo Israel als Name einer Person verwendet wird, ist Jakob gemeint, der von Gott den Namen Israel bekam.

 

Israel bezeichnet daneben das Volk Israel, die Israeliten, sowie das historische Land Israel. Der heutige Staat Israel trägt offiziell eben diesen Namen: Medinat Jisra'el. (מדינת ישראל).

 

Jakob ist der zweite Sohn von Isaak, der Zwillingsbruder von Esau, und Enkel von Abraham.

 

Er lebte mit seinen beiden Frauen und mit seinen Kindern in Haran.

 

Jakob bekam nach einem Kampf mit Gott von ihm den Namen Israel.

 

Seine Söhne sind die Namensgeber der zwölf Stämme, aus denen sich das Volk Israel gebildet hat.

 

Jakob, der nun Israel heißt, zieht in seinen späten Jahren nach Ägypten, wo er auch stirbt.

 

Der Name Jakob

 

hebräisch: ‏ יַעֲקֹב‎ (Ja'ākob, Jakob)

lateinisch: Iacob

griechisch: Ἰακὼβ

Für diesen Namen gibt es unterschiedliche Deutungen:

 

 

1) Die erste Deutung findet sich in →1Mos 25,24-26:

 

DA nu die zeit kam / das ſie [Rebekka, die Frau Isaaks] geberen ſolt / ſihe / da waren zwilling in jrem Leibe. Der erſt der eraus kam / war rötlicht / gantz rauch wie ein fell / Vnd ſie nenneten jn Eſau. Zu hand darnach kam er aus ſein Bruder / der hielt mit ſeiner Hand die ferſen des Eſau / Vnd hieſſen jn Jacob.

 

Der Name wird auf das hebräische Wort ‏עָקֵב‎ (Akew), Ferse, zurückgeführt, dessen Wurzel im hebräischen Namen Jakob stecke, wobei עָקוֹב (Akow) »die Ferse halten« bedeute, Jakob demnach »Fersenhalter« hieße.

 

2) Die zweite Deutung wird zurückgeführt auf das selbe hebräische Wort עָקוֹב (Akow), allerdings in der Bedeutung »betrügen«. Als Begründung wird dabei auf die bekannte Erzählung vom Tausch des Erstgeburtsrechts gegen ein Linsengericht verwiesen (→1Mos 25,29-34) und auf die Erzählung von der Täuschung des Isaaks, der ungewollt Jakob als Erstgeborenen segnet (→1Mos 27,36).

 

Unsere Deutung:

Das hebräische Wort עָקוֹב (Akow) meint nicht nur »die Ferse halten« oder »betrügen«. Dies sind bereits abgeleitete Begriffe. Es meint ursprünglich und in erster Linie »hinter jemandem herschleichen« ( jemandem auf den Fersen sein, dies kann auch in betrügerischer, dunkler Absicht geschehen, daher »betrügen«).

 

Wir meinen, dass »hinter jemandem herschleichen« hinreichend aus 1Mos 25,26 verständlich ist: Damals waren anders als heute Zwillinge im Mutterleib nicht selbst­verständlich vor der Geburt zu erkennen. Bei der Geburt folgte zur Überraschung aller dem ersten Kind ein zweites.

 

Jakob schlich dem Esau geradezu hinterher als zunächst unentdeckter, heimlicher Verfolger. Er war ihm schließlich bei der Geburt im wahrsten Sinne des Wortes auf den Fersen. Jakob meint in diesem Zusammenhang dem­nach den Zwilling, der als Zweiter zur Welt kam.

 

Die Deutung Betrüger erscheint zum Zeitpunkt der Geburt und Namensgebung nicht haltbar und ist bestenfalls ein nettes Wortspiel, womöglich aus der Zeit nach Jakobs Tod.

 

Der Name Israel

 

hebräisch: יִשְׂרָאֵל (Jiṣra'el)

lateinisch: Israhel

griechisch: Ἰσραὴλ

 

Es gibt unterschiedliche Deutungen für diesen Namen. Fest steht, dass die Endung אל (el) »Gott« bedeutet.

 

Der vordere Teil wird allgemein auf die semitische Wurzel שרה (sarah) mit der Bedeutung »ringen, kämpfen« zurückgeführt. Es scheint auch möglich, dass sich die Wurzel שרר (sarar) in der Bedeutung »herrschen« dahinter verbirgt. Die deutschen Entsprechung wären in etwa »Gott ringt (mit uns)« bzw. »Gott möge mit uns ringen« oder »Gott herrscht« bzw. »Gott möge herrschen«.

 

Luther erklärt den Namen Israel im Scholion zu →1Mos 32,28:

 

Luther: Iſrael kompt von Sara / das heiſſet kempffen oder vberweldigen / Da her auch Sar ein Fürſt oder Herr / vnd Sara ein Fürſtin oder Fraw heiſſt / vnd Iſrael ein Fürſt oder Kempffer Gottes / das iſt / der mit Gott ringet vnd angewinnet. Welchs geſchicht durch den glauben der ſo feſt an Gottes wort helt / bis er Gottes zorn vberwindet / vnd Gott zu eigen erlanget zum gnedigen Vater.

 

Jakob wurde Israel

 

Nach seinem nächtlichen Kampf mit Gott (→1Mos 32,25b-30) erhielt Jakob den Namen Israel.

 

 

→1Mos 32,28-29

 

Er ſprach / Wie heiſſeſtu? Er antwortet / Jacob. Er ſprach / Du ſolt nicht mehr Jacob heiſſen / ſondern IſraEl / Denn du haſt mit Gott vnd mit Menſchen gekempfft / vnd biſt obgelegen.

 

 

Die zwölf Stämme Israels

 

Jakob heiratete nacheinander Lea und Rahel. Von ihnen und von deren Sklavinnen Bilhas und Silpas, die ihm nach der Sitte dieser Zeit als Nebenfrauen gehörten, hatte Jakob insgesamt zwölf Söhne:

 

Ruben, Simeon, Levi, Juda, Issachar, Sebulon,

Joseph, Benjamin, Dan, Naftali, Gad, Ascher.

 

Mit Ausnahme Josephs, dessen Söhne Efraim und Manasse namentlich in der Stammesliste vertreten sind, gaben diese Söhne den zwölf Stämmen Israels ihre Namen.

 

 

 

SK Rev 31.01.2018  

→Register

1

erwelen

erwählen (Verb)

auslesen, auswählen, wählen

 

→Ps 119,173

 

Denn ich habe erwelet deine Befelh.

 

Denn ich habe deine Anordnungen gewählt.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

1

Frembdlinger
Frembdling

Fremde, der

Fremdling, der

Luther verwendet die beiden Begriffe Frembdlinger und Frembdling gleichberechtigt, ohne Unterscheidung und abwechselnd, so wie wir die Begriffe Fremder und Fremdling kaum differenzieren.

 

Gemeint ist allgemein der Fremde, der Außenstehende, der nicht zum beschriebenen Personenkreis gehört.

 

→2Mos 20,10

 

Da ſoltu kein werck thun / noch dein Son / noch dein Tochter / noch dein Knecht / noch dein Magd / noch dein Vieh / noch dein Frembdlinger / der in deinen thoren iſt.

 

Während die erste Gruppe in der Aufzählung (Sohn, Tochter, Knecht, Magd, Vieh) zum Haus gehört, ist der Frembdlinger hier als Besucher oder Gast zu verstehen.

 

 

SK Rev 04.08.2017  

→Register

Erläuterungen siehe →Das große Stilkunst.de–Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

 

 

Erläuterungen zum Satz und zur Typografie des Bibeltextes

Der Text aus der Luther­bi­bel auf die­ser Sei­te ist in An­leh­nung an das Druck­bild des Ori­gi­nals von 1545 wie­der­ge­ge­ben.

Den Sei­ten­auf­bau, die ver­wen­de­ten Schrif­ten, die Schreib­re­geln der Frak­tur­schrift und Luthers In­ten­tio­nen, mit der Ty­po­gra­fie Le­se­hil­fen be­reit­zu­stel­len, er­läu­tert dem in­ter­es­sier­ten Le­ser un­ser Ar­ti­kel »Satz und Ty­po­gra­fie der Luther­bi­bel von 1545«.

 
Empfehlungen: Das könnte Sie auch interessieren
Vorrede auf das Alte Testament

→Vorrede auf das Alte Testament

Luthers erklärt den Sinn und die Bedeutung des Alten Testaments und der Gesetze Mose. Diese Schriften seien für Christen sehr nützlich zu lesen, nicht zuletzt deshalb, weil Jesus, Petrus und Paulus mehrfach daraus zitieren.

Vorrede auf die Propheten

→Vorrede auf die Bücher der Propheten

Luther widmet den Prophetenbüchern eine umfangreiche Vorrede. Sie seien reich an Predigten und Beispielen für christliches Leben und sie Weissagen die Ankunft Christi.

 

Sabrina

Text | Grafik | Webdesign | Layout:

©by Reiner Makohl | Stilkunst.de
©by Sabrina | SABRINA CREATIVE DESIGN™

 
 
Biblia
1545
Jes
13